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Unser Wald in Österreich

Eine besondere Mensch – Natur – Beziehung

Der Wald ist Ort der Begegnung von Natur und Mensch, Arbeitsplatz & Lebensgrundlage, Erholungsraum & Gesundheit, Naturraum & naturnaher Raum. Er hat enorme ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung und erfüllt vielfältige, lebenswichtige Funktionen. In Österreich hat der Wald durch seinen Anteil von 48 % der gesamten Fläche einen ganz besonderen Stellenwert.

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Fakten und Zahlen

Die Waldfläche von 4.02 Mio. ha entspricht 47.9 % der Landesfläche und hat in den letzten 60 Jahren um 330.000 ha zugenommen. Der Holzvorrat beträgt 1.173 Mio. Vorratsfestmeter (Vfm) und steigt stetig an. Jede Sekunde wächst in Österreich 1 m³ Holz zu und damit alle 40 Sekunden ein Holzhaus. Ein Drittel des jährlichen Holzzuwachses genügt, um alle Gebäude in Österreich mit Holz zu bauen. Allein ein Einfamilienhaus aus Holz bindet rund 40 Tonnen CO2. Das entspricht dem CO2-Ausstoß eines PKW’s in 26 Jahren.

Die Zusammensetzung der Wälder ist im Wandel begriffen. Der Anteil von Nadelholzreinbeständen hat weiter abgenommen, zu Gunsten von Laubholzrein- und Mischbeständen. Seit 1986 hat die Nadelholzfläche im Österreichischen Wald um 287.000 ha abgenommen. Das entspricht ungefähr der Größe des Bundeslandes Vorarlberg. Betrug der Anteil der Fichte bezogen auf die Fläche 1986/90 noch 57 % bzw. 1992/96 noch 56 %, ist er nunmehr auf 49 % zurückgegangen. Die häufigsten Baumarten in Österreich bezogen auf die Fläche sind Fichte, Buche, Lärche, Kiefer, Tanne und Eiche. Jährlich werden rund 25 Mio. Bäume von den Familienwaldbetrieben gepflanzt.

Der Wald ist für Österreich von großer ökonomischer Bedeutung. Die Unternehmen der Forst- und Holzwirtschaft erwirtschaften eine direkte Bruttowertschöpfung von 11,3 Milliarden Euro und stehen damit für einen Anteil von 3.2 Prozent der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung. Im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk Forst- und Holzwirtschaft wird eine Bruttowertschöpfung von über 20 Milliarden Euro erreicht. Die Forst- und Holzwirtschaft erwirtschaftet jeden 17. Euro der österreichischen Bruttowertschöpfung. Entlang der Wertschöpfungskette Forst- und Holzwirtschaft werden damit 300.000 Arbeitsplätze gesichert. Der Außenhandelsüberschuss der Wertschöpfungskette Forst-Holz-Papier beträgt jährlich rund 4 Mrd. Euro und ist nach dem Tourismus der zweit größte Bereich.

Weitere Zahlen und Fakten …

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Wer nutzt den Wald?

Abgesehen von der ganzen Tier- und Pflanzenwelt, die im Wald ihre Heimat haben und davon, dass der Wald viele wichtige Funktionen für das Gleichgewicht der Welt erfüllt, nutzt auch der Mensch den Wald auf vielfältige Weise.

Den meisten Menschen in Österreich ist der Wald als Ort der Erholung & Freizeit vertraut. Der Wald hat gerade in der Zeit von COVID stark als Ort des Ausgleichs, der Ruhe und sportlichen Aktivität an Bedeutung für die Menschen gewonnen.

Der Wald ist aber auch Arbeitsplatz für sehr viele Menschen in Österreich, insbesondere der Familienwaldbetriebe. Viele ,wie die bekannten Praxisberufe des Försters und Jägers aber auch wissenschaftliche Berufe in Forschung und Entwicklung, haben den Wald als Arbeitsplatz.

Der Wald ist eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen in Österreich. Sein großer Vorteil neben dem Wasser und der Luft: Er ist regenerativ, er wächst nach. Mit der nachhaltigen Bewirtschaftung, die seit Generationen in Österreich durchgeführt wird, ist er quasi unerschöpflich und damit eine Ressource der Zukunft. Der Wald bietet auch viele andere Nichtholzprodukte wie Pilze, Beeren, Nüsse, Harze, aromatische Stoffe, Rohstoffe für medizinische Produkte, Dekoration, Wildpret, Pelze, Häute, Trophäen, Honig, Fische.

Der Wald hat zudem auch soziale Funktionen. Er war Kultstätte und ist ein Ort der Begegnung. Die beruhigende und naturnahe Wirkung des Waldes wird immer mehr auch für Therapien und für soziale Projekte wie z. B. Green Care genutzt.

Broschüre Kostbarkeiten im Wald (PDF 11 MB)

Die Bedeutung des Waldes in Österreich als Schutz und Bannwald ist besonders hervorzuheben. Ohne den Wald wären große Bereiche der Alpen nicht besiedelbar.

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Grundlegende Funktionen oder Wirkung des Waldes

Der Wald erfüllt eine große Zahl sehr unterschiedlicher Funktionen. Er erfüllt wichtige natürliche ökologische Funktionen durch die Sauerstoffproduktion und ist wichtiger Teil des Kohlenstoffkreislaufs, zur Wasserspeicherung, Luftfilterung und Klimaregulierung (Wohlfahrtsregulierung). Er hat aber auch für uns Menschen große und vielfältige Wirkung in ökonomischer Hinsicht (Nutzwirkung) als Schutz und Bannwald (Schutzwirkung) und als Erholungsraum (Erholungswirkung). Aufgrund ihrer großen Bedeutung ist der Erhalt dieser Wirkungen im Österreichischen Forstgesetz festgeschrieben. Das Forstgesetz kennt 4 Wirkungen des Waldes (=Funktionen):

  • Nutzwirkung – alles subsummiert in Bezug auf Rohstoffversorgung, Nichtholzprodukte, Lebensmittel, Einkommensquelle, Urproduktion für weitergehende verarbeitende Industrie
  • Schutzwirkung – Schutz vor Wildbach und Lawinen, Steinschlag und  Bodenerosionsschutz
  • Erholungswirkung – alles im Zusammenhang mit der Erholung
  • Wohlfahrtswirkung – Sauerstoffproduktion, Klimaregulation, CO2-Zyklus, Wasserspeicherung, Luftfilterung, Klimaschutz aber auch soziale Aspekte

Diese Wirkungen müssen durch Waldbesitzer:innen sichergestellt werden. Manche Wirkungen macht der Wald von selbst, manche wiederum nur durch Einwirken des Menschen. Manche Wirkungen die der Wald von selbst macht, können durch Bewirschaftung des Menschen optimiert und in größerem Ausmaß zur Verfügung gestellt werden. Waldbesitzer:innen erbringen Ökosystem-Dienstleistungen für die Gesellschaft. Derzeit oft zum Nulltarif oder sogar auf eigene Kosten, da die Einnahmen der Nutzwirkung diese Kosten nicht mehr abdecken. Daher ist es nur fair, dass Waldbesitzer:innen für diese Dienstleistungen an der Gesellschaft einen fairen Lohn erhalten. Grundlegend ist in unserem Forstgesetz festgeschrieben, dass Wald auch Wald bleiben muss. Ausnahmen sind nur möglich, wenn das öffentliche Interesse über eine andere Nutzungsform überwiegt. Der Wald muss nachhaltig und multifunktional bewirtschaftet werden.

Wer kümmert sich um den Wald

Sehr viele Menschen in Österreich kümmern sich um den Wald. Allen voran ist die große Zahl von über 138.000 Waldbesitzer:innen zu nennen. Zu diesen kommt ein große Zahl an Menschen mit einem der vielen waldspezifischen Berufe und Arbeitsplätze. Nicht zuletzt kümmern sich auch viele Institutionen und Behörden um die Geschicke des Waldes.

Wer nimmt die Verantwortung wahr

Die Waldbesitzer:innen kümmern sich um den Wald und übernehmen auch die Verantwortung. Meist schon über Generationen. Denn die langen Zeiträume im Wald bedingen, dass Handlungen, die jetzt gesetzt werden, erst in Jahrzehnten zum Tragen kommen. Bäume, die heute gesetzt werden, müssen von der nächsten Generation gepflegt werden. Ernten kann sie erst die übernächste Generation. Langfristiges Denken ist daher wichtig. Jeder möchten seinen Wald im zumindest gleich guten bzw. sogar im besseren Zustand an die nächste Generation übergeben.

Unterstützung bekommen die Familienwaldbetriebe durch die Landwirtschaftskammern in Form von Interessenvertretung, Aus- und Weiterbildung sowie Beratung. Die Waldverbände helfen auch bei der Vermarktung des Holzes, was bei den kleinen Strukturen Österreichs und den damit verbundenen geringen Mengen je Waldbesitzer:in sehr wichtig ist. Wie ernst die Verantwortung für den Wald wahrgenommen wird, zeigt der mit rund 75 % sehr hohe Anteil an PEFC zertifizierten Waldflächen. Zertifizierte Waldflächen gehen mit freiwilligen zusätzlichen Bewirtschaftungsrichtlinien und Zielen und deren laufende Evaluierung einher und stellen deshalb eine wichtige Qualität für Nachhaltigkeit und Vielfalt dar.

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Wem gehört der Wald

82 % der Waldfläche sind im Privatbesitz und 99 % des Waldbesitzes fallen in die Kategorie Kleinwald (unter 200 ha), knapp 85 % haben weniger als 20 ha. Die Kleinwaldbesitzer:innen bewirtschaften rund 50 % der Fläche. Gerade diese Kleinstrukturiertheit bringt auch Vielfalt in der Bewirtschaftung, damit Vielfalt in den Strukturen und Waldbildern und somit auch Vielfalt an Pflanzen und Tieren im Wald.

Viele Waldbesitzer:innen sind auch sogenannte „Hofferne“ Waldbesitzer:innen, die z. T. nur mehr wenig Bezug zum Wald haben. Der Wald als Einkommensquelle spielt für sie kaum eine Rolle. Größte Motivation für diese Gruppe, den Wald zu bewirtschaften ist, den Wald der Vorfahren gesund und klimafit zu halten oder zu machen.

15 % werden durch die Österreichischen Bundesforste bewirtschaftet, rund 3 % sind Landes- und Gemeindewälder.

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Wer arbeitet mit dem Wald

Viele Waldbesitzer:innen arbeiten selbst im und mit dem Wald, wie schon seit vielen Generationen. Das Wissen um den Wald und seine Bewirtschaftung wird von Generation zu Generation weitergeben. Können oder wollen sie selbst nicht im Wald arbeiten, weil sie nicht mehr in der Nähe der ihnen vererbten Waldflächen wohnen oder einen ganz anderen beruflichen Hintergrund haben, gibt es in Österreich eine große Vielfalt an Dienstleistern, die zur Seite stehen. Angefangen von der Planung über Straßenbau bis hin zur Pflege, Ernte, Vermarktung und Wiederaufforstung.

Entlang der Wertschöpfungskette Forst – Holz – Papier gibt es in Österreich rund 300.000 Einkommensbezieher:innen.

Ausbildungsmöglichkeiten an universitären Einrichtungen, Institutionen und forstlichen Ausbildungsstätten

Die Universitäre Ausbildung findet auf der Universität für Bodenkultur statt (BOKU Wien). Nach einem Bachelorstudium der Forstwirtschaft und anschließendem Master für Forstwissenschaften ist man Forstassistent und nach 2 Jahren Praxis und einer Staatsprüfung wird man zum Forstwirt. Neben der BOKU findet auch am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) Forschung statt. Allgemeine forstliche Ausbildung findet in den Land- und Forstlichen Fachschulen sowie in den höheren bildenden Lehranstalten für Landwirtschaft (HBLAs wie z. B. Raumberg, Wieselburg, St. Florian, Ursprung,…) statt. Daneben gibt es auch die HBLA für Forstwirtschaft in Bruck/Mur, landläufig als Försterschule bekannt. Nach der Matura ist man dann Forstadjunkt und nach 2 Jahren Praxis und nach der Staatsprüfung ist man Förster. Es gibt auch noch die Forstwarteausbildung in Traunkirchen, die 2 Jahre dauert. Neben dieser schulischen Ausbildung gibt es auch die Möglichkeit auf den Forstlichen Ausbildungsstätten der Kammern (Pichl, LK NÖ, LFIs) bzw. des Bundes (Traunkirchen, Ossiach, Rotholz), die Forstfacharbeiter- und in weiterer Folge die Forstmeisterausbildung zu machen.

Weitere Institutionen rund um Wald:

  • Landwirtschaftskammern
  • Land&Forstbetriebe Österreich
  • Waldverband Österreich
  • Österreichischer Walddialog
  • Österreichischer Forstverein

 

Weiterentwicklung als Grundlage für die Zukunft

In Österreich hat die Forstwirtschaft und forstwirtschaftliche Ausbildung eine lange und hochstehende Tradition. Die Familienwaldbetriebe und Forstwirtschaft können auf sehr viel Know-how zurückgreifen. Bemerkenswert ist dabei der starke Praxisbezug von Forschung und Ausbildung, die Innovation und die Ausrichtung auf zukünftige Entwicklungen als Antwort auf die enormen Herausforderungen der Zukunft allen voran die Krise des Klimas und der Biodiversität. Die Expert:innen und Absolvent:innen der Ausbildungsstätten sind international anerkannt und begehrt. Das Wissen und die Anwendungen werden aber laufend weiterentwickelt. Weiterbildungen sind selbstverständlicher und notwendiger Teil des Berufslebens. Wir verfügen um ein dichtes und vielfältiges Angebot für Weiterbildung durch diese forstlichen Ausbildungsstätten der Kammern und des Bundes sowie in den ländlichen Fortbildungsinstituten, die jedes Jahr umfangreiche Kursprogramme entwickeln. Jährlich werden mehr als 400 forstliche Weiterbildungsveranstaltungen mit über 10.000 Personen verteilt in ganz Österreich angeboten.

Innovation als Antwort auf die enormen Herausforderungen

Innovationen finden laufend statt. Heute zumeist nur mehr im kleinen, früher noch im größeren Stil. Die Erfindung der Motorsäge brachte z. B. viele Vorteile und Zeiteinsparungen mit sich. Expert:innen waren sich jedoch am Anfang noch einig, dass sie sich in der Waldbewirtschaftung nicht durchsetzen wird. Dieses Beispiel zeigt „Sag niemals nie“. Was würden diese Expert:innen wohl dazu sagen, dass man heute drauf und dran ist, Erntemaschinen im Wald zu finden, die eigenständig fahren und ohne Maschinist auskommen? Österreich war immer schon ein Land der Erfinder, daher liegt es nahe, auch aufgrund der vielen Gebirge, dass das erste mobile Kippmastgerät für die Gebirgswaldernte, der „Gösser Seilkran“, in Österreich erfunden wurde.

Innvoationen, egal welche, helfen, die Waldbewirtschaftung effizienter und sicherer zu machen, dass auch in Zukunft der Wald bewirtschaftet wird und seine Wirkungen der Gesellschaft durch Fleiß und Arbeit der Waldbesitzer:innen zur Verfügung stellen kann.

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Zum Weiterlesen

Die Zukunft des Waldes
Viktoria Hutter stellt ihre Initiative vor
Die Geschichte des Waldes

Zum Nachlesen

Rechte & Produktion

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