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Sind Holzkraftwerke wichtig für Klima- und Forstschutz?

Ein Fachbeitrag von Franz Titschenbacher und DI Kasimir Nemestothy

Fast 90 % der globalen CO2 Emissionen stammen aus der Nutzung fossiler Energieträger. Durch die Verbrennung dieser problembehafteten Energieträger wird der Klimawandel weiter angefeuert. Immer neue Naturkatastrophen und „Klima-Rekordwerte“ halten uns diese besorgniserregende Entwicklung deutlich vor Augen. Der Wald bekommt die zunehmenden Klimaextreme mit aller Brutalität zu spüren. In immer kürzeren Abständen treten Waldschäden auf, bei denen rasch gehandelt werden muss, um schlimmeres zu vermeiden. Beim Anfall von großen Schadholzmengen durch Stürme, Eisbruch und Borkenkäfer tragen die Holzkraftwerke zur zügigen Aufarbeitung der Schadhölzer bei. Sie leisten damit einen Beitrag zum Forstschutz, indem brutfähiges bzw. befallenes Material unschädlich gemacht und zu sauberer Energie umgewandelt wird. Eine intelligente Reform des Ökostromgesetzes muss den Weiterbetrieb dieser Holzkraftwerke nicht nur als Lieferant sauberer Energie, sondern auch zum Schutz der Wälder sicherstellen.

Fakten und Details

Energie auf Basis von Holz ist der wichtigste erneuerbare Energieträger in Österreich. Im Jahr 2016 kamen ca. 44 % der erneuerbaren Endenergie aus Holz und Rinde, ca. 36 % aus Wasserkraft, ca. 9 % aus Biotreibstoffen, Biogas und sonstiger Biomasse, ca. 5 % aus Windkraft, ca. 3 % aus PV und Solarthermie, ca. 2 % aus Geothermie und Wärmepumpe sowie ca. 1 % aus erneuerbarem Müll.

Ein wichtiger Teil des österreichischen Erfolges bei erneuerbarer Energie sind die 130 im Rahmen des Ökostromregimes errichteten Holzkraftwerke. Unabhängig von Dürre, Flaute oder Dunkelheit sorgen sie rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr für sauberen, erneuerbaren und umweltfreundlichen Strom und Wärme in unserem Land. Die dezentralen Anlagen entlasten mit jährlich 2 Mrd. Kilowattstunden eingespeistem Ökostrom das öffentliche Stromnetz, das entspricht dem Jahresstrombedarf von ca. 600.000 Haushalten. Mit der Nutzung von zusätzlich anfallenden 4.5 Mrd. Kilowattstunden Abwärme wird nicht nur die Wärmeversorgung in der Region sichergestellt. Es werden auch 450 Mio. l Heizöl ersetzt, die andernfalls aus fragwürdigen Quellen importiert werden müssten und unser Klima sowie die Handelsbilanz zusätzlich belasten würden.

 

Intelligente Ökostromgesetzreform für den Weiterbetrieb notwendig

Um die Zielsetzungen unserer Energie- und Klimazukunft erfüllen zu können, brauchen wir die positive Weiterentwicklung aller erneuerbaren Erzeugungstechnologien. Windkraft und Photovoltaik sind von Windstärke und Sonneneinstrahlung abhängig, in krachkalten windstillen Winternächten kann es zu Problemen kommen. Jederzeit bedarfsgerecht verfügbare Energie aus nachwachsenden Rohstoffen ist daher unverzichtbar. Die Einspeisetarifverträge für den Ökostrom der Holzkraftwerke laufen zum Großteil 2018 und 2019 aus. Derzeit gibt es keinen praxistauglichen Rechtsrahmen für den Weiterbetrieb der Anlagen. Nur mit einer intelligenten Ökostromgesetzreform, die rechtzeitig umgesetzt wird, kann der Anlagenbestand erhalten bleiben. Hoch subventionierte Atom- und Kohlekraftwerke in unseren Nachbarländern drücken mit gefährlichem Atomstrom und klimaschädlichem Kohlestrom in unseren Strommarkt. Ohne ein funktionierendes Ökostromsystem können unsere Ökostromanlagen nicht überleben.

 

Vorteil für alle Sektoren der Wertschöpfungskette

Viele Holzkraftwerke stehen an den Standorten der Säge- und Plattenindustrie und sind optimal in die Holz- und Energieflüsse der Betriebe integriert. Sie stärken damit die österreichischen Standorte unserer exportorientierten Unternehmen und stellen einen wichtigen Baustein im komplexen Gefüge unseres Holzmarktes dar. Für Waldbesitzer und Sägewerksbetreiber ist es von großer Bedeutung, dass es einen sinnvollen Absatzmarkt für alle Haupt- und Nebenprodukte gibt. Gute Kapazitätsauslastung beim Sägerundholzeinschnitt bedeutet gleichzeitig mehr Industrierundholz und Nebenprodukte für die Papier- und Plattenindustrie. Die Holzkraftwerke tragen zum Vorteil der gesamten Wertschöpfungskette Holz zum guten Funktionieren unseres Holzmarktes bei. Daher muss die Absicherung des Anlagenbestandes auch ein gemeinsam getragenes Anliegen sein.

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Zum Nachlesen

Quellen

  • Ein Fachbreitrag von Franz Titschenbacher und DI Kasimir Nemestothy

Franz Titschenbacher ist Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark und Vorsitzender des Ausschusses für Forst- und Holzwirtschaft der LK Österreich.

DI Kasimir Nemestothy ist Fachreferent für Energie der LK Österreich Abt. Forst- und Holzwirtschaft, Energie.

Rechte & Produktion

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