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Wald & Naturgefahren

Der Wald ist Schutz und wichtiger ausgleichender Faktor aber auch Hauptbetroffener

Der Wald erfüllt die wichtige Aufgabe, uns vor Naturgefahren zu schützen. Dabei sprechen wir hier nicht nur vom Schutzwald im Gebirge, ohne den eine permanente Besiedelung der hochgelegenen Alpentäler kaum möglich wäre. Weniger beachtet aber genauso wichtig ist der Erosionsschutz und die Funktion als Wasserspeicher. Beides hilft, Muren und Hochwasser zu verhindern oder zu mindern und die Auswirkungen von Extremereignissen zu verringern.

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Lawinen

Lawinen stellen in Österreichs gebirgigen Regionen eine permanente Gefahr dar. Mit zwei Drittel der Fläche prägen die Alpen unser Land und so kommt dem Schutzwald enorme Bedeutung zu. Ohne ihn wären die Alpen nicht besiedelbar. Rund 30 Prozent der Waldfläche Österreichs der insgesamt 4 Millionen ha sind Schutzwald. Das entspricht der gesamten Fläche der beiden Bundesländer Salzburg und Wien. Fast jede:r vierte Österreicher:in profitiert vom Schutzwald und seinen Leistungen wie dem Schutz vor Lawinen, Steinschlag, Erosion und Hochwasser. Der Schutzwald hält den Schnee am Hang und ist ein effektiver natürlicher Lawinenschutz. Steht der Schutzwald geschlossen und dicht, entstehen erst gar keine großen zerstörerischen Lawinen. In extrem exponierten Lagen kommt dem Wald auch Buffer- und Lenkfunktion zu.

Durch seine Höhenlage und oft extremen Lebensbedingungen wächst der Schutzwald vielerorts sehr viel langsamer und muss stärker vor Umwelteinflüssen und Verbiss geschützt werden. Damit der Schutzwald erhalten bleibt, braucht es eine aktive Bewirtschaftung, die durch das strenge Forstgesetz geregelt ist.

Muren

Die Zerstörungskraft eines Murenabganges ist besonders hoch. Sogar innerhalb von Gebäuden besteht Gefahr für Mensch und Tier. Wenn die Menge des vom Wasser mitgeführten Geschiebes so groß ist, dass die bewegte Masse ein Gemisch von Erde, verschieden großem Geschiebe, oft mächtigen Felsblöcken oder auch Holz darstellt, spricht man von einer Mure. Voraussetzung für das Entstehen einer Mure ist zunächst eine entsprechende Wassermenge, die entweder durch Starkniederschläge oder durch Stauwasser zustande kommt; weiters das Vorhandensein genügend großer Materialmassen sowie eine Abfuhrbereitschaft derselben. Diese hängt von der Steilheit der Böschungen, vom Vorhandensein von Sickerwässern, von der Korngröße des Geschiebes, von der Beschaffenheit der Vegetationsdecke und schließlich von der Lockerheit des Materials ab. Eine entsprechende Vegetationsdecke kann infolge ihrer bodenbindenden Wirkung die Bildung von Muren verhindern. Wir sind durch das gehäufte Auftreten von lokalen und regionalen Extrem-Niederschlagsmengen verstärkt mit dieser Naturgefahr konfrontiert, die auch Siedlungsgebiete und Infrastruktur bedroht.

Dem Schutzwald kommt hier eine besondere Rolle zu, weil er Wasser speichert und nur langsam abgibt und den Boden bindet und stabilisiert.

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Hochwasser

Bei Hochwasser steigt der Wasserspiegel oft auch um mehrere Meter. Oft entscheiden aber gerade die letzten Zentimeter über Wohl und Wehe. Zwar verhindert Wald kein Hochwasser, die Hochwasserspitzen werden jedoch gekappt und fallen daher niedriger aus. Wiesen, Weiden und Kahlflächen haben einen deutlich höheren und schnelleren Oberflächenabfluss als Wald. Aus diesem Grund ist es notwen­dig, im Einzugsgebiet von Bächen und Flüssen die Waldfläche zu erhalten, bes­ser noch zu vergrößern.

Bei Niederschlä­gen mit mittlerer Stärke wirkt ein gemischter Wald sehr gut einem hohen Oberflächenabfluss entgegen und ver­mindert dadurch die Hochwassergefahr. Bei Extremereignissen ist der Einfluss des Waldes nur noch bedingt wirk­sam. Nach einer entsprechend langen Regendauer ist der Boden so mit Wasser gesättigt, dass ein großer Teil des Regenwassers an der Oberfläche abfließt.

Besonderheit Auwald

Im überfluteten Auwald sind die Wasserretention und die Stauhöhe erheblich höher als auf unbewaldeten Überflutungsflächen. Das heißt, der Auwald nimmt enorme Wassermengen auf und gibt sie verzögert wieder ab. Auwälder vermindern nachweislich die Hochwasserspitzen entlang von Bächen und Flüssen und tragen dazu bei, Schäden gering zu halten. Dabei entstehen im Ökosystem Auwald selbst keine nennenswerte Schäden.

Stürme und Orkane

Wind ist eine sehr schwer einzuschätzende Gefahr für den Wald aber auch für seine Bewohner und Besucher. Deshalb werden Parks im städtischen Bereich bei Sturmwarnungen gesperrt. Aber auch der Wald sollte bei Sturm möglichst nicht betreten und schnellst möglich verlassen werden. Er bietet ab Windstärke 6 (45 km/h) keinen verlässlichen Schutz. Vielmehr ist man durch abbrechende Äste und umstürzende Bäume gefährdet.

Der Wald und ein gesunder Baumbestand kann mit Wind und Sturm in der Regel gut umgehen, selbst wenn einzelne Bäume entwurzelt werden oder abbrechen. Allerdings sind wir auch in Österreich vermehrt mit extrem Wind- und Sturmereignissen konfrontiert, die zu großflächigem Windwurf und bis zur kompletten Zerstörung des Waldes reichen. Die Auswirkungen sind vor allem wirtschaftlich katastrophal. Um noch größeren Schaden durch Massenvermehrung von Krankheiten und Forstschädlingen wie dem Borkenkäfer abzuwenden, muss der Mensch gezielt eingreifen und das Schadholz rechtzeitig aus dem Wald entfernen.

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Trockenheit

Ein gesunder Wald kann mit Trockenperioden in der Regel gut umgehen, da er viel Wasser speichern kann und es nur langsam abgibt. Dauert die Trockenheit aber zu lange an, steigt die Gefahr von Waldbränden, die dann durch den kleinsten Funken entfacht werden können. Bei extremer Trockenheit werden alle Bäume anfällig für Krankheits- und Schädlingsbefall, weil die Abwehrkraft sinkt. Dies kann in Extremfällen zu Massenauftreten von Schädlingen führen und in der Folge zum Massensterben von Bäumen.

Temperaturerhöhung und immer längere Dürrephasen erfordern eine Erneuerung des Waldes, Durchmischung mit Arten und Änderung der Zusammensetzung der Baumarten. Diese aktive Entwicklung des Waldes wurde schon vor Jahrzehnten in Österreich begonnen und nimmt immer mehr Fahrt auf, da wir erkennen müssen, dass sich der Klimawandel viel massiver auswirken wird, als zu befürchten war und mittlerweile bereits alle Regionen in Österreich davon betroffen sind. Dieser Prozess benötigt naturgemäß aber viel Zeit und muss über Generationen kontinuierlich gezielt verfolgt werden. Die Familienwaldbetriebe haben damit schon vor Jahrzehnten begonnen, stehen aber aufgrund der Geschwindigkeit der Klimaveränderung vor einer riesigen Herausforderung.

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Luftverschmutzung

Die Zeiten des akuten Waldsterbens durch sauren Regen, der durch ungefilterte schwefelhaltige Emissionen, von Industrie und Verkehr verursacht, den Wald in Europa bis in die 80iger des vorigen Jahrhunderts zum Teile schwer geschädigt hatte, sind vorbei. Dennoch belasten hohe Ozon und NOx Werte, Feinstaub und andere Luftverschmutzungen den Wald genauso wie uns Menschen. Eine Verringerung der Emissionen ist daher gut und anzustreben, Industrie, Transit & Verkehr müssen umweltfreundlicher werden, denn entlang der Transitrouten und in der Nähe von Ballungs- und Industriezentren ist der Wald weiterhin zum Teil extrem belastet und dadurch sehr anfällig für Krankheiten und Schädlingsbefall.

Der Wald übt eine Filterfunktion aus und verbessert die Luftqualität, reichert die Luft mit Feuchtigkeit und Sauerstoff an und absorbiert schädliche Gase und Feinstaub. Wald in der Nähe von Städten kann daher auch dort für bessere Luft sorgen. Diese natürliche Filterfunktion der Bäume ist aber begrenzt. Dabei ist zu beobachten, dass die Auswirkungen durch schädliche Gase mit den Klimawandel als zusätzlichen Stressfaktor potentiert werden. Bei zu hohen Belastungen kommt es zu Schädigungen bis hin zum massiven Baumsterben, wie wir es in der Vergangenheit gesehen haben. Wir sind daher gut beraten, nicht nur für uns, sondern auch für den Wald, die Luftverschmutzung deutlich zu verringern.

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Feuer

Feuer ist wohl die dramatischste Gefahr für den Wald, die wir kennen. Wenn der Wald brennt, blutet der Himmel, sagt ein Sprichwort. Die Gewalt eines solchen Ereignisses ist wirklich beängstigend und tatsächlich sind Waldbrände eine große Bedrohung für Wald, Tier und Mensch.

Lange Trockenperioden wie wir sie durch die Klimakrise immer häufiger haben, erhöhen die Gefahr von Waldbränden enorm. Wir beobachten deshalb leider eine wachsende Zahl und Größe von Waldbränden. Die Waldbrandgefahr ist hierzulande zwar kleiner als in den südlichen Ländern Europas oder in den USA und Australien, aber wir sehen uns in Österreich immer mehr mit diesem wachsenden Problem konfrontiert.

Die Ursachen sind vielfältig. Waldbrände können auch durch Blitzschlag entstehen, oft hat aber leider der Mensch damit zu tun. Selten sind es absichtlich gelegte Feuer, aber es genügt unsachgemäßes Hantieren mit offenen Feuer oder auch „nur“ eine unachtsam weggeworfene Zigarette. Auch zerbrochenes Glas oder Spiegel können trockenes Material entzünden. Offenes Feuer hat deshalb schlicht nichts im Wald verloren.

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Wie gehts weiter?

Klimaveränderungen

Der Wald wirkt lokal und regional genau wie global für das Klima ausgleichend und regulierend. Im Wald ist es bei Hitze kühler, das liegt nicht nur am Schatten und dass wir vor der direkten Sonneneinstrahlung geschützt sind, sondern auch weil die Bäume ein Kleinklima, durch die Abgabe von Feuchtigkeit und Verdunstung, schaffen. So kann der Wald helfen, Spitzen von Extremwitterungen zu mindern, sowohl bei Hitze & Trockenheit als natürliche Klimaanlage als auch als Wasserspeicher bei extremen Niederschlägen.

Der Effekt der Kühlung ist dabei so stark, dass in der Stadtplanung der Einsatz von Bäumen und Vegetation zur Kühlung der Stadt, von Straßenfluchten und Gebäuden, immer mehr an Bedeutung bekommt. Besonders attraktiv ist dabei nicht nur die Temperatur, sondern auch die Luftfeuchtigkeit, die dabei reguliert wird und dass der Energieaufwand auf die baulichen Maßnahmen beschränkt ist.
Die Natur machts vor. Wir können von ihr lernen.

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Der Wald selbst ist in Gefahr

Auch der Wald selbst ist durch die Klimakrise in Gefahr. Die Geschwindigkeit der Klimaveränderung, allem voran die Temperaturerhöhung, stresst und schädigt die Bäume, den Wald. Sie können krank werden und sind anfälliger für den Befall durch Schädlinge, die wie der Borkenkäfer in Massen auftreten, weil die Fichte durch die erhöhten Temperaturen und dem fehlendem Wasser geschwächt ist.

Neben den permanenten Auswirkungen der Klimaveränderungen wie die Temperaturerhöhung können aber auch vor allem Extremwitterungen den Wald besonders hart treffen. Vor allem Schäden durch Wind und Windböen aber auch extreme Eis- und Schneelast können den Wald großflächig schädigen und die Waldbestände vernichten. Die Schäden sind stark im Steigen begriffen, sodass nicht nur Wald, sondern auch die Familienwaldbetriebe in ihrer Existenz bedroht sind.

Der Mensch kann dem Wald helfen

Aber der Mensch kann dem Wald helfen. Die Verjüngung des Bestandes, die Durchmischung und Anpassung der Zusammensetzung, Förderung von lokalen und robusten Arten, Natursämlinge, Zukunftsbäume und ausreichende Biodiversität sind wichtige Werkzeuge bei dieser aktiven Unterstützung der Wälder. Die moderne nachhaltige Bewirtschaftung ist ein Garant für zukunftsfitte Wälder. Wir können hier auf eine viele Generationen währende Tradition der Nachhaltigkeit ebenso bauen wie neue Erkenntnisse der Forstwirtschaft, Biologie und Klimaforschung. Der Mensch kann versuchen den Auswirkungen der Klimakrise gegenzusteuern und in Österreich tut er dies bereits großflächig.

Wenn der Wald aber Opfer von extremen Ereignissen wird wie Schnee, Wind und Hagel, muss er immer, oft akut, eingreifen und den Wald vor noch Schlimmeren bewahren. So muss in den betroffenen Wäldern in kurzer Zeit Schadholz aus dem Wald entfernt werden, um Krankheiten und Massenentwicklungen von Schädlingen zu vermeiden.

Wettlauf mit der Zeit

Dieser Weg wurde bereits vor langer Zeit begonnen, viel früher als das Thema Klimakrise in der Gesellschaft angekommen war. Denn die Menschen, die mit dem Wald arbeiten, haben sehr viel früher die Anzeichen der Veränderung bemerkt und darauf reagiert. Aber es ist ein Wettlauf mit der Zeit, da sich die Zeiträume hier nicht am Menschen und seinen Befindlichkeiten noch an der Dynamik der Klimakrise orientieren, sondern allein am natürlichen Rhythmus der Bäume. Umso mehr Weitblick ist notwendig und desto besser muss geplant werden, weil die Wirkung der Maßnahmen sich erst in Jahren oder Jahrzehnten entfalten. Aber die Wälder allein zu unterstützen wird nicht reichen, Klimaschutz muss ein gesamtgesellschaftliches Ziel werden. Wir müssen aus der erdölbasierten Wirtschaft aussteigen und die nachwachsenden Rohstoffe verstärkt nutzen. Nur so kann diese große, mit hoher Wahrscheinlichkeit jemals größte Herausforderung bewältigt werden und der Wald in Österreich und damit unsere Lebensqualität und Sicherheit bewahrt werden.

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Intakte und klimafitte Wälder

Klimafitte Wälder werden in der Zukunft noch eine größere Rolle beim Schutz vor Naturgefahren haben, als dies ohnedies bereits jetzt der Fall ist. Sie werden ausgleichen, regulieren und helfen, extreme Ereignisse zu mindern. Damit der Wald diese wichtige Aufgabe erfüllen kann, muss der Wald in Österreich klimafit werden. Der Mensch kann dabei unterstützen und helfen, dass der Wald mit den Veränderungen besser umgehen kann.

Dieser Weg wurde bereits vor langer Zeit beschritten, aber er ist ein fortwährender Prozess, da erst in jüngster Zeit klar wird, wie massiv die Veränderungen sein werden, die die Klimakrise mit sich bringt.

Es ist aktiver Klimaschutz in allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen notwendig, damit die Klimaveränderungen in Grenzen gehalten werden können.

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Was ist die Klimakrise?

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