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Artenwanderung durch Klimawandel

Aufgrund der Klimakrise wandern Arten in höhere Lagen bzw., wenn möglich, Richtung Norden.

Als Antwort auf den Klimawandel wird auch zunehmend eine Verlagerung der Lebensräume in höhere und weiter nördlich gelegene Lebensräume beobachtet. Chen et al. (2011) untersuchten 764 Arten und fanden heraus, dass dieses Artenspektrum um ca. 11 m pro Dekade nach oben und ca. 17 km nach Norden gewandert ist. Wilson et al. (2005) stellten fest, dass sich in Zentralspanien die untere Höhengrenze für die Verbreitung von 16 Schmetterlingsarten in den letzten 30 Jahren um 212 m nach oben verschoben hat.

Eine sehr breit angelegte Studie mit 300 Gipfelstandorten, welche sich einschließlich der GLORIA-Gipfel über Europa verteilen, ergab eine signifikante Beschleunigung der Artenzahlzunahme mit einer fünfmal stärkeren Artenanreicherung in der Dekade 2007 – 2016 als in der Dekade 1957 – 1966 (Steinbauer et al., 2020). Dieser nicht nur in den Ost- und West-Alpen, sondern in allen untersuchten europäischen Gebirgssystemen beobachtete Trend verlief synchron mit dem Temperaturanstieg seit Beginn der Erhebungen. Damit konnte der Temperaturfaktor als primärer, großräumig wirksamer Treiber für Neubesiedlungen im Hochgebirge bestätigt werden, während Änderungen der Niederschläge und der Stickstoff-Depositionen regional variable und weniger starke Zusammenhänge mit der Artenzunahme zeigten.

Rumpf et al. (2017) konnten zeigen, dass sich die untere Verbreitungsgrenze von Gebirgsarten fast doppelt so schnell nach oben verschob wie die obere. Das bedeutet, dass Arten in höheren Lagen schon jetzt an Lebensraum verlieren und von der größeren Anzahl von nach oben wandernden Arten aus tieferen Lagen regelrecht eingeengt werden.

An Kälte angepasste, kälteadaptierte Arten haben nur einen begrenzten Raum nach oben, um auszuweichen und sind besonders von Arealverlusten betroffen. Infolge der anthropogenen Temperaturerhöhung dringen Pflanzenarten in die höher liegenden Vegetationsstufen vor, alpine Arten etwa in die nivale Stufe. Durch das „Nachrücken“ dieser Arten kann eine neue Konkurrenzsituation für kälteadaptierte Arten in Hochgebirgen entstehen. Dies kann allerdings bei fortschreitend ungünstigeren Klimabedingungen zu einer Schwächung der Vitalität und schließlich zu einem raschen Zusammenbruch von Populationen führen.

Rumpf et al. (2018) stellten fest, dass sich sowohl Untergrenzen, Optimum-Bereiche als auch Obergrenzen im Mittel signifikant nach oben verschieben, und zwar umso rascher, je tiefer sie historisch lagen. Für Hochlagenarten war dabei eine überproportional starke Arealreduktion angezeigt. Demnach ist davon auszugehen, dass der auf den Gipfeln angezeigte Trend der Höherverschiebung der Obergrenzen von einem beschleunigten Wandern der unteren Grenzen übertroffen wird, also eine fortschreitende Einengung der vertikalen Verbreitungsspanne stattfindet.

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