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Schutz des Waldes in Österreich
– der Wald als Schutz

Seiner großen Bedeutung entsprechend genießt der Wald in Österreich besonderen Schutz. Aber erfüllt auch viele wesentliche Schutzfunktionen.

Der Wald in Österreich erfüllt viele grundlegende Funktionen oder Wirkungen. Neben der wirtschaftlichen Nutzung (ökonomische Wirkung), die auch einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz liefern kann, erfüllt er die grundlegenden Funktionen der Schutzwirkung, der Erholungswirkung und der Wohlfahrt, welche alle im Fortgesetz festgeschrieben sind.

Damit der Wald diese Funktionen erfüllen kann, sind große Teile des Waldes in Österreich besonders geschützt. Insgesamt 28 % der Gesamtfläche Österreichs stehen unter Schutz.

Darüber hinaus genießt der Wald in Österreich als Gesamtes besonderen gesetzlichen Schutz. Im Forstgesetz ist der Erhalt der Waldfläche und das Prinzip der Nachhaltigkeit festgeschrieben. Waldflächen können nur unter sehr strengen Kriterien (z.B. überwiegendes öffentliches Interesse) umgewidmet werden. Durch diesen Schutz ist das Forstgesetz ein wichtiges Instrument gegen Bodenverbrauch und Bodenversiegelung. Damit erfüllt der Wald als Gesamtes sowie dessen Erhalt durch das Fortgesetz eine zentrale Funktion für den Klimaschutz und der Artenvielfalt in Österreich.

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Naturschutzrechtlich geschützte (verordnete) Gebiete in Österreich

Der Naturschutz in Österreich hat großen Stellenwert. 28.8 % der Gesamtfläche sind im Sinne des Naturschutzes geschützt. Große Teile davon sind Wald und unterliegen damit besonderen Bedingungen für Nutzung und Pflege im Sinne des Naturschutzes und des Erhalts.
 

Schutzgebiete
Anzahl
Fläche in km²
Anteil an der Bundesfläche (%)
Nationalparks
6
2.382
2.8
Europaschutzgebiete (verordnete Natura 2000-Gebiete)**
254
12.869
15.3
Naturschutzgebiete
478
3.028
3.6
Landschaftsschutzgebiete
249
12.825
15.3
Naturparks
50
4.214
5.0
Geschützte Landschaftsteile
329
86
0.1
Biosphärenparks***
5
2.898
3.5
Sonstige Schutzgebiete (außer Naturdenkmäler)
60
1.567
1.9
Summe
1.431
24.160*
28.8*
* Summenangabe mit den bereits herausgerechneten Überlagerungen von Schutzgebieten unterschiedlicher Kategorien.
**100 weitere Europaschutzgebiete / Natura 2000-Gebiete nominiert.
*** Vier weitere Biosphärenparks bzw. Biosphärenreservate sind rechtlich nicht verordnet bzw. von der UNESCO nicht anerkannt.
Quellen: Umweltbundesamt GmbH, Ämter der Landesregierungen Österreichs, Stand: Dezember 201
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Vielfältiger Schutz, aber nutzbar

Der Schutz des Waldes ist vielfältig, aber nur ein kleiner Teil des Waldes ist völlig außer Nutzung gestellt wie bei den Naturwaldreservaten. Sie sind meist Kernbereiche von großen Schutzzonen wie Nationalparks oder auch Versuchsflächen für die Forschung. Diese Wälder unterliegen einem strengen Vertragsnaturschutz. Die Nutzung dieser Wälder ist nicht erlaubt, weder für die Holznutzung noch für die Erholung. Das Betreten ist nur mit besonderer Erlaubnis möglich.

Der überwiegende Teil des geschützten Waldes kann aber unter besonderen Schutzbestimmungen genutzt werden. So können große Teile von Nationalparks und anderen Schutzgebieten unter Befolgung der Regeln und Kennzeichnung bewandert werden und auch die Holznutzung ist unter bestimmten strengen Richtlinien möglich. So können die Familienwaldbetriebe die lange Tradition der Bewirtschaftung fortführen, die den Wald zu dieser schützenswerten und vielfältigen Kulturlandschaft gemacht haben.

Der Grad des Naturschutzes ist dabei sehr unterschiedlich, aber das Ziel ist allen Schutzarten gemeinsam: Die Natur und ihre Vielfalt soll für die künftige Generationen erhalten bleiben.

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Neue Wege im Naturschutz: Trittsteinbiotope

Biodiversität durch die Vernetzung von Lebensräumen fördern

Naturschutz und Forstwirtschaft setzen deshalb auf Trittsteinbiotope, die eine Lebensraumvernetzung fördern. Dabei werden im Rahmen eines Vertragsnaturschutzes entgeltlich Waldflächen außer Nutzung gestellt. Diese kleinen Schutzflächen sollen ein Netzwerk von Biodiversitäts-Hotspots bilden, das gegen das Zerschneiden der Lebensräume von Tieren und Pflanzen entgegenwirkt und einen Biotopverbund für ihr normales Jagd- oder Nahrungsrevier begünstigt. Zudem sollen die Trittsteinbiotope Tiere und Pflanzen die natürliche Wanderung und Verbreitung erleichtern und das Erreichen neuer Lebensräume – aufgrund der sich ändernden klimatischen Bedingungen – ermöglichen.

Diese Form des Schutzes stellt eine wichtige Bereicherung für den Naturschutz dar, da es damit möglich wird, oft isolierte Schutzgebiete und Kernschutzgebiete in Österreich miteinander zu vernetzen. Dies wird insbesondere für bestehende kleine Schutzgebiete eine deutliche Aufwertung und Effizienzsteigerung bedeuten.

Der gesetzliche Schutz des Waldes

Der Wald in Österreich ist gesetzlich nicht nur durch das Naturschutzgesetz, sondern vor allem auch durch das Fortgesetz gesamtheitlich geschützt.

Das Fortgesetz widmet sich der Erhaltung der Waldwirkungen (Wirtschaftliche Nutzung, Erholung, Schutz und Wohlfahrt) und dem Erhalt des Waldes. Im Fortgesetz ist das Prinzip der Nachhaltigkeit der Schutz der Waldfläche festgeschrieben. Ziel ist es, den Wald in all seinen Wirkungen für künftige Generationen zu erhalten. Die Bewirtschaftung des Waldes in Österreich erfolgt daher unter strengen Vorgaben und Regeln im Sinne der Nachhaltigkeit. Auch in Zukunft soll die Holznutzung, Erholungswirkung, Schutzwirkung und Wohlfahrt (Naturschutz, Wasser, Trinkwasser,… ) in vollem Umfang gewährleitstet werden können.

Da Österreich zu einem Großteil alpin geprägt ist, erfüllt ein großer Teil des Waldes Schutzfunktionen. Diese Waldflächen genießen über den generellen Schutz durch das Fortgesetz besonderen Schutz.

Dieser gesetzliche Schutz, der den gesamten Wald umfasst, ist ein wichtiges Instrument vor Flächenverbrauch, Zersiedelung und Bodenversiegelung. Damit erfüllt der Wald als Gesamtes sowie dessen Erhalt durch das Fortgesetz eine zentrale Funktion für den Klimaschutz und die Biodiversität in Österreich.

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PEFC – zertifizierte Waldflächen in Österreich

Die moderne Forstwirtschaft hat sich insbesondere in den letzten Jahrzehnten dynamisch weiterentwickelt, angetrieben von den brennenden Themen wie der Klimakrise und dem Artensterben, die für den Wald und die Waldwirtschaft eine existenzielle Bedrohung darstellen. Sie verfolgt neben der Wirtschaftlichkeit auch Ziele der Zukunftssicherheit, Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes. Letzteres besonders im Sinne des Artenschutzes und zur Förderung der Artenvielfalt.

Die Zertifizierung mit nachhaltigen Systemen wie PEFC prüfen und sichern hohe Standards für Nachhaltigkeit, Artenvielfalt und Naturschutz. Zertifizierte Flächen erfahren damit einen Schutz der weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht, weil sich die Waldbesitzer:innen freiwillig zu dieser Prinzipien und konkreten Richtlinien bekennen.

In Österreich sind aktuell bereits mehr als 75 % des Waldes mit hochwertigen Zertifizierungssystemen zertifiziert. Den absoluten „Löwenanteil“ mit nahezu 75 % nimmt hierzulande das PEFC Zertifikat ein. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass dieses internationale Zertifizierungssystem in Österreich mitentwickelt wurde. Die große Durchdringung liegt aber hauptsächlich an der Praxisnähe, der guten Anwendbarkeit auch für Kleinstrukturen, die typisch für den österreichischen Wald sind. Die hohe Akzeptanz zeigt aber auch den traditionell großen Weitblick der Waldbesitzer:innen.

 

75 % des österreichischen Waldes sind zertifiziert

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Der Wald, der uns schützt

Der Wald in Österreich schützt unseren Siedlungs- und Lebensraum. Aber er ist auch ein wichtiger Schutz vor Lawinen, Muren, Steinschlag, Hochwasser und Erosion. 28,4 % der österreichischen Waldfläche sind Schutzwald, das entspricht 1.2 Millionen Hektar. Fast jede vierte Österreicherin und jeder vierte Österreicher profitiert von den Schutzwirkungen des Waldes.

Standortschutzwald

Standortschutzwälder sind Wälder, deren Standort durch die abtragenden Kräfte von Wind, Wasser oder Schwerkraft gefährdet ist. Sie erfordern eine besondere Behandlung zum Schutz des Bodens und des Bewuchses sowie zur Sicherung der Wiederbewaldung. Der Schutz und die Pflege von Standortschutzwäldern stellen sicher, dass Böden und damit wichtige Ressourcen erhalten bleiben. Die stabilisierenden Maßnahmen sind von Eigentümerinnen und Eigentümern vorzunehmen, sofern die Kosten aus den Erträgen von Fällungen gedeckt werden können. Zudem müssen Kahlflächen wieder bewaldet werden – dies gilt aber für jeden Wald. Damit wird eine nachhaltige Forstwirtschaft garantiert.

Objektschutzwald

Objektschutzwälder sind (laut Forstgesetz) Wälder, die Menschen, Siedlungen, Infrastrukturanlagen oder kultivierten Boden vor Elementargefahren und schädigenden Umwelteinflüssen schützen. Sie halten unter anderem Lawinen und Steine auf, vermeiden Rutschungen und speichern abfließendes Niederschlagswasser. Sie erfordern eine besondere Behandlung zum Sicherstellen ihrer Schutzwirkung. Die Eigentümerin oder der Eigentümer eines Schutzwaldes muss diesen so behandeln, dass ein möglichst stabiler und standortangepasster Bewuchs mit kräftigem inneren Gefüge gegeben ist. Kahlflächen müssen wieder bewaldet werden. Die finanzielle Unterstützung der Waldeigentümer:innen durch öffentliche Mittel oder Zahlungen durch Begünstigte ist möglich.

Bannwald

Bannwälder sind mit Bescheid definierte Objektschutzwälder zur direkten Abwehr bestimmter Gefahren. Die Bannlegung bedeutet, dass erforderliche Maßnahmen und Unterlassungen von der Forstbehörde vorgeschrieben werden. Falls dadurch finanzielle Nachteile entstehen, haben Waldeigentümer:innen Anspruch auf Entschädigung. In Österreich gibt es circa 12.000 Hektar Bannwaldfläche.

Auwald

Auwald ist ein wichtiger Teil eines Gewässer-Ökosystems, ursprünglich erstreckten sich beidseitig große bewaldete Flächen, immer wieder unterbrochen durch Seitenarme, die nur im Falle eines Hochwassers geflutet wurden. Heute gibt es in Österreich laut Auen-Inventar ca. 95.000 ha Auwaldflächen. Sie sind Lebensraum von vielen Tieren, Vögeln und Insekten, übernehmen aber auch eine andere wichtige Schutzfunktion für unsere Gesellschaft. Bei Hochwasser können Auwälder große Mengen an Wasser zurückhalten und dienen so als wichtiger Retentionsraum.

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Wir und der Wald
Der Wald und wir

Schutz des Waldes

Der Wald muss weiterhin streng gesetzlich durch das Forstgesetz geschützt werden. Damit ist der Erhalt des Waldes und der Vielfalt gewährleistet. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes stellt dazu keinen Widerspruch dar. Im Gegenteil. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes bewahrt die Vielfalt, die ja durch die viele Generationen währende Pflege entstanden ist und und erschließt gleichzeitig das Potential für den Klimaschutz durch die Nutzung von Holz.

 

Der Wald, der uns schützt

Der Wald ist schützenswert aber ist auch ein wichtiger Schutz für eine lebenswerte Umwelt. Ohne Schutzwald wären große Teile Österreichs nicht besiedelbar. Der Wald schützt aber auch das Klima und nicht zuletzt die 2. grundlegende nachhaltige und erneuerbare Ressource, die unser Land auszeichnet: das Wasser. Der umsichtige Umgang mit dem Wald und die nachhaltige Nutzung schützen den Wald und damit auch uns selbst.

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