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Aufgelichtete Wälder – ein Hort der Artenvielfalt

Eine Zusammenfassung von Johannes Leeb der Publikation „Pflanzen- und Schmetterlingsarten in den Selven von Soazza, Bündner Wald: Waldbiodiversität, Jahrgang 74“

Österreichische Wälder erfüllen auf ein und derselben Fläche gleichzeitig mehrere Funktionen. Neben der Nutzfunktion, welche Arbeitsplätze, Wertschöpfung und die Versorgung mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz sichert, sind unter anderem der Schutz vor Naturgefahren, die Filterwirkung für sauberes Trinkwasser und die Wirkung des Waldes als Erholungsraum von enormer gesellschaftlicher Bedeutung. Um die vielfältigen Wirkungen des Waldökosystems auch in Zukunft gewährleisten zu können, ist eine zukunftsorientierte, nachhaltige Waldbewirtschaftung unerlässlich.

Aktive Bewirtschaftung schafft besondere Habitate

Dass die regelmäßige Nutzung von Wäldern keinen Widerspruch, sondern einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und der Förderung der Artenvielfalt darstellt, zeigt eine Untersuchung aus der Schweiz. Nach der Aufgabe der Bewirtschaftung von Nutzflächen zur Kastanienproduktion entstanden aus den ehemaligen Kastanienhainen Wälder. Durch den dichten Bewuchs mit Bäumen änderte sich der Lichteinfall, sodass nur noch wenig Licht auf den Boden gelangte – mit Folgen für die Vegetation in der Krautschicht. Diese nahm im Verlauf ab.

Im Rahmen von Forstprojekten konnten Maßnahmen zur Wiederherstellung durchgeführt werden. Diese beinhalteten unter anderem die Auflichtung der Wälder. Durch die aktive Entnahme von Bäumen wurde das Kronendach geöffnet. Dadurch gelangte mehr Licht auf den Waldboden als zuvor. Dies wirkte sich in der Folge wiederum auf die Artenzusammensetzung der Flora und Fauna aus. Denn viele Pflanzenarten sind auf Standorte mit höherem Lichteinfall angewiesen. Diese verschwinden mit der Zeit, wenn die Bewirtschaftung unterlassen wird und sich das Kronendach zu schließen beginnt.

Regelmäßige Eingriffe in Form von Auflichtungen erhalten den Charakter eines offenen Waldstandortes, was das Überleben dieser Arten auf dem Standort sichert. Auf den lichten Standorten siedeln sich nicht nur Pflanzenarten an, sondern auch Insekten. Darunter finden sich vor allem auch seltene Insektenarten. Diese benötigen die Pflanzenarten der lichten Wälder als Nahrungsquelle. Das Vorkommen vieler Insekten geht wiederum Hand in Hand mit dem Vorkommen anderer Tierarten. Beispielsweise dienen Insekten Vögeln und Fledermäusen als Nahrungsgrundlage. Dieses Beispiel zeigt: Die Schaffung von besonderen Habitaten für Pflanzen- und Tierarten kann mit entsprechender Bewirtschaftung durch den Menschen gelingen.

Waldbewirtschaftung & Artenvielfalt

Die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder spielt eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung einer vielfältigen Artenzusammensetzung. Ohne gezielte Bewirtschaftung würde die Artenvielfalt erheblich abnehmen. Insbesondere lichte Wälder, die durch selektive Holzernte entstehen, bieten Lebensraum und Nahrungsgrundlage für viele Pflanzen- und Tierarten.

So sind Mitteleuropas Tagfalter und zahlreiche Vogelarten auf solche lichten Wälder angewiesen, um darin geeignete Nahrung und Brutmöglichkeiten zu finden. Die gezielte Bewirtschaftung, bei der einzelne Bäume oder Baumgruppen geerntet werden, schafft die notwendigen Lichtverhältnisse und fördert die Vielfalt im Lebensraum Wald.

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Vielfalt durch unterschiedliche Bewirtschaftungssysteme

Vielfalt ist auch im Hinblick auf die Lichtökologie wichtig. So sollten im Ökosystem gleichzeitig offene Wälder und geschlossene Wälder vorkommen, in denen nur wenig Licht auf den Boden fällt. Dadurch kann sowohl lichtbedürftigen und schattentoleranten Arten ein Lebensraum geboten werden.

Durch die unterschiedlichen forstlichen Bewirtschaftungssysteme wird genau das ermöglicht. Systeme mit nachhaltiger, einzelstammweiser Holznutzung stellen schattige Lebensräume zur Verfügung. Werden Nutzungen auf größerer Fläche durchgeführt kann lichtbedürftigen Arten ein entsprechender Lebensraum geboten werden.

Holznutzung und Artenvielfalt sind kein Widerspruch!

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Zum Nachlesen

Quellen

  • Johannes Leeb
  • Andres, F. und Wastavino, M. (2021): Pflanzen- und Schmetterlingsarten in den Selven von Soazza.
    In: Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und SELVA (Hrsg.): Bündner Wald: Waldbiodiversität, Jahrgang 74, S. 34-38

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