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Der Wald im Herbst

Eine Ort der Entspannung und Fülle im faszinierenden Farbenspiel.

Bunt leuchtende Blätter, das Rascheln unter den Füßen, herrlich klare Luft mit einem unverkennbaren Geruch,… mit Freude erwarten viele diese einzigartige Jahreszeit, die besonders im Wald ihre Pracht entfalten kann.

Der Herbst tränkt den Wald in leuchtende Farben, die wohltuend auf Körper und Geist wirken. Kein Wunder, dass viele Menschen besonders in diesen Monaten den Wald vermehrt für Ruhe und zur Regeneration aufsuchen.

Der Herbstwald mit seinen wohlwollenden Farben bietet uns jedoch nicht nur Raum zur Erholung, sondern schenkt uns auch eine üppige Vielfalt an Nahrung in Form von Nüssen, Beeren und Früchten, sodass hinter dieser Kulisse der Ruhe ein reges Treiben vieler Waldbewohner herrscht.

Wie kommt es zum bunten Herbstkleid des Waldes? Warum verlieren die Bäume ihre Blätter und was passiert mit all dem Laub?

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Darum werden die Blätter bunt

Im Herbst wandelt sich das frische Blattgrün in ein gelb-rotbraunes Blättermeer. Mit dieser Laubverfärbung bereiten sich sommergrüne Bäume auf die kalte und auch wasserarme Jahreszeit vor. Die sinkenden Temperaturen und abnehmende Tageslänge sind Auslöser für dieses – durch Pflanzenhormone gesteuerte – Geschehen.

Ahorn- und Pappelblätter werden gelb, Roteichen erstrahlen in feuerroter Farbe, ein leuchtend buntes Farbenspiel beginnt. Verantwortlich dafür ist die Änderung der Mengenverhältnisse der Blattfarbstoffe. Im Frühling und Sommer überwiegt der grüne Farbstoff – das sogenannte Chlorophyll. Es enthält sehr viel Stickstoff, der zu den wichtigsten Nährelementen der Pflanze zählt. Das Chlorophyll überdeckt alle anderen Pigmente.

Im Herbst beginnt der Baum das Chlorophyll abzubauen, dadurch kommen andere Farben zum Vorschein – Karotinoide (gelb, orange, rot), Xanthophylle (gelb) und Anthocyane (rot, violett, blau) – und bewirken die beeindruckende herbstliche Laubfärbung. Ebenso wie das Einlagern wichtiger Elemente wie Phosphor, Eisen, Kalium und Stickstoff in Zweigen, Stämmen oder Wurzeln.

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Darum verlieren die Bäume ihr Blätterkleid

Sommergrüne Bäume können ihre Blätter den Winter über nicht nutzen und um der Kälte etwas entgegensetzen zu können und sich an den winterlichen Wassermangel anzupassen, werfen sie ihre Blätter ab. Mit dem Laubabwurf schützen sie sich vor dem Erfrieren und Vertrocknen.

Bäume nehmen das Wasser über die Wurzeln auf und verdunsten einen großen Teil davon über die Oberfläche ihrer Blätter. So verdunstet eine einhundertjährige Rotbuche beispielsweise 400 Liter Wasser pro Tag. Mit den fallenden Temperaturen nehmen die Bäume immer weniger Wasser auf. Ist der Boden gefroren, wird die Wasseraufnahme zur Gänze eingestellt. Hätte der Baum jetzt noch Blätter, würde also weiterhin Wasser verdunsten, würde der Baum austrocknen. Um diesen Wasserverlust durch Verdunstung zu verhindern, werfen sommergrüne Bäume in Zeiten mit geringer Wasserversorgung ihre Blätter ab.

Warum Nadelbäume ihre Nadeln behalten

Die „Blätter“ der immergrünen Nadelbäume haben eine dicke Wachsschicht und sehr feste Haut, die eine Verdunstung – wie sie über die Blattoberfläche bei Laubbäumen stattfindet – hemmt. Auch die sogenannten Spaltöffnungen, über die der Baum Wasser verdunstet, sind im Blatt verengt. Dies und die kleine Oberfläche der Nadeln, bremsen und verringern eine Verdunstung.

Die Lärche ist der einzige Nadelbaum, der seine Nadeln im Herbst nicht behält, da ihre Nadeln weniger dick sind als die der Fichte oder Föhre und auch die Wachsschicht viel weniger stark ausgeprägt ist.

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Schon gewußt?

Was passiert mit den abgefallenen Blättern und Nadeln?

Riesige Mengen von Laub bedecken alljährlich im Herbst den Waldboden. In einem Hektar Mischwald fallen jedes Jahr durchschnittlich etwa fünf Tonnen Laub und Holzreste von den Bäumen. Dennoch türmen sich keine Laubberge und bis zum nächsten Laubabfall ist das meiste schon wieder verschwunden, denn

das Laub verrottet.

Die abgefallenen Blätter und Holzreste werden am Boden zersetzt, also in ihre Bestandteile zurückverwandelt. Wie schnell das passiert, hängt von den klimatischen Bedingungen ab. So dauert eine Zersetzung in kühleren Regionen langsamer und es können sich höhere Humusauflagen bilden als dies in warmen Regionen der Fall ist. Auch die Baumart selbst ist entscheidend, denn das organische Material von Laubholzbeständen wird schneller als das von Nadelholzbeständen zersetzt.

Intelligenter Kreislauf

Bodenlebewesen wie Asseln, Würmer, Schnecken, Käfer,… zerkleinern das Laub und die daraus entstehenden Reste werden von Pilzen und Bakterien ab- und umgebaut. Die Ausscheidungen der Tiere werden in neue organische Substanzen umgewandelt – die Huminstoffe – die den eigentlichen Humus bilden. Aus Blättern und Nadeln sind organische Stoffe geworden, der Humus bleibt übrig. Der wiederum dient der Ernährung der Pflanzen und schließt diesen ausgeklügelten Kreislauf.

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Herbstkost

Eine bunte Schatzkammer von süß bis sauer

Herbstzeit im Wald heißt auch immer Genusszeit. Das gilt nicht nur für die fleißigen Waldbewohner, die sich mit dem Horten von Beeren, Zapfen, Samen, Nüssen und Pilzen bereits ihre Wintervorräte anlegen. Auch uns zieht es zum Sammeln von Waldfrüchten in den Wald, denn die Auswahl ist nicht nur groß, sondern zeigt sich auch in einem vielfältigen Geschmackserlebnis.

Der Wald in Österreich befindet sich zum größten Teil in Privatbesitz und Pilze und Beeren im Wald gehören generell den Waldbesitzer:innen. Dennoch dürfen wir Pilze und Beeren – wenn es nicht ausdrücklich untersagt wird – für den Eigengebrauch in gewissen Mengen (Pilze bis zwei Kilogramm pro Tag) sammeln.

Ein Waldspaziergang im Herbst lohnt sich also allemal. Vom bunt strahlenden Raschelteppich aus Laub über die schmackhafte Naturkost bis hin zum Ruhe- und Erholungtanken. Der Wald ist ein einzigartiger Ort. Er erfüllt nicht nur viele grundlegende Funktionen, bietet Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten, sondern ist auch ein sensibles Ökosystem, das wir schützen sollten. Das können wir, indem wir beim Waldbesuch Rücksicht auf seine Bewohner nehmen und uns an die Regeln zum Schutz von Natur und Tierwelt halten.

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