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Oberösterreich ist ein Waldland: 501.000 Hektar Wald bedecken fast 42 Prozent der Landesfläche und machen den Wald damit zur dominierenden Landnutzungsform des Bundeslandes.
Was den oberösterreichischen Wald so besonders macht, ist seine Vielfalt auf vergleichsweise engem Raum. Im Norden, im Mühlviertel und im Böhmerwald, stehen tiefe Fichtenwälder auf Granit- und Gneisböden, durchzogen von Mooren, naturbelassenen Bachläufen und den charakteristischen Wollsackfelsen. Im Alpenvorland prägen Buchen- und Mischwälder die sanft hügelige Landschaft, und im Süden, in den Kalkalpen, wachsen Fichten-Tannen-Buchenwälder an steilen Felswänden und in tief eingeschnittenen Schluchten empor – bis hinauf in subalpine Höhen.
Quellen: Land Oberösterreich, naturschauspiel.at, Land Oberösterreich
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Österreichs größte Waldwildnis
Im Südosten des Landes liegt der Nationalpark Kalkalpen und damit Österreichs größtes zusammenhängendes Waldgebiet. Auf einer Fläche von 20.856 Hektar schützt er das Reichraminger Hintergebirge und das Sengsengebirge. Vier Fünftel der Nationalparkfläche sind bewaldet, rund 30 verschiedene Waldgesellschaften kommen vor, dominiert vom Fichten-Tannen-Buchenwald.
Die alten Buchenwälder des Nationalparks – rund 5.250 Hektar – zählen seit 2017 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Sie repräsentieren gemeinsam mit dem Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal die Buchenverbreitung im alpinen Raum und stehen damit auf einer Stufe mit den bedeutendsten Naturschutzgebieten der Welt.
In dieser Waldwildnis lebt die einzige Luchspopulation der österreichischen Alpen. Seit dem Jahr 2000 werden regelmäßig Luchse im Nationalpark nachgewiesen, seit 2012 gibt es erstmals seit über 150 Jahren wieder Luchsjunge in der Nationalparkregion. Mehr als 10.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten finden hier ihren Lebensraum, darunter Alpenbockkäfer, Weißrückenspecht, Schwarzstorch und die donaustämmige Urforelle. Über 200 Kilometer unverbaute Bachläufe und rund 800 Quellen unterstreichen die ökologische Bedeutung dieses Gebiets.
Foto: Luchs
Der Böhmerwald – grenzüberschreitendes Waldgebiet im Norden
Im Norden Oberösterreichs hat das Bundesland Anteil am Böhmerwald, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Mitteleuropas. Es erstreckt sich sich über die Grenzen von Österreich, Deutschland und Tschechien.
Das Europaschutzgebiet „Böhmerwald und Mühltäler” im Bezirk Rohrbach umfasst 9.350 Hektar und schützt Lebensräume von gesamteuropäischem Interesse: Hochmoore, Moorwälder, naturnahe Bachläufe und seltene Arten wie den Böhmischen Enzian und den Luchs.
In den höheren Lagen dominieren Fichtenbestände, in tieferen Gebieten kommen Mischwälder aus Buchen, Tannen und Ahorn vor. Die Region ist auch eines der wichtigsten Luchsgebiete im nördlichen Oberösterreich – mit regelmäßiger Reproduktion und grenzüberschreitendem Austausch mit den Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava.
Weitere Quelle: naturschauspiel.at,Foto: Böhmerwald
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Die Bedeutung des Waldes in Oberösterreich
Rund 70.000 Menschen in Oberösterreich leben direkt oder indirekt vom Wald – beschäftigt in der Forstwirtschaft, der Sägeindustrie, der Plattenindustrie, der Papier- und Zellstoffproduktion, in Tischlereien und Zimmereibetrieben. Die jährliche Wertschöpfung der Forst- und Holzwirtschaft allein in Oberösterreich beträgt rund 1,1 Milliarden Euro.
Die Zahlen der Holzwirtschaft belegen den Stellenwert: 270 Sägewerke, 1.700 Tischlerbetriebe, 330 Zimmermeister und 80 holzverarbeitende Industriebetriebe verarbeiten den Rohstoff Holz im Land. Die Sägeindustrie allein setzt jährlich rund 3,3 Millionen Festmeter Rundholz um.
Dabei wächst der Wald trotz intensiver Nutzung: Jedes Jahr kommen in Oberösterreich rund 4,7 Millionen Festmeter Holz dazu, geerntet werden nur 3,9 Millionen. Der Gesamtholzvorrat beträgt lt. Waldverband Oberösterreich 163 Millionen Festmeter.
Quellen: Waldverband Oberösterreich, Land Oberösterreich
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Wem gehört der oberösterreichische Wald?
Fast drei Viertel der Waldfläche Oberösterreichs sind in Privatbesitz. Mehr als 30.000 Waldbesitzer:innen bewirtschaften ihren Wald in unterschiedlicher Intensität, mehr als die Hälfte des Waldes wird von Kleinwaldbesitzenden bewirtschaftet.
Im oberösterreichischen Kleinwald werden laut Waldverband allerdings nur rund 70 Prozent des zuwachsenden Holzes genutzt – ein ungenutztes Potenzial, das auch mit dem Strukturwandel im ländlichen Raum zusammenhängt. Denn mit der sinkenden Zahl landwirtschaftlicher Betriebe wächst die Gruppe der sogenannten „hoffernen” Waldbesitzenden, die oft keinen beruflichen Bezug mehr zur Forstwirtschaft haben.
Quellen: Waldverband Oberösterreich, waldwissen.net, Foto: Mondsee, umgeben von Wäldern
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Den Wald in Oberösterreich kennenlernen
Wer den oberösterreichischen Wald erleben will, hat unzählige Möglichkeiten. Einige Empfehlungen:
Nationalpark Kalkalpen: Österreichs größte Waldwildnis, mit Ranger-Touren, WildnisCamp und UNESCO-Weltnaturerbe-Wäldern.
Baumkronenweg Kopfing: Einer der längsten Baumkronenwege der Welt, über 1.000 Meter Holzkonstruktion durch die Wipfel des Sauwaldes im Innviertel.
Weg der Entschleunigung: Böhmerwald und Mühlviertel – grenzüberschreitendes Wandern auf 165 km zwischen Österreich, Tschechien und Deutschland.
Hintergebirgsradweg: Auf der Trasse der alten Waldbahn, knapp 30 Kilometer durch Tunnels, Täler und Schluchten im Nationalpark.
Naturlehrpfad Donauschlinge: Entlang der Schlögener Schlinge führt zwischen Au und Grafenau ein Naturlehrpfad durch die unberührte Donauleitn; mit Einblicken in Wald, Natur, Fauna und Flora.
Foto: Aussichtspunkt Schlögener Schlinge im oberen Donautal in Oberösterreich
Besondere Herausforderungen für den Wald in Oberösterreich
Oberösterreichs Wälder stehen vor mehrfachen Herausforderungen. Im Jahr 2024 waren rund 1,4 Millionen Erntefestmeter des Holzeinschlags Schadholz. Das entspricht etwa 45 Prozent. Den größten Anteil verursachten Sturm und Schnee (0,76 Mio. Efm), gefolgt vom Borkenkäfer (0,43 Mio. Efm). Die Borkenkäfersituation hat sich seit 2025 im Vergleich zu den großen Kalamitätsjahren zwar entspannt, die Fangzahlen im Monitoring bleiben aber auf hohem Niveau.
Eine spezifisch oberösterreichische Herausforderung liegt in der ungleichen Verteilung der Waldfläche: Während die Waldfläche im ohnehin waldreichen oberen Mühlviertel und im Süden weiter zunimmt, stagniert sie im dicht besiedelten Zentralraum; in einzelnen Bezirken rund um Linz ist sie sogar rückläufig. Gerade dort, wo der Wald wichtige Wohlfahrtswirkungen für die Bevölkerung erfüllt, fehlt es an Fläche. Von einem generellen „Verwaldungsproblem” kann in Oberösterreich daher keine Rede sein.
15 Prozent des oberösterreichischen Waldes sind Schutzwald und erfordern besondere Pflege, damit die Schutzfunktion gegen Steinschlag, Muren, Lawinen und Hochwasser erhalten bleibt.
Zugleich gilt: Eine aktive, nachhaltige Waldbewirtschaftung und die konsequente Wiederbewaldung von Schadflächen mit klimafitten Baumarten sind die wirksamsten Antworten auf diese Entwicklungen. Der Trend geht auch in Oberösterreich zu mehr Laub- und Mischwäldern – ein Wald der Zukunft, der stabiler und widerstandsfähiger ist.
Quellen: Land Oberösterreich, Foto: Hallstätter See
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Schon gewusst?
Oberösterreich beherbergt die älteste Buche Österreichs
In den Wäldern des Nationalparks Kalkalpen steht eine der ältesten bisher dokumentierten Buchen des Landes: mit einem Alter von über 550 Jahren. Dieser Baum ist damit ein lebendiges Zeugnis jener Urwälder, die es in Europa kaum noch gibt.
Foto: Symbolbild
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