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Schadereignisse wie Sturm, Trockenheit oder Borkenkäferbefall zeigen, wie widerstandsfähig ein Wald tatsächlich ist. Bezirkskammerförster Nikolaus Strobl nimmt uns mit in die steirischen Wälder und zeigt anhand eines konkreten Sturmereignisses in der Oststeiermark, worauf es danach ankommt: auf standortgerechte Baumarten, rechtzeitige Pflege, Naturverjüngung und fachliche Beratung. Denn klimafitter Wald entsteht nicht erst nach dem Schaden, sondern durch viele Entscheidungen, die lange davor getroffen werden.
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Was Sturmschäden über Waldpflege verraten
Wenn ein Sturm durch den Wald geht, bleibt oft mehr zurück als gebrochene Stämme und aufgerissene Flächen. Er zeigt auch, wie stabil ein Bestand war und wo Pflege, Baumartenwahl oder Standortanpassung in Zukunft entscheidend werden. Das Beispiel aus der Oststeiermark macht sichtbar, warum klimafitter Wald nicht von allein entsteht.
Nach einem schweren Sturm im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld standen viele Waldbesitzer vor zerstörten Flächen. Auch Herbert Stern war betroffen. Der erste Blick in den Wald war ein Schock. Doch nach dem ersten Erschrecken beginnt die wichtigste Arbeit: verstehen, warum Bäume gefallen sind, welche Lehren daraus gezogen werden können und wie der Wald wieder Zukunft bekommt.
Begleitet wird dieser Prozess von Bezirkskammerförster Nikolaus Strobl: Er unterstützt Waldbesitzer dabei, ihre Wälder standortgerecht, stabil und zukunftsfähig zu bewirtschaften. Denn Waldpflege bedeutet Klimaanpassung, Risikovorsorge und Generationenarbeit.
Klimafitter Wald: Was bedeutet das konkret?
Ein klimafitter Wald ist ein Wald, der mit den Bedingungen der Zukunft möglichst gut zurechtkommt. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber anspruchsvoll. Denn das Klima verändert sich: Die Temperaturen steigen, Niederschläge verteilen sich anders, Trockenphasen nehmen zu, Extremwetterereignisse werden für viele Regionen zur größeren Belastung.
Für den Wald ist das besonders relevant, weil forstliche Entscheidungen über sehr lange Zeiträume wirken. Während in der Landwirtschaft jedes Jahr neu angebaut werden kann, wachsen Bäume über Jahrzehnte. Wer heute pflanzt, pflegt oder eine Naturverjüngung fördert, entscheidet mit darüber, wie der Wald in 70 bis 100 Jahren aussieht.
Klimafit heißt daher, den richtigen Baum am richtigen Standort zu setzen. Boden, Wasserversorgung, Höhenlage, Exposition, Wilddruck und das künftig erwartbare Klima müssen gemeinsam betrachtet werden.
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Warum Waldpflege über Stabilität entscheidet
Der Sturm in der Oststeiermark hat gezeigt, wie anfällig manche Bestände sein können. Besonders gefährdet sind Wälder, die über lange Zeit sehr dicht gewachsen sind und in denen notwendige Pflegeeingriffe zu spät oder gar nicht durchgeführt wurden.
Wenn junge Bäume zu eng stehen, wachsen sie rasch in die Höhe. Gleichzeitig bleiben die Stämme oft dünn. Der Bestand wirkt von außen vielleicht geschlossen und grün, ist aber nicht automatisch stabil. Fehlen Stammzahlreduktion und Durchforstung, entstehen hohe, schlanke Bäume mit geringer Standfestigkeit.
Solche Bäume stützen sich über Jahre gegenseitig. Fallen durch Sturm einzelne Bäume aus, verlieren die verbleibenden ihren Schutz. Der Wind kann weiter in den Bestand eindringen, und die Gefahr weiterer Schäden steigt. Waldpflege ist deshalb kein Nebenthema, sondern ein zentraler Baustein für stabile Wälder.
Wenn Fichten fallen: Was der Standort erzählt
Auf vielen Sturmflächen waren vor allem Fichten betroffen. Die Fichte ist in Österreich eine wichtige Baumart, doch nicht jeder Standort ist für sie gleichermaßen geeignet. Als Flachwurzler kann sie auf bestimmten Böden und unter zunehmendem Trockenstress anfälliger für Windwurf werden.
Das bedeutet nicht, dass eine einzelne Baumart allein das Problem ist. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Standort, Pflegezustand, Bestandesstruktur, Witterung und Sturmstärke. Bei Windspitzen von bis zu 180 Kilometern pro Stunde können auch stabile Wälder Schaden nehmen. Gute Pflege kann Extremereignisse nicht verhindern. Sie kann aber dazu beitragen, dass Bestände vitaler, strukturreicher und widerstandsfähiger werden.
Nach einem Sturm geht es daher nicht nur darum, gefallene Bäume aufzuarbeiten. Es geht um die Frage, welcher Wald auf dieser Fläche künftig wachsen soll.
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Nach dem Sturm beginnt die Zukunftsarbeit
Wer eine Sturmfläche wiederbewaldet, steht vor weitreichenden Entscheidungen. Soll gepflanzt werden? Gibt es geeignete Naturverjüngung? Welche Baumarten passen zum Standort? Wie lässt sich verhindern, dass die Fläche vergrast oder verbuscht? Und wie können junge Bäume vor Wildverbiss geschützt werden?
Hier kommt die Beratung durch die Landwirtschaftskammer ins Spiel. Förster wie Nikolaus Strobl helfen dabei, die Situation fachlich einzuordnen und die nächsten Schritte zu planen. Auch Fördermöglichkeiten können eine wichtige Rolle spielen, wenn klimafitte Wälder neu begründet oder bestehende Bestände angepasst werden sollen.
Ein wesentliches Werkzeug ist die dynamische Waldtypisierung. Sie zeigt, welche Waldtypen und Baumarten unter heutigen und künftigen Klimabedingungen auf einem bestimmten Standort voraussichtlich geeignet sind. Damit wird der Blick bewusst nach vorne gerichtet: Nicht nur der Wald von heute zählt, sondern der Wald, der in vielen Jahrzehnten noch bestehen soll.
Naturverjüngung braucht Licht, Raum und Schutz
Nicht jede Wiederbewaldung beginnt mit dem Pflanzen neuer Bäume. Wo passende Baumarten von selbst aufkommen, kann Naturverjüngung ein wertvoller Weg sein. Sie nutzt das Potenzial des bestehenden Waldes und bringt oft gut angepasste junge Bäume hervor.
Damit Naturverjüngung gelingt, braucht sie jedoch passende Bedingungen. In sehr dichten Beständen gelangt oft zu wenig Licht auf den Waldboden. Junge Pflanzen bleiben dann zurück oder verschwinden ganz. Besonders Mischbaumarten wie die Tanne können zwar auch mit weniger Licht zurechtkommen, sind aber häufig durch Wildverbiss gefährdet.
Zäune oder andere Schutzmaßnahmen können notwendig sein, damit junge Bäume überhaupt eine Chance haben. Gerade diese frühe Phase entscheidet darüber, ob auf einer Fläche ein stabiler, artenreicher und klimafitter Wald entstehen kann.
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Der Wald von morgen entsteht durch viele kleine Entscheidungen
Klimafitte Wälder entstehen durch viele Entscheidungen, die ineinandergreifen: rechtzeitige Pflege, passende Baumarten, stabile Mischbestände, Naturverjüngung, Schutz vor Verbiss und ein genauer Blick auf den Standort. Der Wald erfüllt dabei viele Funktionen gleichzeitig. Er ist Lebensraum, speichert CO₂, produziert Sauerstoff, reguliert den Wasserhaushalt, liefert den nachwachsenden Rohstoff Holz und schützt in vielen Regionen vor Naturgefahren wie Erosion, Lawinen oder Steinschlag. Damit er diese Aufgaben auch in Zukunft erfüllen kann, wird er am besten aktiv bewirtschaftet.
Ein Schadereignis wie ein Sturm kann zerstören. Er macht dabei aber auch sichtbar, worauf es künftig ankommt. Was heute wie eine verlorene Fläche aussieht, kann der Anfang eines stabileren Waldes sein, wenn nach dem Schaden nicht einfach ersetzt wird, was verloren ging. Sondern der Wald standortgerecht und zukunftsfähig weiterentwickelt wird.
Waldpflege ist Generationenarbeit
Der Klimawandel stellt Österreichs Wälder vor große Herausforderungen. Doch die Beispiele aus der Steiermark zeigen auch: Waldbesitzer:innen und Förster:innen können viel tun, um Wälder widerstandsfähiger zu machen. Sie beobachten, beraten, pflegen, pflanzen, schützen und begleiten Entwicklungen, deren Ergebnis oft erst die nächste Generation vollständig sehen wird.
Genau darin liegt die besondere Verantwortung der Forstwirtschaft: Wer heute im Wald arbeitet, denkt weit über den Moment hinaus. Jede Pflegeentscheidung, jede Baumartenwahl und jede geschützte Naturverjüngung prägt den Wald von morgen.
Anm. der Red.: Dieser Artikel basiert auf dem Video „Wald hinter den Kulissen“ mit Bezirkskammerförster Nikolaus Strobl. Es zeigt an Beispielen aus der Steiermark, wie Waldbesitzer nach einem Sturmereignis unterstützt werden und welche Rolle Waldpflege, Standortwahl und Naturverjüngung für die Wälder der Zukunft spielen.
Film, Schnitt und Produktion: Sebastian Tropper
Redaktion: Selina Tropper
Mitwirkende: Robert Rabensteiner
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