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Hitze, Trockenheit, Borkenkäfer und veränderte Niederschläge setzen Österreichs Wälder zunehmend unter Druck. Ein Versuch der Guts- und Forstverwaltung Horn in Niederösterreich zeigt, wie Waldbesitzer auf diese Entwicklung reagieren: Auf einer Fläche bei Japons werden Eichen-Herkünfte aus dem Kaukasus getestet. Sie könnten künftig besser an Klimabedingungen angepasst sein, wie sie in Teilen Österreichs gegen Ende des Jahrhunderts erwartet werden.
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Nicht nur die Baumart zählt, sondern auch ihre Herkunft
Beim klimafitten Wald geht es nicht allein um die Frage, ob künftig mehr Eiche, Tanne, Buche, Lärche oder Douglasie gepflanzt werden soll. Immer wichtiger wird auch die Herkunft des Saatguts. Denn eine Eiche ist nicht einfach eine Eiche. Bäume derselben Art können sich über viele Generationen an unterschiedliche Klimaräume angepasst haben. Eine Herkunft aus einer trockeneren, wärmeren Region kann daher andere Eigenschaften mitbringen als eine lokale Herkunft aus kühleren oder feuchteren Lagen.
Genau hier setzt das Konzept der assistierten Migration an. Das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) beschreibt sie als unterstützte Wanderung von Pflanzen in klimatisch besser geeignete Gebiete. Normalerweise können Baumarten ihr Verbreitungsgebiet über Samen langsam verändern. Der Klimawandel schreitet aber so schnell voran, dass viele Waldbestände mit natürlicher Anpassung allein nicht Schritt halten können. Deshalb wird geprüft, ob Samenherkünfte aus Regionen, die dem künftigen Klima eines Standorts ähnlicher sind, bei Aufforstungen oder Ergänzungspflanzungen Vorteile bringen können (Mehr dazu: Assisted Migration und neue Baumarten).
Was der Versuch in Horn zeigt
Im Revier der Guts- und Forstverwaltung Horn sind die Folgen des Klimawandels bereits sichtbar. Der ORF berichtet von erheblichen Schäden und von einer großen Kahlfläche, wo vor Jahren noch geschlossener Wald stand. Für den Waldeigentümer Markus Hoyos war das ein Weckruf. Gemeinsam mit Fachleuten ließ er berechnen, welches Klima in der Region gegen Ende des Jahrhunderts zu erwarten ist. Das Ergebnis: Bedingungen, die teilweise mit dem heutigen Klima im Kaukasus vergleichbar sind.
Langfristiger Herkunftsversuch
Daraus entstand der Versuch, Eichen-Herkünfte aus dieser Region unter österreichischen Bedingungen zu testen. Entscheidend ist dabei: Es geht nicht um ein beliebiges Ausbringen exotischer Baumarten, sondern um einen langfristigen forstlichen Herkunftsversuch. Erst über Jahrzehnte wird sich zeigen, welche Herkünfte anwachsen, vital bleiben, mit Trockenheit umgehen können und langfristig stabile Bestände ermöglichen.
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Klimafitte Wälder brauchen Vielfalt
Für Waldbesitzer ist daraus keine einfache Pflanzempfehlung abzuleiten. Niemand sollte nun pauschal Eichen-Herkünfte aus dem Kaukasus setzen. Der Versuch zeigt vielmehr, in welche Richtung sich die forstliche Praxis entwickelt: weg von Einheitslösungen, hin zu standortbezogenen Entscheidungen, Mischbeständen und größerer genetischer Vielfalt.
Wer heute aufforstet, entscheidet für mehrere Generationen. Deshalb braucht es eine breite Risikostreuung. Unterschiedliche Baumarten, passende Herkünfte, Naturverjüngung, standortgerechte Pflege und fachliche Beratung gehören zusammen. Gerade auf trockener werdenden Standorten kann es sinnvoll sein, die bisherige Baumartenwahl kritisch zu prüfen und Alternativen frühzeitig mitzudenken.
Welche Baumarten eignen sich künftig für meinen Standort?
Eine erste Orientierung bietet die Baumartenampel des BFW. Sie zeigt, welche Baumarten in Österreich je nach Wuchsgebiet, Seehöhe und prognostiziertem Klima künftig geeignet sein könnten. Die Baumartenampel ersetzt keine Beratung vor Ort, hilft aber dabei, die eigenen Standorte besser einzuordnen und fundiertere Fragen zu stellen.
Forschung, Praxis und Geduld
Herkunftsversuche sind keine schnellen Lösungen: Gerade in der Forstwirtschaft zeigt sich der Erfolg nicht in wenigen Jahren, sondern oft erst nach Jahrzehnten. Das macht die Entscheidung schwierig: Wer heute pflanzt, muss mit Unsicherheit umgehen. Gleichzeitig wäre Nichtstun vielerorts riskanter. Denn Bäume, die jetzt anwachsen, werden ihr mittleres Alter in einem Klima erreichen, das sich deutlich von jenem unterscheidet, unter dem sie gepflanzt wurden.
Eine vom BFW kommunizierte Studie in Nature Climate Change zeigt, dass es nicht ausreicht, einfach mehr Bäume zu pflanzen; entscheidend ist auch die Auswahl von Baumarten und Samenherkünften, die an künftige Klimabedingungen angepasst sind.
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Klimawandelanpassung statt Blick zurück
Das Thema berührt auch die politische Debatte um Renaturierung und Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme. Die EU-Wiederherstellungsverordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten, nationale Wiederherstellungspläne zu erarbeiten. Für Wälder, Moore, Flüsse, Agrarlandschaften und städtische Ökosysteme sollen Wiederherstellungsmaßnahmen geplant beziehungsweise eingeleitet werden. Informationen zur Umsetzung in Österreich stellt das Bundesministerium auf seiner Seite zur Wiederherstellungsverordnung bereit.
Für die Forstwirtschaft ist dabei entscheidend, dass Wiederherstellung nicht mit einem einfachen Zurück in frühere Zustände verwechselt wird. Viele Standorte werden künftig nicht mehr dieselben Bedingungen bieten wie vor 50 oder 100 Jahren. Klimawandelanpassung bedeutet daher, Wälder so zu entwickeln, dass sie auch unter veränderten Bedingungen Schutz, Lebensraum, Holz, Kühlung, Wasserrückhalt und Erholung bieten können.
Was Waldbesitzer für klimafitte Wälder tun können
Der Versuch mit Eichen-Herkünften aus dem Kaukasus ist kein Patentrezept. Er ist ein Beispiel dafür, wie vorausschauend Waldbewirtschaftung heute denken muss. Klimafitte Wälder entstehen nicht durch eine einzelne „Wunderbaumart“, sondern durch gute Standortkenntnis, Vielfalt, passende Herkünfte und langfristige Beobachtung.
Wer Wald besitzt, sollte deshalb nicht erst nach dem nächsten Schadereignis reagieren. Sinnvoll ist es, den eigenen Standort zu prüfen, Beratung einzuholen, die Baumartenwahl breiter aufzustellen und auch die Herkunft des Pflanzmaterials ernst zu nehmen. Denn der Wald der Zukunft beginnt nicht erst beim Pflanzen, er beginnt bei der Frage, woher das Saatgut kommt.
Weiterführende Links
ORF Niederösterreich: Eichen aus dem Kaukasus gegen den Klimawandel
waldwissen.net / BFW: Assisted Migration und neue Baumarten
BFW: Klimaschutzfunktion europäischer Wälder und unterstützte Migration
BFW / Klimafitter Wald: Baumartenampel
BMLUK: EU-Wiederherstellungsverordnung in Österreich
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