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Wald, Holz & Klimaschutz

Waldbewirtschaftung, Holznutzung & Klimaschutz

Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und Nutzung von Holz hat eine größere Klimaschutzfunktion als ein naturbelassener Wald. Bewirtschafteter Wald speichert langfristig mehr CO2 pro Hektar und Jahr als nicht bewirtschafteter Wald.

Von 2010 – 19 beliefen sich die globalen fossilen Kohlenstoffemissionen auf 9.4 Milliarden Tonnen pro Jahr [GtC/y]. Die Emissionen aus Landnutzungsänderungen beliefen sich auf 1.6 GtC/y. In Summe ergeben sich daraus 11 GtC/y. Davon nehmen die Landökosysteme 3.4 GtC/y auf, das sind grob 30 % der anthropogenen Emissionen. Die globalen Wälder nehmen etwa 25 % davon auf. Die Ozeane nehmen 2.5 GtC/y auf. Der Rest (5.1 GtC/y) verbleibt in der Atmosphäre und führt dazu, dass die CO2-Konzentration jedes Jahr ansteigt.

Die globalen Wälder haben neben den Ozeanen die bedeutendste Klimaschutzfunktion. International stehen die Wälder in den Tropenregionen Asiens, Lateinamerikas und Afrikas enorm unter Druck. Global Forest Watch (GFW) stellt jährlich eine Datenanalyse zum Verlust der Waldbedeckung zur Verfügung. Im Jahr 2020 wurde ein Verlust von 12.2 Mio. ha Tropenwaldfläche verzeichnet, wovon 4.2 Mio. ha immerfeuchter tropischer Primärwald sind. Dieser Verlust entspricht 2.64 Mrd. Tonnen Kohlendioxidemissionen pro Jahr.

Diese Entwicklung ist geprägt von kurzsichtigem Raubbau (Verlinkung Wald global), Regellosigkeit und fehlendem Wissen. Nachhaltige Bewirtschaftung wird kaum betrieben. Viele Aktivitäten sind kaum reguliert und kontrolliert oder gänzlich illegal. In Österreich gilt dagegen eines der strengsten Forstgesetze (Geschichte zur Entwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen) der Welt. Die Kulturlandschaft Wald wurde in Österreich über 200 Jahre vom Menschen geprägt und nimmt mit ca. 4 Mio. ha fast die Hälfte des Bundesgebietes ein. 82 % der Waldfläche stehen im Besitz und in der Verantwortung von mehr als 140.000 Familienbetrieben, welche durchschnittlich 9.2 ha bewirtschaften. Die Waldfläche wächst in Österreich jährlich um 3.400 ha. Der Holzvorrat misst 1.173 Mio. m³ Holz. Jedes Jahr wachsen 30 Mio. m³ Holz nach – das sind 1 m³ Holz pro Sekunde. Man könnte pro Tag 2.160 Einfamilienhäuser aus Holz bauen. 26 Mio. m³ des nachwachsenden Rohstoffes werden genutzt, die restlichen 4 Mio. m³ vergrößern stetig den Holzvorrat.

In jedem Kubikmeter Holz ist eine Tonne CO2 gespeichert. Solange das Holz als Rohstoff genutzt wird, bleibt der Kohlenstoff in Holzhäusern, Möbelstücken, Papier, usw. gespeichert. Jeder genutzte Baumstamm schafft Platz für neue Bäume, welche die Speicherung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre erhöhen. Auf der durch die Holzernte freigewordenen Fläche wächst innerhalb von 50 Jahren die gleiche Menge Holz nach, die zuvor genutzt wurde und entlastet die Atmosphäre weiter von CO2. Wird das nachgewachsene Holz wieder genutzt und anstelle fossiler, nicht erneuerbarer Rohstoffe eingesetzt, entziehen wir der Atmosphäre immer mehr fossilen Kohlenstoff und entlasten damit das Klima. Jährlich werden schon heute durch die Verwendung von Holz als Rohstoff in Österreich 12.5 Mio. Tonnen des klimaschädlichen Gases CO2 vermieden.

Der Wald soll in Zukunft vermehrt als Kohlenstoffsenke wirken und möglichst viel Biomasse als Energie- und Rohstoffquelle bereitstellen, um fossile Rohstoffe und mit hohem fossilen Einsatz erzeugte Produkte zu ersetzen. Die größte Herausforderung ist dabei, die Senkenwirkung unserer Wälder langfristig zu erhalten, damit sie sich selbst nicht in eine CO2-Quelle verwandeln. Während sie beim Wachstum der Atmosphäre Kohlenstoff entziehen und O2 produzieren, emittieren sie beim Sterben CO2. Überaltern die Baumbestände bzw. steigen die Holzvorräte in unseren Wäldern an, vermindert dies ihre Senkenwirkung und erhöht damit die CO2-Bilanz. Eine nachhaltige und klimafitte Waldbewirtschaftung und Holznutzung sind die Chance, weitere Treibhausgasemissionen zu senken, da weniger fossile Rohstoffe wie Erdöl, Kohle und Erdgas und mit hohem fossilen Einsatz erzeugte Produkte eingesetzt werden.

Ein naturbelassener Wald führt nur kurzfristig zu einer höheren Kohlenstoffspeicherung. Würden wir die Bewirtschaftung also einstellen, würde die Biomasse pro Hektar Wald zunächst zunehmen. Nach wenigen Jahrzenten würde aufgrund der Alterung und eines großflächigen Zerfalls der Wälder, dieser kurzfristig zusätzlich gespeicherte Kohlenstoff stetig wieder in der Atmosphäre freigesetzt. Bewirtschafteter Wald speichert langfristig bis zu 8 Tonnen mehr CO2 pro Hektar und Jahr als nicht bewirtschafteter Wald, ungeachtet der Substitutionseffekte von Holz mit fossilen Rohstoffen hinsichtlich vermiedener Emissionen. In nicht bewirtschafteten Wäldern steigt zudem das Risiko für großflächige Schäden durch Schädlinge und Stürme, wodurch noch mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt wird. Essentiell ist hier der Umbau des Waldes in Richtung artenreicherer und stressresistenterer und somit klimafitter Bestände.

Darüber hinaus wäre die Strategie Naturwald für den Klimaschutz wenig zielführend, da mehr Ersatzprodukte für die wegfallenden Holzprodukte notwendig wären. Wir würden also wieder nachwachsende Rohstoffe mit fossilen klimaschädlichen Rohstoffen substituieren. Dadurch würden zusätzliche fossile Treibhausgasemissionen anfallen, die darüber hinaus wieder zusätzlicher Senken bedürfen, um die zusätzlich anfallenden Emissionen zu neutralisieren. Ein alternder Wald kompensiert diese Emissionen durch die wegfallende Holzernte jedoch nur teilweise und stetig weniger, bis die Kohlenstoffsenke durch ein Gleichgewicht aufbauender und abbauender Prozesse im Wald schließlich gänzlich zum Erliegen kommt. Die Strategie zur Dekarbonisierung der Gesellschaft sollte daher eher auf den Ersatz von fossilen Produkten durch nachwachsende Rohstoffe wie zertifiziertes regionales Holz aus einer nachhaltigen und klimafitten Waldbewirtschaftung (Holzzertifizierung) setzen.

Bäume nehmen CO2 in großen Mengen auf

Ein Baum entnimmt während seines Wachstums bei der Photosynthese dem Kohlendioxid der Luft den Kohlenstoff, nimmt aus dem Wasser des Bodens Nährstoffe auf und baut so das organische Material Holz auf. Mithilfe von Licht wird das energiearme Kohlendioxid-Molekül (CO2) in ein energiereiches Kohlenstoffatom (C) und ein energiereiches Sauerstoffmolekül (O2) zerlegt. Der Sauerstoff wird wieder an die Umgebung abgegeben. Der Kohlenstoff hingegen dient dem organischen Aufbau des Baumes und bleibt für seine gesamte Lebensspanne gebunden. In jedem Kubikmeter Holz ist eine Tonne CO2 gespeichert!

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Quellen

 

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