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Waldtypen

So vielfältig wie die Landschaft

Österreich ist nicht nur eines der waldreichsten Länder Europas, sondern aufgrund der unterschiedlichen Klimazonen, Geländeformen und Böden auch eines mit der höchsten Vielfalt an natürlichen Waldgesellschaften. Hier kommen etwa 118 Waldgesellschaften in 22 Wuchsgebieten vor. In Österreich überwiegen natürliche Waldgesellschaften, die aus zwei oder mehr Hauptbaumarten aufgebaut sind. So ist etwa die flächenmäßig häufigste natürliche Waldgesellschaft der Fichten-Tannen-Buchenwald mit 29.6 % Anteil an der Waldfläche. Noch vielfältiger sind Baumgesellschaften auf noch wenig entwickelten, besonders trockenen oder besonders feuchten Spezialstandorten, wie z. B. Schwarzföhrenwälder oder Schwarzerlen-Buchenwälder.

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Die Grundtypen

Laubwald

Als Laubwald bezeichnet man Wälder, in denen nur Laubgehölze bzw. Laubbäume anzutreffen sind. Aber Laubwälder sind nicht gleich Laubwälder. Denn ein Buchenwald hat eine ganz andere Begleitvegetation und Pilze und damit auch Tierarten in der Bodenschicht wie ein Eichen-Hainbuchenwald.

Laubwälder mit nur einer Baumart sind, mit Ausnahme der Rotbuche, eher selten anzutreffen. Vielmehr bestehen sie in der Regel aus 2, 3 und mehreren primären Baumarten, abhängig von der Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit, Hang-, Sonnen- und Schattenlage. Der geübte Betrachter kann von den Baumarten und der Wuchsform auf den Boden und die Standortbedingungen schließen.

Reine Laubwälder findet man in Österreich in eher niedrigen Lagen der Flussebenen und des Alpenvorlandes an. Sie sind uns besonders vertraut, weil sie aufgrund ihrer Lage auch oft in der Nähe von Städten vorkommen und als Erholungsraum z. T. stark genutzt werden, wie der Wiener Wald, der zu großen Teilen aus Laubwäldern besteht. Ein besonderer Typ des Laubwaldes ist der Auwald, der sich dadurch auszeichnet, dass er immer wieder überflutet wird.

Nadelwald

Als Nadelwald bezeichnet man Wälder, in denen nur Nadelbäume stehen. Der Nadelwald hat in Österreich den größten Anteil an der Waldfläche, im Zuge der Anpassung der Wälder an den Klimawandel nimmt die Fläche jedoch kontinuierlich seit Jahrzehnten ab. Vor allem in den höheren Lagen hat der reine Nadelwald aber sein natürliches Vorkommen.

Da Österreich zum überwiegenden Teil ein gebirgiges Land ist, ist der Nadelwald von besonderer Bedeutung. Wenn wir an Österreichs Berge denken, sehen wir Bilder von grünen und bewaldeten Hängen, und erinnern uns an typische Nadelwälder mit ihren Gerüchen, Schwammerln und Pilzen und im Spätsommer auch an die Beeren wie Himbeeren, Heidelbeeren und Preiselbeeren.

Reine Nadelwälder sind immer weniger reine Fichtenbestände. Je nach Lage und Standortbedingungen wechseln sich in natürlichen Beständen auch Fichten, Föhren, Lärchen und Tannen je nach Vorliebe und lokalen Bedingungen ab. In Bereichen, in denen noch reine Fichtenbestände bestehen, erfolgt, unterstützt durch den Menschen, immer mehr eine Durchmischung verschiedener und klimafitter Baumarten als erfolgreiche Strategie zur Bewältigung der Klimakrise.

Besondere Typen des Nadelwaldes sind der Gebirgswald mit den Zirben und Latschen in den höchsten Lagen. Wald im steilen Gelände ist häufig auch Schutzwald, d. h. er schützt entweder sich selbst vor erodierenden Kräften oder Objekte des Menschen, wie Siedlungen und Verkehrsinfrastruktur.

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Mischwald

Als Mischwald bezeichnet man Wälder, in denen sowohl Laubbäume als auch Nadelbäume zu finden sind. Je nach Verhältnis spricht man auch von Laubholz- bzw. Nadelholzdominierten Mischwäldern. Während die Nadelholzdominierten Mischbestände abnehmen, nehmen die Laubholzdominierten Mischwälder kontinuierlich zu.

Dies ist eine Folge des Klimawaldes, der die Laubbäume begünstigt. Vor allem Trockenheit und lange Hitzeperioden machen den Nadelbäumen, vor allem den Fichten, zu schaffen.

Der Mischwald ist durch seine Durchsetzung mit verschiedenen Baumarten weniger anfällig für Extremereignisse, wie Orkane oder einer Massenvermehrung von Schadinsekten. Aber auch hier kommt es klimabedingt zu Veränderungen in der Zusammensetzung. Auch hier hilft der Mensch durch gezieltes Setzen robuster Arten den Wald klimafit zu machen.

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Haupttypen

Gebirgswald

Gebirgswälder sind Wälder, die sich an die generellen ökologischen Standortbedingungen in Gebirgsregionen an Temperaturabnahme und meist Niederschlagszunahme mit zunehmender Höhe angepasst haben. Auch hier gibt es entsprechend der sehr vielfältigen und unterschiedlichen Standortbedingungen viele unterschiedliche Waldgesellschaften. So unterscheiden sich die Wälder der Zentralalpen von denen der Kalkalpen aufgrund der sehr unterschiedlichen Bedingungen deutlich. So hat jeder Gebirgstypus seinen eigenen Waldtyp. Hinzu kommen lokale Einflüsse und die geschichtliche Entwicklung des Waldes, die zu vielfältigen Ausprägungen der Waldtypen führen.

Typisch sind dabei auch die einzelnen Höhenstufen. So ändern sich Art und Zusammensetzung der Wälder mit der Höhenlage. Die Höhenstufen wiederum können aber abhängig von der Lage des Hochgebirges und der Klimazone ganz unterschiedlich ausfallen. In hohen Lagen finden sich auch höhere Anteile widerstandfähiger Baumarten wie der Lärche und besondere Wälder wie der Zirbenwald.

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Auwald

Der Auwald ist in Überschwemmungsgebieten von Bächen oder Flüssen und auch in Gebieten mit hohem Grundwasserstand zu finden.

Durch die Dynamik und Kraft des Wassers werden vielfältige Lebensbedingungen für viele verschiedene Pflanzen und Tiere geschaffen.

Auwald ist nur ein Teil des Überflutungsbereiches eines natürlichen Fließgewässers. Der gesamte Überflutungsbereich wird als Au oder Aue bezeichnet. Je nach Überflutungshäufigkeit, Wasserhöhe, mechanischer Störung wie Geschiebeauflandungen etc. werden Standorte zerstört und geschaffen. Diese Prozesse bestimmen das Standortalter und das Alter der aufkommenden Vegetation.

Auwälder zeichnen sich durch besonderen Artenreichtum aus. Sie sind ein wichtiger Hotspot und Refugium der Biodiversität. Dies wurde in Österreich früh erkannt. Wir haben deshalb in Österreich auch in diesem Bereich viele Naturschutzgebiete kleinerer und mittleren Prägung und auch große Schutzgebiet wie den Nationalpark March-Donauauen. Hier wird mit Vertragsnaturschutz und besonderen Methoden der schonenden Nutzung die Artenvielfalt erhalten und unterstützt. 

Urwald

Vielfach unbekannt ist, dass wir in Österreich einen geringen Anteil echter Urwälder haben. Dies liegt vermutlich an der großen Naturnähe des Kulturgutes Wald, wie dieser in Österreich gepflegt wird. Nur ca. 3 % der Wälder sind völlig frei vom Einfluss des Menschen.

Urwälder, auch Primärwälder genannt, sind Wälder, die ohne menschliche Beeinflussung entstanden sind. In Europa gibt es generell nur wenige Urwälder, da der Mensch durch sein Sesshaftwerden Flächen für den Ackerbau und die Viehzucht benötigt hat und somit die Wälder gefällt und beeinflusst hat. Für die Erz- und Salzgewinnung wurde der Wald in manchen Regionen übernutzt und der ursprüngliche Wald oder Primärwald ist verschwunden. Die massiven Auswirkungen dieser Übernutzung haben in Österreich zu einem Umdenken geführt. In dieser Zeit, vor rund 300 Jahren, entstand damit der Begriff der Nachhaltigkeit – sprich es darf nicht mehr genutzt werden, als nachwächst. Dadurch konnte der Wald in Österreich erhalten werden.

Heute vermittelt der Großteil des Waldes in Österreich Naturnähe und ist geprägt von der nachhaltigen Bewirtschaftung über viele Generationen. Die vielfältige Bewirtschaftung der Wälder und das große Flächenausmaß sind ein wichtiger Faktor für die Erhaltung der Artenvielfalt in Österreich.

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Schutzwald

Der Schutzwald hat in Österreich besondere Bedeutung. Viele alpinen Bereiche wären ohne Schutzwald nicht besiedelbar. Der Schutzwald schützt aber nicht nur den Menschen, sondern auch wichtige Ressourcen wie den Boden und das Wasser.

Standortschutzwald

Standortschutzwälder sind Wälder, deren Standort durch die abtragenden Kräfte von Wind, Wasser oder Schwerkraft gefährdet sind. Sie erfordern eine besondere Behandlung zum Schutz des Bodens und des Bewuchses sowie zur Sicherung der Wiederbewaldung.

Standortschutzwald befindet sich zum Beispiel

  • auf Flugsand- oder Flugerdeböden
  • auf zur Verkarstung neigenden oder stark erosionsgefährdeten Standorten
  • in felsigen, seichtgründigen oder schroffen Lagen
  • auf zu Rutschungen neigenden Hängen
  • in der Kampfzone der Baumgrenzregion

Der Schutz und die Pflege von Standortschutzwäldern stellen sicher, dass Böden und damit wichtige Ressourcen, erhalten bleiben. Die stabilisierenden Maßnahmen sind von Eigentümer:innen vorzunehmen, sofern die Kosten aus den Erträgen von Fällungen gedeckt werden können. Zudem müssen Kahlflächen wieder bewaldet werden. Damit wird eine nachhaltige Forstwirtschaft garantiert.

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Objektschutzwald

Objektschutzwälder sind (laut Forstgesetz) Wälder, die Menschen, Siedlungen, Infrastrukturanlagen oder kultivierten Boden vor Elementargefahren und schädigenden Umwelteinflüssen schützen. Sie halten unter anderem Lawinen und Steine auf, vermeiden Rutschungen und speichern abfließendes Niederschlagswasser. Sie erfordern eine besondere Behandlung zum Sicherstellen ihrer Schutzwirkung.

Die objektschutzwirksamen Waldflächen werden in der Hinweiskarte als Schutzwald dargestellt.

Die Eigentümer:innen eines Schutzwaldes muss diesen so behandeln, dass ein möglichst stabiler und standortangepasster Bewuchs mit kräftigem inneren Gefüge gegeben ist. Kahlflächen müssen wieder bewaldet werden. Die finanzielle Unterstützung der Waldeigentümer:innen durch öffentliche Mittel oder Zahlungen durch Begünstigte ist möglich. 

Bannwald

Bannwälder sind mit Bescheid definierte Objektschutzwälder zur direkten Abwehr bestimmter Gefahren. Die Bannlegung bedeutet, dass erforderliche Maßnahmen und Unterlassungen von der Forstbehörde vorgeschrieben werden. Falls dadurch finanzielle Nachteile entstehen, haben Waldeigentümer:innen Anspruch auf Entschädigung.

Die Bannzwecke für das übergeordnete öffentliche Interesse sind zum Beispiel:

  • Der Schutz vor Lawinen, Steinschlag, Erdabrutschung, Hochwasser und Wind.
  • Der Schutz von Heilquellen, Wasservorkommen, touristische Zentren und Ballungsräume vor negativen Einflüssen.
  • Die Sicherung von Verkehrsanlagen.

In Österreich gibt es circa 12.000 Hektar Bannwaldfläche.

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Schon gewusst?

Wuchstypen

Hochwald

Der Hochwald ist ein aus Kernwüchsen (Naturverjüngung oder Pflanzung), Pfropflingen oder Stecklingen hervorgegangener Wald. Die Bäume werden in der Regel im voll erwachsenen Zustand mit langer Umtriebszeit genutzt.

Ausschlagswald

Der Ausschlagwald ist ein aus Stockausschlag oder Wurzelbrut hervorgegangener Wald mit kurzer Umtriebszeit. Charakteristische Ausprägung des Ausschlagwaldes:

Niederwald (keine Überhälter zur Wertholzerzeugung, ganze Fläche wird alle 15 – 30 Jahre flächig genutzt, die Wiederbewaldung erfolgt durch Stockausschläge).

Mittelwald (zwischen einigen wenigen Wertholz-Überhältern, die aus Kernwüchsen entstanden sind, werden Stockausschläge alle 15 – 30 Jahre für Brennholzgewinnung etc. flächig genutzt).

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Zum Weiterlesen

Waldbewirtschaftung und Biodiversität
Nachhaltige Waldbewirtschaftung und Klimaschutz
Totholz für Artenvielfalt im Wald

Zum Nachlesen

Rechte & Produktion

© 2021 waldgeschichten.com  –  Die österreichischen Familienwaldbetriebe  –  Unterstützt durch den Holzinformationsfonds der Landwirtschafskammer Österreich.

Redaktion

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