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Ein Jahr im österreichischen Wald: Mai

Mai 28, 2026 | Allgemein

Der Mai gehört zu den eindrucksvollsten Monaten im österreichischen Wald. Nach den ersten vorsichtigen Austrieben des Frühjahrs zeigt sich die Natur nun in voller Kraft: Das frische Maigrün überzieht die Baumkronen, Vogelgesang begleitet die langen Tage vom frühen Morgen an, und am Waldboden prägen Bärlauch, Waldmeister und Maiglöckchen vielerorts das Bild. Wer jetzt durch den Wald geht, erlebt eine Zeit, in der sich das Erscheinungsbild beinahe täglich verändert.

 

Maigrün, Vogelgesang und Frühlingsblumen prägen den österreichischen Wald

 

Besonders auffällig ist das Licht im Mai. Noch bevor sich das Blätterdach vollständig schließt, fällt die Sonne weich durch junge Buchen-, Ahorn- oder Eichenblätter. Viele Wälder wirken in diesen Wochen heller und offener als später im Sommer. In zahlreichen Regionen Österreichs blühen nun außerdem Holunder, Weißdorn oder Eberesche und geben Waldrändern und Lichtungen zusätzliche Farbakzente.
Auch am Waldboden verändert sich das Bild. Während im April oft Frühblüher wie Buschwindröschen oder Schlüsselblumen dominierten, treten nun Bärlauch, Waldmeister und Maiglöckchen stärker hervor. Besonders der Duft des Bärlauchs gehört für viele Menschen untrennbar zum Maiwald. Mit der fortschreitenden Belaubung gelangt jedoch zunehmend weniger Licht auf den Boden – viele Frühlingspflanzen ziehen sich deshalb bereits wieder zurück.

 

Warum der Mai für Wildtiere im Wald besonders sensibel ist

 

Der Mai ist nicht nur eine besonders schöne Zeit im Wald, sondern auch eine biologisch sensible Phase. Viele Vogelarten ziehen jetzt ihre Jungen auf, Wildbienen und Hummeln sind intensiv auf Nahrungssuche, und zahlreiche Tiere benötigen ungestörte Rückzugsräume.
Vor allem in den frühen Morgen- und Abendstunden wirkt der Wald nun besonders lebendig. Meisen, Drosseln, Buchfinken und andere Singvögel füttern ihre Brut, während Kuckuck und Pirol vielerorts erstmals deutlich zu hören sind. Auch Waldränder, Hecken und Lichtungen werden jetzt zu wichtigen Lebensräumen für Insekten und Jungtiere.
Setzzeit der Rehe: Warum Hunde jetzt an die Leine gehören
Im Mai und Juni beginnt für Rehe die Setzzeit. Rehgeißen bringen ihre Kitze häufig in hohem Gras, auf Wiesen oder an Waldrändern zur Welt. Die Jungtiere besitzen einen angeborenen Drückinstinkt und bleiben regungslos liegen, während die Mutter zur Nahrungssuche unterwegs ist. Für Menschen wirken die Kitze deshalb oft verlassen – tatsächlich werden sie aber weiterhin versorgt.
Gerade jetzt ist Rücksicht besonders wichtig. Hunde sollten im Wald unbedingt an der Leine geführt werden, Wege möglichst nicht verlassen werden. Jede Störung bedeutet Stress für Wildtiere, die nun viel Energie für Jungenaufzucht und Brutpflege benötigen.

 

Eisheilige im Mai: Wann die Frostgefahr im Wald endet

 

Traditionell gelten die Eisheiligen zwischen 11. und 15. Mai als letzte größere Frostmarke des Frühjahrs. Auch wenn diese Wetterregel nicht jedes Jahr zutrifft, können Spätfröste empfindliche junge Triebe von Bäumen und Pflanzen noch schädigen. Vor allem junge Buchen-, Eichen- oder Obstbaumtriebe reagieren empfindlich auf plötzliche Kälteeinbrüche.
Mit dem Ende der Frostgefahr legt die Vegetation meist nochmals deutlich an Wachstum zu. Viele Wälder erreichen nun innerhalb weniger Tage ihre volle Belaubung.

 

Borkenkäfer-Saison beginnt: Was jetzt für Waldbesitzer wichtig wird

 

Für die Forstwirtschaft beginnt im Mai gleichzeitig eine arbeitsreiche Zeit. Mit steigenden Temperaturen startet vielerorts die Borkenkäfer-Saison. Sobald es dauerhaft wärmer wird, beginnt der Buchdrucker – die wichtigste Borkenkäferart an der Fichte – zu fliegen.
Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer kontrollieren deshalb ihre Bestände verstärkt auf frischen Befall. Pheromonfallen, Kontrollgänge und das rasche Entfernen befallener Bäume gehören nun vielerorts zum Alltag. Besonders nach trockenen Jahren bleiben geschwächte Fichtenbestände anfällig für Schäden.
Frühjahrspflege im Wald: Wie junge Mischwälder geschützt werden
Parallel dazu laufen die Pflegearbeiten der Frühjahrspflanzungen. Junge Bäume benötigen Schutz vor Konkurrenzvegetation, Trockenheit und Wildverbiss. Viele Forstbetriebe setzen dabei zunehmend auf klimafitte Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten, um die Wälder langfristig stabiler gegen Hitze, Trockenheit und Schädlinge zu machen.
Was jetzt gepflegt und geschützt wird, soll in Jahrzehnten den Wald der Zukunft bilden.

 

Warum der Mai zu den schönsten Monaten im österreichischen Wald zählt

 

Der Mai zeigt den österreichischen Wald in einer besonderen Balance: voller Aufbruchskraft, Wachstum und Artenvielfalt – und gleichzeitig geprägt von empfindlichen biologischen Prozessen. Wer jetzt durch den Wald geht, erlebt Österreichs Natur in einer Phase, die später im Jahr so nicht mehr wiederkehrt: mit hellem Maigrün, Vogelgesang und einer Stimmung zwischen Frühling und Frühsommer.

 

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