© 2026 Adobe Adobe Stock, makasana-photo

Der Wald im Burgenland

Vom Leithagebirge über das Mittelburgenland bis ins Dreiländereck

  • Waldbesucher:innen

Im östlichsten Bundesland Österreichs bedecken 135.000 Hektar Wald 34 % Landesfläche – auch wenn das Burgenland landläufig eher für Wein, Pannonien und den Neusiedler See bekannt ist.

Charakteristisch ist die ungleiche Verteilung: Im Norden, rund um Neusiedler See und Seewinkel, dominieren Steppen, Schilfgürtel und Salzlacken. Wälder sind hier rar. Im Mittel- und Südburgenland prägen ausgedehnte Eichen-Hainbuchenwälder, Buchenbestände, Robinien und Edelkastanien das Bild, durchzogen von Streuobstwiesen, Kellerstöckl-Landschaften und Weingärten.

© 2026 Adobe Stock, miracupix

Burgenlands höchster Wald: Der Naturpark Geschriebenstein-Írottkő

 

Wo das Burgenland in den Himmel steigt, liegt Österreichs erster grenzüberschreitender Naturpark: Auf 884 Metern markiert die Aussichtswarte am Geschriebenstein die Staatsgrenze zu Ungarn und gleichzeitig den höchsten Punkt des Bundeslandes. 

Der Naturpark Geschriebenstein-Írottkő umfasst rund 8.500 Hektar auf österreichischer und etwa 29.000 Hektar auf ungarischer Seite. Den Rahmen bildet ein großes Waldgebiet mit ausgedehnten Eichen-Hainbuchenwäldern – einem der charakteristischsten Waldtypen des pannonischen Raumes.

Hier treffen alpine und pannonische Klimaeinflüsse aufeinander. Diese Besonderheit erklärt die hohe biologische Vielfalt des Naturparks Geschriebenstein. Das Gebiet an der österreichisch-ungarischen Grenze zeichnet sich durch das Zusammentreffen unterschiedlicher Klima-Elemente aus und bietet dadurch eine große landschaftliche und biologische Vielfalt. Zu den pflanzlichen Besonderheiten zählt unter anderem der Diptam („Brennender Busch“), während artenreiche Trockenrasen und strukturreiche Kulturlandschaften Lebensräume für zahlreiche Insektenarten wie Schmetterlinge und Heuschrecken bieten.

Auch die Tierwelt der Region ist bedeutend: Die Wimperfledermaus nutzt die Burg Lockenhaus als Sommerquartier. Dort befindet sich eine der größten Kolonien dieser Art in Mitteleuropa, die den Dachboden der Burg als Wochenstube zur Aufzucht ihrer Jungtiere nutzt.

Foto: Wimperfledermaus (Myotis emarginatus)

Sechs Naturparke und ein Nationalpark – ein dichtes Netz an Schutzgebieten

 

Im Burgenland nimmt das Netz aus geschützten Naturlandschaften rund 23 Prozent der Landesfläche ein. Sechs Naturparke und der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel verbinden 41 von 171 Gemeinden miteinander.

Die sechs Naturparke decken die landschaftliche Bandbreite des Bundeslandes ab: Naturpark Neusiedler See-Leithagebirge im Norden, Naturpark Rosalia-Kogelberg, Naturpark Landseer Berge im Mittelburgenland, Naturpark Geschriebenstein-Írottkő, Naturpark in der Weinidylle im Südburgenland und der Dreiländer-Naturpark Raab-Örség-Goričko an der Grenze zu Ungarn und Slowenien.

Auch der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel mit 10.000 Hektar auf österreichischer Seite ist Teil dieses Netzwerks – auch wenn er als einziger Steppen-Nationalpark Österreichs vor allem für Schilfgürtel, Salzlacken und seine Vogelwelt bekannt ist. Seit 2001 ist die Region UNESCO-Welterbe.

Bild: Im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel

© 2026 Adobe Stock, fotofritz16

© 2026 Adobe Stock, Great-Brut-Here

Die Bedeutung des Waldes im Burgenland

 

Auch wenn das Burgenland flächenmäßig zu den kleineren Bundesländern zählt, ist es ein anerkennenswertes Holzland. Die Forst- und Holzwirtschaft erwirtschaftet eine jährliche Bruttowertschöpfung von rund 472 Millionen Euro. Das entspricht 5,7 Prozent der gesamten Wertschöpfung im Bundesland.

Rund 7.500 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von der Forst- und Holzwirtschaft ab. Das heißt: Jeder 18. Arbeitsplatz im Burgenland steht in Verbindung mit dem Wald. Die Branche sichert damit fast so viele Jobs wie die Gastronomie und deutlich mehr als das gesamte Beherbergungswesen oder der Hochbau. 

Aus den burgenländischen Wäldern wird nicht mehr Holz entnommen als nachwächst: Der jährliche Holzzuwachs beträgt 1,08 Millionen Vorratsfestmeter. Im Burgenland wächst rechnerisch also alle 20 Minuten ein Einfamilienhaus aus Holz nach. Insgesamt sind 30 Baumarten vertreten, die Hauptbaumarten sind die Eiche beim Laubholz und die Weißkiefer beim Nadelholz. 

Quellen: Pannonische Wald- und Holzplattform, Landwirtschaftskammer Burgenland, proHolz

 

© 2026 Adobe Stock, Christian-Krammer

© 2026 Adobe Stock, Natalia-Dobrovolska

© 2026 Adobe Stock, Aleksander-Bolbot

Wem gehört der burgenländische Wald?

 

Im Burgenland ist der Anteil des Privatwaldes außergewöhnlich hoch. Rund 57 Prozent der Waldfläche zählen zum Klein- und Kleinstwald, verteilt auf etwa 25.000 Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer. Ein durchschnittlicher Kleinwaldbesitz umfasst nur 2,5 bis 4 Hektar. Etwa 43 Prozent gehören größeren Forstbetrieben mit mehr als 200 Hektar, rund 1.000 Hektar bewirtschaften die Österreichischen Bundesforste. 

Der größte private Großgrundbesitzer ist die Esterházy-Stiftung mit knapp 40.000 Hektar, das entspricht etwa 10 Prozent der gesamten Landesfläche und macht sie zu einem der größten privaten Waldeigentümer Österreichs. 

Quellen: proHolz, Wikipedia

© 2026 Adobe Stock, mojolo

© 2026 Adobe Stock, Studio-Romantic

Den Wald im Burgenland kennenlernen

 

Wer den burgenländischen Wald erleben will, findet vom Norden bis ins Dreiländereck reichlich Auswahl. Einige Empfehlungen:

Naturpark Geschriebenstein-Írottkő: Mehr als 500 Kilometer markierte Wanderwege, ein barrierefreier Baumwipfelweg in Althodis, die 31 Meter hohe Margarethenwarte in Lockenhaus und die seit 2022 eröffneten Burgenland Trails mit über 40 Kilometern für Mountainbiker.

Naturpark Rosalia-Kogelberg: Der Eulenweg und der „Rundgang Teichwiesen” mit 11 barrierefreien Erlebnisstationen rund um die alten Streuobstwiesen am Kogelberg. 

Naturpark Landseer Berge: Eine waldreiche Kulturlandschaft mit der Burgruine Landsee, deren Mauern bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. 

Naturpark in der Weinidylle: Lichte Hutweiden, alte Eichenhaine und Auwälder, dazu der 52 Kilometer lange Weitwanderweg von Badersdorf bis nach Güssing Naturpark Raab-Örség-Goričko – Im Dreiländereck zu Ungarn und Slowenien, mit den unberührten Flusslandschaften an Lafnitz und Raab.

Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel: Steppe statt Wald, dafür Schilfgürtel, rund 30 Salzlacken und ein Hotspot des europäisch-afrikanischen Vogelzuges. 

Besondere Herausforderungen für den Wald im Burgenland

 

Der burgenländische Wald steht im Klimawandel vor besonders großen Herausforderungen. Der Osten Österreichs wird seit Jahren spürbar trockener, im nördlichen Burgenland verstärken anhaltende Niederschlagsdefizite den Druck auf den Wald. GeoSphere Austria zählt das Burgenland regelmäßig zu den heißesten und trockensten Regionen Österreichs.

Die Fichte ist auf den meisten burgenländischen Standorten am Limit. Trockenstress und Borkenkäfer setzen ihr massiv zu, das Schadholz nimmt zu. 

Eine spezifisch burgenländische Herausforderung liegt in der ungleichen Waldverteilung: Während die Waldfläche im Mittel- und Südburgenland kontinuierlich zunimmt, gibt es im nördlichen Burgenland kaum Veränderungen. Gerade dort, wo der Wald wichtige Wohlfahrtswirkungen für die Bevölkerung erfüllen könnte, bleibt seine Fläche gering. 

Die Antwort darauf: aktive, nachhaltige Waldbewirtschaftung und der konsequente Umbau hin zum klimafitten Mischwald. Der Burgenländische Waldverband begleitet Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer auf diesem Weg, Förderungen aus dem Waldfonds des Bundes unterstützen Aufforstung und Bestandesumbau.

© 2026 Adobe Stock, pwmotion

© 2026, Stock Adobe, ste21

Schon gewusst?

Der Seewinkel war nicht immer Steppe

 

Der heute waldarme Norden des Burgenlandes war nicht immer so offen. Im Seewinkel standen einst ausgedehnte Eichenwälder. Durch jahrhundertelange Nutzung – bereits seit der Römerzeit, etwa für den Holzbedarf der nahegelegenen Provinzhauptstadt Carnuntum – wurden diese Wälder großflächig zurückgedrängt.

Erst im Zusammenspiel mit Klima, Boden und Nutzung entstand die typische offene Pusztalandschaft rund um den Neusiedler See.

Zum Weiterlesen

Zum Nachlesen

Rechte & Produktion

© 2021 waldgeschichten.com  –  Die österreichischen Familienwaldbetriebe & Österreichischer Forstverein  –  Unterstützt durch den Holzinformationsfonds der Landwirtschafskammer Österreich.

Redaktion

Wir haben sorgfältig recherchiert und Informationen zusammengetragen. Wenn ihnen dennoch etwas auffällt, was sie ändern würden oder etwas zu ergänzen wäre, bitten wir sie, Kontakt mit uns aufzunehmen. Wir freuen uns über ihre Rückmeldung und Anregungen.

redaktion@waldgeschichten.com

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von ihnen, wenn sie auf unsere Website zurückkehren, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für sie am interessantesten und nützlichsten sind.