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Wien ist eine Waldstadt: Rund 8.650 Hektar Wald bedecken etwa 20 Prozent des Gemeindegebiets – ein für eine Millionenmetropole bemerkenswerter Anteil, auch wenn Wien im Bundesländervergleich den niedrigsten Waldanteil Österreichs hat.
Der Wienerwald reicht als östlicher Ausläufer der Nordalpen bis tief ins Stadtgebiet. Eichen-Hainbuchen-, Buchen-Tannen- und Rotbuchenwälder prägen den sanft hügeligen Flysch-Wienerwald und machen den Großteil der Wiener Waldflächen aus.
Im Osten liegt mit der Lobau eine völlig andere Waldlandschaft: ein dichter Auwald an der Donau, Teil des Nationalpark Donau-Auen. Darüber hinaus bewirtschaftet Wien im Rax-, Schneeberg- und Hochschwabgebiet rund 33.500 Hektar Quellenschutzwälder, die das Trinkwasser der Stadt sichern.
Quellen: Stadt Wien, Forstamt Wien, Klimafitter Wald
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Der Wienerwald – ein Biosphärenpark am Stadtrand
Der Wienerwald erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von rund 135.000 Hektar westlich von Wien. Etwa 90 Prozent liegen in Niederösterreich, 10 Prozent in Wien. Seit 2005 ist der gesamte Wienerwald von der UNESCO als Biosphärenpark anerkannt. Eine Weltstadt, die zum Teil in einem Biosphärenpark liegt, das ist international einzigartig.
Im Biosphärenpark wurden bemerkenswerte 33 unterschiedliche Waldtypen kartiert. Buchenwälder, wie sie in Mitteleuropa in dieser Ausdehnung kaum noch zu finden sind, prägen große Teile des Wienerwalds. Auf mäßig sauren Böden mischen sich Elsbeere und Eiche zu den charakteristischen Elsbeer-Eichenwäldern. An besonders trockenen und warmen Standorten im Karbonat-Wienerwald stehen Flaumeichenwälder mit ihren knorrigen Bäumen – hier erreicht die Flaumeiche eines ihrer nördlichsten Vorkommen in Europa und teilt sich den Lebensraum mit Smaragdeidechse und Segelfalter.
In Wien liegen 300 Hektar Wald in 9 Kernzonen des Biosphärenparks, in denen sich der Wald ohne menschlichen Einfluss entwickeln darf. Im gesamten Wienerwald sind es 37 Kernzonen mit über 5.000 Hektar. Zusätzlich besitzt die Stadt Wien acht Naturwaldreservate mit einer Gesamtfläche von 180 Hektar.
Der Lainzer Tiergarten – Wildnis hinter Mauern
Mitten im Wienerwald liegt der Lainzer Tiergarten: ein 2.450 Hektar großes Naturschutzgebiet, umschlossen von einer rund 22 Kilometer langen historischen Mauer. 1.945 Hektar davon sind Waldfläche. Das einstige Jagdrevier der Habsburger ist heute ein ökologisch bedeutendes Gebiet und zugleich ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Wiener Bevölkerung.
Der Lainzer Tiergarten beherbergt einige der ältesten Buchen und Eichen im Wienerwald. Einige Stammumfänge sind bis zu vier Meter dick. Im Naturwaldreservat Johannser Kogel stehen Überreste eines rund 400 Jahre alten Eichenbestands. Der Johannser Kogel ist als Kernzone ein „Urwald von morgen”, in dem sich die Natur ohne menschlichen Einfluss entwickelt.
Die Artenvielfalt auf dem Areal ist bemerkenswert: Wildschweine, Rothirsche, Damhirsche, Rehe und Mufflons leben frei im Tiergarten. Über 94 Vogelarten wurden nachgewiesen, darunter selten gewordene Arten wie Weißrückenspecht, Halsbandschnäpper und Schwarzspecht. Von den 29 in Österreich heimischen Fledermausarten finden allein im Lainzer Tiergarten 18 ihren Lebensraum. Der gesamte Tiergarten ist als Natura-2000-Gebiet und seit 2008 als Europaschutzgebiet geschützt.
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Die Lobau – ein Nationalpark in der Großstadt
Im Osten Wiens liegt die Lobau, der Wiener Teil des Nationalparks Donau-Auen. Sie umfasst rund 2.300 Hektar und macht fast ein Viertel der Gesamtfläche des 9.600 Hektar großen Nationalparks aus, der sich von Wien bis zur slowakischen Grenze bei Bratislava erstreckt. Es ist die letzte große, weitgehend intakte Flussauenlandschaft Mitteleuropas und Wien ist eine der wenigen Großstädte weltweit, die einen Nationalpark innerhalb ihrer Grenzen hat.
Die Donau ist die Lebensader des Nationalparks. Auf rund 36 Kilometern freier Fließstrecke gestaltet sie mit Pegelschwankungen von bis zu sieben Metern die Auenlandschaft immer wieder neu: durchströmte Seitenarme, verlandende Altarme, Schotterbänke, dschungelartige Auwälder und steppenähnliche Heißländen mit Orchideen und Federgras wechseln einander ab.
Die Biodiversität ist außerordentlich: Mehr als 800 Arten höherer Pflanzen, über 30 Säugetier- und 100 Brutvogelarten, 8 Reptilien- und 13 Amphibienarten sowie rund 60 Fischarten finden hier Lebensraum. Der Nationalpark beherbergt das größte österreichische Brutvorkommen des Eisvogels, eine Population der vom Aussterben bedrohten Europäischen Sumpfschildkröte und den lange verschollen geglaubten Hundsfisch, der 1992 im Nationalparkgebiet wiederentdeckt wurde.
Bild: In der Lobau, dem “Wasserwald” im Osten Wiens
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Die Quellenschutzwälder – Wiens Wald weit vor den Toren der Stadt
Wiens Wald endet nicht an der Stadtgrenze. Der Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien (MA 49) bewirtschaftet im Rax- und Schneeberggebiet sowie im Hochschwabmassiv eine Gesamtfläche von rund 33.500 Hektar Wald, Almen, Wiesen und Gewässern. Diese Quellenschutzwälder sichern das Trinkwasser, das über zwei Hochquellenleitungen nach Wien gelangt; es ist berühmt für seine Qualität und seinen Geschmack.
Die Bewirtschaftung folgt strengen Grundsätzen, die Wohlfahrtswirkung – insbesondere die Trinkwasserbereitstellung steht im Mittelpunkt: keine Kahlschläge, nur kleinflächige Eingriffe, vollständiger Verzicht auf chemische Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel. Seltene und ökologisch wertvolle Baumarten werden gezielt gefördert, die Naturverjüngung steht im Vordergrund. Alle Nutzungen – Waldwirtschaft, Tourismus, Jagd und Fischerei – werden auf den Quellenschutz abgestimmt.
Rund vier Fünftel der gesamten Verwaltungsfläche des Wiener Forstamts liegen in diesen Quellenschutzgebieten in Niederösterreich und der Steiermark. Die Stadt Wien ist damit einer der größten Waldbesitzer Österreichs – und ihr Waldbesitz reicht von den Auwäldern der Donau bis in subalpine Höhen von über 2.000 Metern auf dem Schneeberg.
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Wem gehört der Wiener Wald?
Wien ist das Bundesland mit dem höchsten Anteil an öffentlichem Wald in ganz Österreich. Rund 84 Prozent der Waldfläche sind in öffentlicher Hand – das genaue Gegenteil zum österreichischen Durchschnitt, wo rund 80 Prozent Privatwald sind. Die Gemeinde Wien besitzt über 70 Prozent des Waldareals innerhalb des Stadtgebiets, zweitgrößter Waldbesitzer sind die Österreichischen Bundesforste. Nur rund 16 Prozent des Wiener Waldes befinden sich in Privatbesitz.
Dieser hohe Anteil an öffentlichem Wald hat historische Gründe: Der Gemeinderatsbeschluss von 1905 zum Schutz des Wald- und Wiesengürtels führte zum planmäßigen Ankauf von Grünflächen durch die Stadt. Schon davor hatte der Reichsratsabgeordnete Josef Schöffel zwischen 1870 und 1872 große Teile des Wienerwalds vor der Abholzung als vermeintlich „unrentablen Staatsbetrieb” bewahrt – eine der frühesten Naturschutzbewegungen Österreichs.
Besondere Herausforderungen für den Wald in Wien
Wiens Wälder stehen vor spezifischen Herausforderungen, die sich deutlich von jenen der anderen Bundesländer unterscheiden. Als grüne Lunge einer wachsenden Millionenstadt steht der Wienerwald unter erheblichem Nutzungsdruck: Allein den Lainzer Tiergarten besuchen jährlich rund 800.000 Menschen, die Lobau wird als Naherholungsraum intensiv genutzt. Die Balance zwischen Naturschutz und Erholungsbedürfnis ist eine Daueraufgabe.
Der Klimawandel trifft den Wiener Wald mit besonderer Wucht. Der Wienerwald trägt dazu bei, die Temperaturen in der Stadt um bis zu sechs Grad zu senken, doch gleichzeitig geraten einzelne Baumarten unter Druck. Die Fichte, die natürlich nur im westlichen Wienerwald beigemischt vorkommt, verträgt Trockenheit und höhere Temperaturen schlecht und wird anfälliger für Borkenkäferbefall. Stürme, Neobiota und das Eschentriebsterben setzen dem Wald zusätzlich zu.
Zugleich zeigt Wien, dass Großstadt und Wald kein Widerspruch sein müssen: Die Stadt investiert seit über einem Jahrhundert konsequent in den Erhalt und die Erweiterung ihres Grüngürtels. Die Wiener Wald- und Wiesen-Charta setzt auf kahlschlagfreie Bewirtschaftung, natürliche Verjüngung, ein Verbot von Pestiziden und gezieltes Wildtiermanagement. Zehn Prozent der gesamten Waldfläche werden außer Nutzung gestellt, im bewirtschafteten Wald werden pro Hektar mindestens fünf Biotopbäume belassen. Der Weg zu einem klimafitten Stadtwald führt über mehr Laubbäume, mehr Vielfalt und mehr Geduld.
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Ausflugsziel Wienerwald
Wer den Wiener Wald erleben will, findet ein breites Angebot – und erreicht fast alles mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Einige Empfehlungen:
- Lainzer Tiergarten: 2.450 Hektar Naturschutzgebiet mit frei lebenden Wildtieren, dem Naturwaldreservat Johannser Kogel, der Hermesvilla und über 100 Kilometer markierten Wanderwegen.
- Lobau und Nationalpark Donau-Auen: Auwald-Dschungel im 22. Bezirk, mit Nationalparkhaus, Ranger-Touren und dem Wiener NationalparkBoot ab dem Stadtzentrum.
- Stadtwanderwege im Wienerwald: Mehrere markierte Routen durch den Biosphärenpark, etwa über Kahlenberg, Leopoldsberg und Hermannskogel mit Panoramablick auf die Stadt.
- Naturlehrpfad Kaiserbrunn: In den Quellenschutzwäldern am Schneeberg, mit Führungen zur Geschichte der Wiener Wasserversorgung.
- Wiener Waldschule in der Lobau: Waldpädagogische Einrichtung der MA 49 mit Programmen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Bild: Wanderweg im Helenental Richtung Rauheneck
Schon gewusst?
Wiens Wälder: 42.000 Hektar vom Auwald bis ins Hochgebirge
Wien besitzt mehr Wald, als man auf den ersten Blick vermutet. Zählt man die Quellenschutzwälder im Rax-, Schneeberg- und Hochschwabgebiet zu den Waldflächen innerhalb des Stadtgebiets hinzu, bewirtschaftet die Gemeinde Wien rund 42.000 Hektar Wald. Diese Fläche ist größer als die Bundeshauptstadt selbst. Vom Auwald in der Lobau über den Biosphärenpark Wienerwald bis in hochalpine Lagen am Schneeberg auf über 2.000 Meter Seehöhe erstreckt sich damit ein außergewöhnlich vielfältiger Waldbesitz.
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