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Die Waldbesitzer:innen

Wem gehört der Wald in Österreich?

Österreich ist ein Land der Waldbesitzer:innen. Rund 80 % der Waldfläche sind im Privateigentum, nur rund 20 % sind öffentlicher Wald und gehören somit entweder dem Staat, den Ländern oder Gemeinden. Der überwiegende Teil der ca. 140.000 Eigentümer:innen sind kleine Familienwaldbetriebe mit weniger als 200 Hektar. Die Waldbesitzer:innen in Österreich pflegen und hegen den Wald seit vielen Generationen und bewahren ihn für die Zukunft. Der Wald und seine Bewirtschaftung kann ein wichtiger Beitrag zur Klimaneutralität in Österreich sein und stellt damit eine große Chance für den Klimaschutz dar. Die Waldbesitzer:innen nehmen diese Verantwortung gerne wahr.

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Kleine und mittlere Familienwaldbetriebe

Mit ca. 138.000 Eigentümer:innen sind die Kleinwaldbesitzer (< 200 ha) zahlenmäßig die mit Abstand größte Gruppe der Waldbesitzer. 75 % der Kleinwaldbesitzer:innen bewirtschaften Flächen kleiner 20 ha. Rund die Hälfte der gesamten Waldfläche und über 60 % des Privatwaldes mit ca. 1.8 Mio. Hektar ist damit im Eigentum klein strukturiert. Diese Vielfalt der Struktur schafft Vielfalt in der Bewirtschaftung und damit gleichzeitig auch eine hohe Biodiversität. 

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Lange Tradition der Nachhaltigkeit

Die Tradition des Waldbesitzes ist alt und zeichnet sich dadurch aus, in Österreich sehr breit gestreut zu sein. Der Waldbesitz ist sehr stark familiär geprägt. Familien richten naturgemäß vieles auf ihre Nachkommen aus. Alleine dadurch ist der Generationenvertrag und das Prinzip der Nachhaltigkeit in der Waldbewirtschaftung von Grund auf angelegt. Viele Menschen in Österreich haben durch Waldbesitz auch einen persönlichen Bezug zum Wald. Dieser persönliche Bezug zum Wald und die Verantwortung für den Wald als Besitzer:in prägt die Menschen und ihr Denken. Sie sind es gewohnt, in ganz anderen Zeiträumen zu denken als dies in anderen Wirtschafts- und Lebensbereichen der Fall ist. Sie übernehmen aktiv Verantwortung für künftige Generationen und berücksichtigen deren Interessen.

Die langen Lebenszyklen des Waldes erfordern besonders viel Weitblick, und wenn man den Wald in seinem Wert und seiner Funktion für die nächsten Generationen erhalten will, muss das Prinzip der Nachhaltigkeit konsequent gelebt werden. Jede Generation nimmt nur das, was für sie bestimmt ist und sorgt darüber hinaus dafür, dass die nächsten Generationen ebenso handeln können.

Diese lange Tradition der Nachhaltigkeit wird von Generation zu Generation weitergegeben und stellt speziell in Österreich eine interessante Perspektive dar. Denn Nachhaltigkeit kann auch in anderen Lebens- und Wirtschaftsbereichen gelebt werden. Die nachhaltige Waldwirtschaft ist ein ideales Beispiel auch für andere Wirtschaftsbereiche. Die vielen Waldbesitzer:innen sind nicht nur Vorbild, sondern auch Botschafter:innen der Nachhaltigkeit in der gesamten Gesellschaft.

Waldeigentümer mit mehr als 200 ha

794.000 ha und damit 21.6 % der Waldflache Österreichs fallen auf Betriebe mit mehr als 200 ha. Die Zahl dieser Betriebe ist im Vergleich zu den Kleinbetrieben mit weniger als 200 ha mit rund 1.700 sehr klein. Der Großteil dieser Betriebe bewirtschaftet Waldflächen zwischen 200 und 500 ha. Nur einige wenige Privateigentümer:innen haben mehr als 500 ha Waldbesitz.

Die mit Abstand größten Flächen bewirtschaftet die Österreichischen Bundesforste AG mit rund 500.000 ha und die Stadt Wien mit rund 34.000 ha.

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Kommunen und Landesbesitz

Auch Gemeinden und das eine oder andere Bundesland besitzen Wald, den sie nachhaltig und multifunktionell bewirtschaften. Mit einem Anteil von rund 3 % fällt dieser sehr bescheiden aus.

 

Die Österreichischen Bundesforste

Die Österreichischen Bundesforste bewirtschaften als Aktiengesellschaft, 100 % Eigentum der Republik Österreich, 510.000 ha Wald. Die Flächen sind nach wie vor im Besitz der Republik und somit ist sie auch der größte Waldbesitzer.

Oberstes Prinzip für die Bundesforste, und auch im Leitbild verankert, ist die Nachhaltigkeit. Aus der Forstwirtschaft kommend bedeutet es, dass der Natur nur so viel Rohstoff entnommen wird, wie laufend nachproduziert wird. Weiterentwickelt und in einen globalen Kontext gestellt, bedeutet es, dass dem Schutz der Natur, den Bedürfnissen der Gesellschaft sowie dem betriebswirtschaftlichen Erfolg gleichermaßen Rechnung getragen wird.

Die vier Standbeine Forstwirtschaft, Immobilien, Dienstleistungen und Erneuerbare Energie bilden das Fundament für ein unternehmerisches Streben, das stets um den Ausgleich zwischen drei Spannungsfeldern bemüht ist: Ökologische Ziele, gesellschaftliche Interessen und wirtschaftliches Bewusstsein müssen permanent in ihrem Verhältnis zueinander neu bewertet werden – darin liegt die unternehmerische Herausforderung der Österreichischen Bundesforste AG.

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Das Forstgesetz

Die Nutzung des Waldes durch die Eigentümer:innen ist in Österreich durch ein modernes, der Nachhaltigkeit verpflichtetes, strenges Forstgesetz geregelt.

Das Forstgesetz regelt auch die Nutzung der Wälder durch die Bevölkerung. So darf der österreichische Wald überall bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Holzernteeinsätze, junge Waldflächen, etc.) zur Erholung betreten werden. Sogar das Sammeln von Beeren und Pilzen ist in Mengen für den Eigenbedarf (2kg) erlaubt.

Das Forstgesetzt wurde bereits Mitte des 19.  Jahrhunderts geschaffen und verfolgt im Wesentlichen die Strategie der Erhaltung der Waldflächen. Ziel war es, die Versorgungssicherheit mit Holz, das damals den absoluten Großteil des Energiebedarf für Bevölkerung, Gewerbe und beginnende Industrie abgedeckt hat, sicherzustellen. Über 150 Jahre hatte diese Errungenschaft seine Gültigkeit und wurde dann 1975 von einem neuen, modernen Fortgesetz abgelöst, das bis heute Gültigkeit hat. Natürlich wurde es immer wieder an die neuen Gegebenheiten angepasst, sprich novelliert. Das Ziel des Forstgesetzes war, ist und wird auch immer so bleiben, der Erhalt des österreichischen Waldes sowie die nachhaltige, multifunktionelle Waldbewirtschaftung. Multifunktionell bedeutet, dass der Wald alle seine Wirkungen/Funktionen erfüllen muss. Als Rohstofflieferant, Schutz vor Naturgefahren, Erholung, Luft, Trinkwasser und Klimaregulator. Wald ist auch immer Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Zertifizierter Wald

Der Ursprung der Wald- und Holzzertifizierung liegt in der Zerstörung von Urwäldern, allen voran den für das globale Klima und der Artenvielfalt so wichtigen Tropenwäldern. Rasch hat das Thema auch auf andere Wälder, wie jene in Europa, übergegriffen.

Das Forstgesetz in Österreich regelt die Nutzung und Bewirtschaftung des Waldes. Die moderne Forstwirtschaft hat sich laufend weiterentwickelt und verfolgt neben der Wirtschaftlichkeit auch Ziele der Zukunftssicherheit, Nachhaltigkeit und des Lebensraumschutzes. Letzteres besonders im Sinne des Artenschutzes und der Förderung der Artenvielfalt. Dabei entwickelt sich die Forstwirtschaft laufend weiter, angetrieben von so brennenden Themen wie der Klimakrise, die für den Wald und die Waldwirtschaft eine existenzielle Bedrohung darstellt. Diese Erkenntnisse fließen auch laufend in die Waldzertifizierung von PEFC ein.

Waldbesitzer genauso wie Konsumenten können damit sicher sein, dass der Wald und die Holzproduktion streng nach den Kriterien der Nachhaltigkeit und schonend erfolgt. International sind die zwei wichtigsten Zertifikatssystem PEFC und FSC.

 

PEFC

In Österreich sind mittlerweile rund 75 % der bewirtschafteten Waldflächen PEFC zertifiziert. Holz aus diesen Waldbeständen garantiert Nachhaltigkeit und Bewirtschaftung nach objektiven und laufend kontrollierten Kriterien. Die österreichischen Waldbesitzer:innen sind damit Vorreiter:innen in der Waldbewirtschaftung und zeigen ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre Zukunftsorientierung. Das PEFC-Gütesiegel zeichnet sich durch hohe Standards und kontinuierliche Audits aus und ist über eine regionale Analyse der Waldentwicklung als Zertifizierung auch für Klein- und Mittelbetriebe zugänglich und finanzierbar.

 

FSC

International gesehen ist FSC ein wichtiges Zertifikat. FSC zertifizierter Wald spielt in Österreich aber kaum ein Rolle. Dies liegt vor allem auch an der klein strukturierten Eigentumsverhältnisse in Österreich. Das FSC Zertifikat ist für Kleinflächen schwer zugänglich und kommt in Relation sehr teuer.

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Welches Holz ist das Beste?

Der Konsument fragt immer mehr nach Qualitäten wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Naturschutz. Welches Holz und welche Holzprodukte sind die beste Wahl? Wie kann man den Klimaschutz und die Nachhaltigkeit in seinem Kaufverhalten berücksichtigen? Hier gilt dasselbe wie bei anderen landwirtschaftlichen Produkten.

Einfach Holz, regional und zertifiziert

Es ist schon eine sehr gute Entscheidung, wenn sie sich für Holz entscheiden. Es macht für das Klima eine großen Unterschied, ob sie ein Haus mit Holz oder in Stahlbeton bauen. Wichtig beim Holz sind Transport und Wege der Verarbeitung. Regional, das heißt in einem abgrenzbaren Wirtschaftsraum produziertes und verarbeitetes Holz, ist gut für das Klima. Schließlich sollte das Holz auch zertifiziert sein, weil damit eine enkeltaugliche Waldbewirtschaftung erfüllt ist. Das sollte angesichts der mittlerweile großen Verbreitung und Flächen in Österreich kein Problem sein.

 

Informieren sie sich, fragen sie nach PEFC und damit Holz aus nachhaltiger, schonender Produktion, das ist die beste Wahl.

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Referenzen & Fachartikel

Rechte & Produktion

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