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Der Mai ist im österreichischen Wald der Monat des ersten Höhepunkts: Das Blätterdach leuchtet im frischen Maigrün, die Vogelbrut erreicht ihren Spitzenwert und mit die Eisheiligen endet in tieferen Lagen die Frostgefahr. Was im April begonnen hat, kommt nun zur vollen Entfaltung. Gleichzeitig beginnen für Forstwirtschaft und Wildtiere neue, intensive Phasen.
Der Wald im Mai: Vom Vollfrühling in den Frühsommer
Im Mai vollzieht sich in der Natur der Übergang vom Vollfrühling zum Frühsommer. Während der Vollfrühling durch die Blüte des Kulturapfels und den Laubaustrieb der Stiel-Eiche geprägt ist, beginnt der Frühsommer mit der Blüte des Schwarzen Holunders. In Österreich fällt dieser Übergang je nach Höhenlage und Witterung häufig in die zweite Maihälfte. Eberesche, Robinie, Weißdorn und Goldregen blühen, viele Buchen stehen nun bereits in vollem Laub.
Auch am Waldboden verändert sich das Bild: Wo im April Frühblüher wie Buschwindröschen, Leberblümchen oder Schlüsselblumen auffielen, treten nun Arten wie Waldmeister, Maiglöckchen und Bärlauch stärker hervor. Die Bärlauch-Saison geht mit der Blüte meist ihrem Ende entgegen. Wer die Blätter sammeln möchte, sollte die ersten Maiwochen nutzen, da sie mit Beginn der Blüte deutlich an Aroma verlieren. Mit dem geschlossenen Blätterdach kommt weniger Licht auf den Waldboden; das Wachstum verlagert sich nun stärker in die Strauch- und Baumschicht.
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Biologische Prozesse im Mai: Bestäubung, Wachstum, letzte Frostgefahr
Im Mai laufen mehrere biologische Prozesse parallel auf Hochtouren: Viele Gehölze stehen in Blüte, Insekten bestäuben Blütenpflanzen, und zahlreiche Bäume befinden sich in einer Phase intensiven Trieb- und Blattwachstums. Wildbienen, Hummeln und viele Schmetterlinge sind nun besonders aktiv. Das Zusammenspiel von Blüten und Bestäubern entscheidet bei zahlreichen Pflanzenarten über Fruchtansatz und Samenbildung des Jahres.
Traditionell bringt der Mai die Eisheiligen: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die „kalte Sophie“ zwischen 11. und 15. Mai. Auch wenn ihr Eintreten nicht jedes Jahr verlässlich ist, gelten diese Tage in Landwirtschaft und Gartenbau seit langem als Orientierung für die letzte größere Frostgefahr. Meteorologisch ist der Termin jedoch keine feste Frostgrenze: Die Frostgefahr nimmt im Verlauf des Mai deutlich ab, Spätfröste können aber weiterhin auftreten. Treffen sie empfindliche junge Eichen-, Buchen- oder Obstbaumtriebe, können die Schäden erheblich sein.
Der Klimawandel verschiebt den Mai zunehmend nach vorn. Jahreszeitliche Beobachtungen zeigen, dass wichtige Entwicklungsphasen heute früher eintreten können als noch vor wenigen Jahrzehnten. Solche Verschiebungen können Folgen für das Zusammenspiel von Pflanzen, Bestäubern und Vögeln haben, deren Brut- und Aktivitätszyklen sich ebenfalls verändern.
Quelle: Phenowatch
Wildtiere im Mai: Setzzeit der Rehe und Bruthochsaison der Vögel
Im Mai beginnt für das Reh eine der wichtigsten Phasen des Jahres: die Setzzeit. Rehgeißen bringen ihre Kitze meist im Mai und Juni zur Welt. Die geschieht häufig in dichter Vegetation, im hohen Gras am Waldrand oder auf Mähwiesen. Frisch gesetzte Kitze verharren regungslos in der Deckung, während die Mutter zur Nahrungssuche zieht und nur zum Säugen zurückkehrt. Sie sind also nicht verlassen. Spaziergänger:innen sollten ein gefundenes Kitz unter keinen Umständen berühren oder mitnehmen. Direkter Kontakt kann Stress verursachen und den Eigengeruch des Jungtiers verändern. Wer unsicher ist, sollte Abstand halten und fachkundige Hilfe verständigen.
Im Wald erreicht zugleich die Vogelbrut ihren Höhepunkt. Meisen, Drosseln, Buchfinken und viele weitere Singvögel füttern ihre erste Brut. Kuckuck und Pirol sind nun in Auwäldern, lichten Laubwäldern und strukturreichen Mischwäldern zu hören. Auch Gärten, Waldränder und Hecken werden jetzt zu wichtigen Brut- und Nahrungsräumen.
Auch andere Wildtiere führen im Mai Junge: Fuchs- und Dachswelpen erkunden die Umgebung ihrer Baue, Wildschwein-Frischlinge folgen den Bachen, junge Eichhörnchen verlassen erstmals ihren Kobel. Für Waldbesucher:innen bedeutet das: Hunde unbedingt an die Leine, Wege nicht verlassen und besonders die Dämmerungsstunden den Tieren überlassen. Die Brut- und Setzzeit reicht je nach Art und Region weit über den Mai hinaus; besondere Rücksicht wird immer empfohlen.
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Forstwirtschaft im Mai: Borkenkäfer-Monitoring startet
Mit Temperaturen über 16 Grad beginnt im Mai der Schwärmflug des Buchdruckers, des für Fichten gefährlichsten Borkenkäfers in Österreich. Forstbetriebe und Waldbesitzer starten jetzt mit dem systematischen Monitoring: Pheromonfallen werden aufgestellt, Befallsbäume gesucht und gekennzeichnet, befallenes Holz rasch aufgearbeitet und aus dem Wald gebracht.
Parallel dazu läuft die Pflege der Frühjahrspflanzungen: Junge Bäume werden auf Wildverbiss kontrolliert, Schutzhüllen gerichtet, in Trockenperioden bei Bedarf gewässert. Wer im April gepflanzt hat, entscheidet jetzt mit, wie viel von der Investition tatsächlich in den nächsten Sommer geht.
In älteren Beständen stehen Erstdurchforstungen an. In Laubholzbeständen stehen Wertastungen am Programm. Die Wertastung – das gezielte Entfernen unterer Äste an ausgewählten Zukunftsbäumen – fördert die Bildung astfreien Wertholzes, besonders bei Eiche, Kirsche und Lärche.
Waldbesuch im Mai: Maigrün, Vogelgesang und neue Spielregeln
Der Mai zählt zu den schönsten Wandermonaten des Jahres: Die Tage sind lang, das Maigrün leuchtet, und der Vogelgesang erfüllt den Wald vom Morgengrauen an. In tiefen und mittleren Lagen sind die Wege meist bereits gut begehbar, während oberhalb von etwa 1.500 Metern vielerorts noch Schneefelder liegen können.
Gleichzeitig ist der Mai aber auch ein sensibler Monat für Natur und Wildtiere. Mit der Setz- und Brutzeit gelten im Wald besondere Regeln der Rücksichtnahme:
- Hunde unbedingt an die Leine nehmen.
- Wiesenränder und hohes Gras möglichst meiden.
- Rehkitze niemals berühren oder mitnehmen.
- Zum Schutz der Vogelbrut Lärm und Streifzüge abseits der Wege vermeiden.
Auch kulinarisch hat der Mai Saison: Bärlauch wächst jetzt vielerorts noch in großen Beständen. Gesammelt werden darf jedoch nur für den Eigenbedarf. In Schutzgebieten ist das Pflücken meist verboten. Wichtig ist außerdem die Verwechslungsgefahr mit giftigen Pflanzen wie Maiglöckchen oder Herbstzeitlose.
Nicht unterschätzt werden sollte auch die Waldbrandgefahr: Durch trockene Frühjahrsperioden und warme Temperaturen kann sie bereits im Mai deutlich ansteigen. Offenes Feuer, Grillen, Lagerfeuer oder das Wegwerfen von Zigaretten sind im Wald daher unbedingt zu vermeiden. Selbst das Parken von Autos oder Motorrädern am Waldrand kann zur Gefahr werden.
Und noch etwas begleitet viele Waldbesuche im Mai: Zecken. Mit steigenden Temperaturen werden sie nun voll aktiv. Lange Kleidung, das Meiden hohen Grases und eine Kontrolle nach dem Spaziergang helfen, das Risiko von Zeckenstichen zu reduzieren.
Diese Wald-Ausflugsziele in Österreich eignen sich im Mai besonders
Wienerwald: Der Biosphärenpark zeigt sich im Mai im klassischen Maigrün der Buchenwälder. Bärlauch in dichten Teppichen, erste Orchideen und intensiver Vogelgesang machen den Wienerwald zu einem der vielseitigsten Frühsommerziele Österreichs. Und das direkt vor der Haustür.
Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal: Österreichs einziger Urwald großen Ausmaßes – der Rothwald – steht im Mai in voller Frische. Die geführten Touren (anmeldepflichtig) führen durch einen Wald, der seit Jahrhunderten unbewirtschaftet blieb und ein einzigartiges Naturerlebnis bietet.
Nationalpark Kalkalpen: Im Mai entfaltet sich das Maigrün der Buchen- und Tannenwälder besonders eindrucksvoll. Vogelstimmenexkursionen und geführte Frühlingswanderungen gehören zu den beliebtesten Programmen des Monats.
Nationalpark Gesäuse: Die Mischung aus Bergwald, Auwäldern entlang der Enns und alpinem Charakter macht das Gesäuse im Mai besonders abwechslungsreich. Familienfreundliche Themenwege verbinden Naturkunde mit Bewegung in beeindruckender Landschaft.
Bregenzerwald: Die Wälder der Region zeigen im Mai eine besondere Mischung: tiefliegende Bachschluchten in vollem Laubaustrieb, höhere Lagen noch im frühen Frühling. Die Käsestraße verbindet Wald-, Kultur- und Genussziele zu einem Ausflugsprogramm für mehrere Tage.
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