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Eichen – Krone der Artenvielfalt

Kein anderer Baum bietet so viel Lebensraum wie die Eiche. Sie ist gegenüber der Buche konkurrenzschwach und würde ohne Bewirtschaftung und Pflege des Waldes verloren gehen – und damit auch die Vielfalt des Lebens, die mit Eichen ganz besonders verbunden ist.

Die Eiche ist wohl die geschichtsträchtigste und sagenumwobenste Baumart. Im Mittelalter bildeten viele Jahrhunderte alte Eichen einen wesentlichen Bestandteil der Wälder. Durch ihr hohes Alter und ihre Mächtigkeit erschien sie den Menschen als ein überzeitliches und riesenhaftes Sinnbild, was zu einer hohen kultischen Stellung von Baum und Wald im Brauchtum führte. In alten Religionen, Mythen und Sagen war die Eiche ein heiliger Baum und Symbol für die Ewigkeit. Eichen können über 1.000 Jahre alt werden und sterben nur langsam. Heute stellt sie einen der wichtigsten Laubbäume Mitteleuropas dar und bietet Lebensraum für eine Vielzahl an Tierarten. Über 400 Schmetterlinge und etwa 100 weitere Insektenarten haben sich auf die Eiche spezialisiert.

Sogar im Totholz tummeln sich ganze 1.377 Käferarten, darunter seltene Gäste wie Hirschkäfer, Eremit und der Große Eichenbock. Der Große Eichenbock, auch Heldbock, ist auch aufgrund seiner speziellen Lebensweise vom Aussterben bedroht. Er lebt fünf Jahre als Larve im Baum, ehe er sich zum adulten ausgewachsenen Käfer entwickelt hat. Insekten, Vögel und Pilze fördern durch die Strukturen, die sie im Baum bilden, den Lebensraum des Heldbocks. Der vollentwickelte Käfer hält sich fast ausschließlich am Geburtsbaum auf. Er bevorzugt sonnenexponierte, kränkelnde oder absterbende alte Eichen. Diese Käferart ist nicht nur sehr ortstreu, vielmehr zeigt sie auch nur äußerst geringes Interesse daran, größere Distanzen zurückzulegen. Dies ist mit ein Grund, weshalb eine Ansiedelung in neu geschaffenen Lebensräumen nur sehr langsam vor sich gehen kann.

Eichen sind mit 60 Jahren geschlechtsreif. Dann transportieren z. B. Eichhörnchen die Früchte oft über Kilometer durch den Wald, damit sich die Eiche auf natürliche Weise im Wald vermehren kann. Sogenannte Mastjahre, in denen besonders viele Eicheln produziert werden, wechseln sich mit mehreren mageren Jahren ab. So kontrollieren die Bäume Populationen innerhalb des Tierreichs, damit ihr Nachwuchs nicht zur Gänze verspeist wird. Von uns Menschen wurden Eicheln früher als Kaffee- und Mehlersatz verwendet. Heute werden sie bei der sogenannten Eichelmast als besonderes Futter für Schweine angesehen, da durch sie ein ganz besonderer Geschmack von Schweinefleisch erreicht werden soll. Eichenholz gilt als ein sehr wertvolles Bau- und Furnierholz. Die Kultivierung der Korkeiche führte zum Beispiel zur Entstehung der charakteristischen Kulturlandschaft Portugals.

Da Buchen schneller und höher wachsen als Eichen, ist die Eiche der Buche bei der natürlichen Verjüngung unserer Wälder unterlegen. So haben sich Eichen-Hainbuchenwälder in Österreich nur durch die historische Mittelwaldwirtschaft gegenüber reinen Buchenwäldern behaupten können. Bei der Mittelwaldwirtschaft handelt es sich um eine nachhaltige Waldbauform, bei der zwei Bewirtschaftungsformen miteinander kombiniert werden: Niederwald mit kurzen Umtriebszeiten und gleichaltrigem Unterholz sowie Hochwald mit langen Umtriebszeiten und überwiegend unterschiedlich altem Oberholz. Das Unterholz ist der Bewuchs unterhalb der Baumkronen und wird alle 15 bis 30 Jahre geerntet, die Bäume des Oberholzes bleiben hingegen als Samenbäume über mehrere Umtriebszeiten erhalten. Als Umtriebszeit wird der zu erwartende Zeitraum von der Pflanzung der Bäume bis zur Ernte des Holzes bezeichnet.

Die Einstellung einer nachhaltigen Bewirtschaftung und eine Entwicklung hin zum Naturwald würde den Verlust von Eichen-Hainbuchenwäldern und die daran gebundene Artenvielfalt nach sich ziehen. Durch die Holznutzung und Pflege des Waldes gelangt Licht in den Wald und die Konkurrenzverhältnisse unter den einzelnen Baumarten können gezielt gesteuert werden. Auch sehr alte Bäume, die Lichtbaumarten zugehörig sind und wichtige, sich langsam entwickelnde Strukturen wie Mulmhöhlen aufweisen, können nur mit einer nachhaltigen Pflege bewahrt werden. Würden wir die Bewirtschaftung von Eichen-Hainbuchenwäldern einstellen, käme es zu einer schleichenden Veränderung des Waldcharakters hin zu schattigeren Waldarten mit einem weitgehenden oder völligen Verlust der Eiche. Verschwindet die Eiche, verschwindet ebenso ein wichtiger Lebensraum für viele Schmetterlinge, Vögel, Käfer und kleine Säugetiere.

Die Eiche

Die Eiche ist Lebensraum für Vögel, Insekten und kleine Säugetiere. 400 Schmetterlinge, 100 weitere Insekten und 1.377 Käferarten sind auf die Eiche angewiesen. Die Eiche ist das Urgestein des Waldes und kann über 1.000 Jahre alt werden.

Mythos Eiche

Die Eiche ist wohl der wichtigste Baum der Mythologie. Mehrere Jahrhunderte alte Eichen bildeten im Mittelalter einen wesentlichen Bestandteil der Wälder. Durch ihr hohes Alter, die damit einhergehenden Strukturen der Bäume und ihre Mächtigkeit erschienen sie den Menschen als ein überzeitliches und riesenhaftes Sinnbild und führten damit zu der hohen kultischen Stellung von Baum und Wald im Brauchtum.

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Quellen

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