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Klein, flink und ein echter Verbündeter des Waldes – Österreichs Wahl fiel auf einen Überlebenskünstler.
Ganz Österreich war aufgerufen, das Tier des Jahres 2026 zu wählen – und das war ein Rennen! Das Mauswiesel (Mustela nivalis) lieferte sich mit dem Alpenmurmeltier ein spannendes Kopf-an-Kopf-Duell. Der Rothirsch, der ebenfalls zur Wahl stand, hatte das Nachsehen. Am Ende setzte sich das flinke, handgroße Raubtier durch.
Mit dieser Auszeichnung des Naturschutzbundes Österreich rückt eine faszinierende, oft unterschätzte Art ins Rampenlicht. Was viele nicht wissen: Das Mauswiesel ist nicht nur schnell, sondern auch das kleinste säugetierfressende Raubtier der Welt. Und es ist ein stiller Helfer unserer Wälder und damit ein Tier, das Waldbesitzer:innen und Förster:innen besonders am Herzen liegen sollte.
Natur des Jahres
Der Titel „Natur des Jahres“ – dazu zählen etwa Tier des Jahres, Pflanze des Jahres oder Lebensraum des Jahres – wird in Österreich jährlich vom Naturschutzbund Österreich vergeben. Ziel ist es, auf heimische Arten und Lebensräume aufmerksam zu machen, die oft übersehen werden, aber eine zentrale Rolle für Biodiversität, Ökosysteme und den Naturschutz spielen.
Die Wahl verbindet Wissensvermittlung mit Bewusstseinsbildung: Durch öffentliche Abstimmungen, begleitende Informationen und Citizen-Science-Projekte werden ökologische Zusammenhänge verständlich gemacht und Menschen eingeladen, selbst aktiv zu werden. Im Fokus stehen dabei nicht nur bedrohte Arten, sondern auch solche, die exemplarisch für aktuelle Herausforderungen wie Klimawandel, Lebensraumverlust oder nachhaltige Land- und Forstwirtschaft stehen.
So wird die „Natur des Jahres“ jedes Jahr zu einem Symbol für den Zustand unserer Umwelt und zu einer Einladung, genauer hinzuschauen, mitzudenken und Verantwortung zu übernehmen.
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Kleines Tier, großer Hunger
Die kleinsten ausgewachsenen Mauswiesel messen gerade einmal 12 Zentimeter und bringen nur 30 Gramm auf die Waage. Das entspricht etwa dem Gewicht von drei Esslöffel Zucker. Doch die Größe variiert stark: Männchen können bis zu 25 Zentimeter lang werden und stattliche 200 Gramm erreichen. Dieser schlanke, langgestreckte Körperbau ist kein Zufall: Er macht das Mauswiesel zum perfekten Jäger in unterirdischen Gängen und engen Verstecken.
Und weil so ein kleiner Körper rasend schnell Energie verbrennt, muss das Mauswiesel ordentlich futtern: Ein Drittel seines Körpergewichts vertilgt es täglich, um zu überleben. Es ist ein wahrer Kalorienvertilgungsmeister! Auf dem Speiseplan stehen hauptsächlich Wühlmäuse aber auch andere Kleinsäuger wie Bilche, Spitzmäuse, Vögel, Eidechsen, Insekten und Würmer. Was überraschen mag: Mauswiesel können sogar Beutetiere erlegen, die um ein Vielfaches größer sind als sie selbst, beispielsweise ausgewachsene Kaninchen.
Nützling für den Wald
Spannend für alle, denen der österreichische Wald am Herzen liegt: Das Mauswiesel gilt in der Land- und Forstwirtschaft als wertvoller Nützling. Der Grund? Seine Vorliebe für Wühlmäuse und die können jungen Bäumen zum Verhängnis werden.
Wühlmäuse nagen an Wurzeln und Rinde von Jungpflanzen, meist unbemerkt unter der Erde. Im schlimmsten Fall stirbt der Baum ab, ganze Aufforstungsflächen können geschädigt werden. Besonders gefährdet sind Flächen nach Windwürfen oder Kalamitäten, die ideale Bedingungen für eine starke Vermehrung der Mäuse bieten.
Hier spielt das Mauswiesel seine Stärke aus: Mit seinem schlanken Körper jagt es direkt in den unterirdischen Gangsystemen der Wühlmäuse, dort, wo größere Fressfeinde nicht hinkommen. Förster:innen wissen diesen Effekt zu schätzen und setzen gezielt auf natürliche Gegenspieler der Mäuse, darunter Greifvögel, Eulen, Füchse und eben das Mauswiesel.
Zum Vergleich: Ein Fuchs frisst rund 7.000 Mäuse pro Jahr, eine Eule etwa 2.500. Das Mauswiesel erbeutet bis zu fünf Mäuse pro Tag und kommt so auf über 1.800 Mäuse im Jahr. Es ist zwar klein, aber hocheffizient und für den Klimawald von morgen ein wichtiger Verbündeter.
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Zuhause im Wald – und darüber hinaus
Das Mauswiesel ist ein echter Anpassungskünstler und fühlt sich in verschiedensten Lebensräumen wohl: offene Landschaften, extensiv bewirtschaftete Flächen, intakte Hecken – und eben auch lichte, strukturreiche Wälder. Hier findet es alles, was es braucht: Nahrung in Form von Kleinnagern und reichlich Verstecke.
Als Unterschlupf dienen Baumwurzeln, Erdspalten, Baumlöcher und Steinhaufen oder auch alte Baue anderer Säugetiere. Praktisch, wenn man so klein ist, dass man überall hineinpasst! Naturnahe Wälder mit viel Struktur, Totholz und Waldrändern bieten ideale Bedingungen. Je vielfältiger der Wald, desto besser für das Mauswiesel und desto besser für den natürlichen Schutz vor Mäuseschäden.
Übrigens: In Österreichs Bergwelt, etwa in den Nockbergen, kann das Mauswiesel im Winter sein Fell komplett weiß färben, ähnlich wie sein Verwandter, das Hermelin. Perfekte Tarnung im Schnee!
Eine Familie voller Waldbewohner
Das Mauswiesel gehört zur Familie der Marder (Mustelidae) und die ist in Österreichs Wäldern bestens vertreten: Vom eleganten Baummarder, der geschickt durch die Baumkronen turnt, über den kräftigen Dachs mit seinen charakteristischen Bauen bis hin zum scheuen Fischotter an Waldbächen. Auch der imposante Vielfraß und der seltene Steppeniltis zählen zur Verwandtschaft. Besonders nah steht dem Mauswiesel das Hermelin – erkennbar an seinem schwarzen Schwanzende.
Bild: Sie sehen ganz ähnlich aus – Hermeline und Mauswiesel. Sie unterscheiden sich u.a. an der schwarzen Schwanzspitze, hier der Hermelin
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Ein Leben als Einzelgänger
Mauswiesel sind Einzelgänger mit Charakter. Jedes Tier beansprucht sein eigenes Revier, eng gebunden an das Vorkommen von Kleinnagern, ihrer Hauptbeute. Vorwiegend sind sie in der Dämmerung aktiv, können aber genauso gut am helllichten Tag oder mitten in der Nacht unterwegs sein.
Nur zur Paarungszeit dulden Mauswiesel Artgenossen in ihrem Revier. Die Männchen leben dann nomadisch und besuchen die Reviere der Weibchen. Grundsätzlich können Mauswiesel das ganze Jahr über Nachwuchs bekommen, vorausgesetzt, es gibt genug zu fressen. Die Hauptsaison liegt zwischen Frühling und Spätsommer.
Bedrohungen – und was wir tun können
Obwohl das Mauswiesel selbst auf dem Speiseplan von Eulen, Füchsen und Bussarden steht, sind seine Populationen in intakten Lebensräumen stabil. Die größten Gefahren lauern woanders: Der Verlust und die Zerschneidung von Lebensräumen sowie der Straßenverkehr setzen den kleinen Jägern zu.
Die gute Nachricht: Wer naturnahe Waldbewirtschaftung betreibt, tut auch dem Mauswiesel etwas Gutes. Strukturreiche Wälder mit Hecken, Waldrändern, Totholz und Steinhaufen bieten nicht nur Lebensraum, sondern fördern auch die natürliche Mäuseregulation, ganz ohne Gift oder aufwendige Bekämpfungsmaßnahmen.
Das Mauswiesel ist 2026 in Österreich nicht nur klein und flink. Es ist ein Symbol für die Vielfalt unserer Wälder und ein stiller Verbündeter der nachhaltigen Forstwirtschaft. Wer das nächste Mal im Wald ein langgestrecktes Wiesel blitzen sieht, weiß: Das ist unser Tier des Jahres – und ein echter Waldhelfer!
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Schon gewusst?
Das Mauswiesel kann seine Körpertemperatur nur begrenzt regulieren: Bei Kälte verliert es rasch Wärme. Das ist ein weiterer Grund, warum es ständig Nahrung braucht und besonders auf strukturreiche Lebensräume mit vielen Verstecken angewiesen ist.
Zum Weiterlesen
Zum Nachlesen
Quellen
- Bundeforschungszentrum für Wald – BFW
- Quelle: Naturschutz – Rund ein Drittel der Waldfläche Österreichs unter Schutz
Rechte & Produktion
© 2022 BFW und waldgeschichten.com – Die österreichischen Familienwaldbetriebe & Österreichischer Forstverein – Unterstützt durch den Holzinformationsfonds der Landwirtschaftskammer Österreich
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