© 2026 BIOSA

Holzernte und Biodiversität

Maßnahmen für einen stabilen, klimafitten Wald

  • Waldbesitzer:innen
  • Waldarbeiter:innen

© 2026 Adobe Stock, Diego Cano Cabanes

Waldbiodiversität aktiv erhalten und fördern

 

Die Holzernte bietet konkrete Möglichkeiten, Waldbiodiversität aktiv zu erhalten und zu fördern. Durch standortangepasste Baumartenwahl, Strukturvielfalt, Totholzmanagement und den Erhalt von Habitatbäumen lassen sich ökologische Stabilität und wirtschaftliche Nutzung verbinden.

 

Wald in Österreich – die wichtigsten Fakten

 

  • Wälder bedecken in Österreich rund 4 Millionen Hektar bzw. 47,9 % der Landesfläche.
  • Etwa 81 % der Waldflächen sind in Privatbesitz, überwiegend Kleinwald unter 200 Hektar.
  • Biodiversität umfasst genetische Vielfalt, Artenvielfalt und Ökosystemvielfalt.
  • Österreichs Wälder beherbergen rund 67.000 Arten.
  • Strukturvielfalt ist eine zentrale Voraussetzung für stabile und resiliente Wälder, insbesondere im Klimawandel.
  • Eine Mischung aus 2 bis 5 standortangepassten Baumarten gilt in der Praxis meist als sinnvoll.
  • Totholz und Habitatbäume sind zentrale Elemente zur Förderung der Waldbiodiversität.

 

Titelbild: Markierung eines Habitatbaums

Warum ist Biodiversität bei der Holzernte wichtig?

 

Waldbiodiversität ist ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Waldbewirtschaftung und erhöht die Widerstandsfähigkeit von Wäldern gegenüber Klimawandel, Schädlingen und Extremereignissen.

In Österreich bedecken Wälder rund 4 Millionen Hektar bzw. 47,9 % der Landesfläche. Etwa 81 % der Waldflächen sind in Privatbesitz, überwiegend Kleinwald unter 200 Hektar. Damit liegt ein Großteil der Verantwortung für Biodiversität bei Waldeigentümer:innen und Waldbewirtschafter:innen.

Fakt: Waldbiodiversität kann bei jeder waldbaulichen Maßnahme berücksichtigt werden, vor allem bei der Holzernte.

© 2026 Adobe Stock, Milan

© 2026 Adobe Stock, Cometicon

Was bedeutet Waldbiodiversität konkret?

 

Waldbiodiversität umfasst drei Ebenen:

 

Österreichs Wälder weisen eine hohe Vielfalt auf:

  • 125 Waldgesellschaften
  • 93 Waldbiotoptypen
  • 65 Baumarten
  • Rund 67.000 Arten insgesamt

Entscheidend ist nicht nur die Artenzahl, sondern die Strukturvielfalt, also ein Mosaik aus unterschiedlichen Altersstufen, Baumarten und Lebensräumen.

Quelle: BIOSA Biosphäre Austria

Foto: Der Rotköpfige Schleimpilz lebt auf morschem Totholz, abgestorbenen Ästen und alten Stümpfen. Er zersetzt organisches Material und schließt damit den Nährstoffkreislauf. Gleichzeitig ist er selbst Nahrung für spezialisierte Käferarten, Milben und Springschwänze.

Wie kann die Holzernte Biodiversität fördern?

 

Die Holzernte ist ein gezielter Eingriff in den Bestand und damit ein zentraler Hebel für Biodiversität.

 

Das Grundprinzip:

Einfache, bewusst gesetzte Maßnahmen ermöglichen es, die Waldbiodiversität zu erhalten und gleichzeitig Holz nachhaltig zu nutzen.

© 2026 Adobe Stock, Green Ice

© 2026 Adobe Stock, Robert Kneschke

Maßnahmen für die Biodiversität bei der Holzernte

 

Der Leitfaden beschreibt 14 Maßnahmen zur Förderung der Waldbiodiversität. Viele davon, beispielsweise Strukturvielfalt, standortangepasste Baumartenwahl, Totholzmanagement und der Erhalt von Habitatbäumen. Diese Maßnahmen lassen sich direkt bei der Holzernte umsetzen. Andere, wie die Gestaltung der Landschaftsstruktur oder das Monitoring, wirken teils auf größerer Ebene und erfordern überbetriebliche Abstimmung. Die folgende Einordnung übersetzt diese Maßnahmen in die praktische Umsetzung auf Betriebsebene.

 

Der Leitfaden fasst 14 Maßnahmen zusammen.

 

1. Strukturvielfalt schaffen: Durch Nutzung, Lichtsteuerung, Mischung, z. B. Femellöcher, ungleichaltrige Bestände.

2. Standortangepasste Baumartenwahl: Entscheidung bei Verjüngung und Pflege, entscheidend für Stabilität.

3. Totholz fördern: Bewusst liegen lassen, stehendes und liegendes Totholz.

4. Habitatstrukturen fördern: Kleinstrukturen aktiv erhalten, Asthaufen, Feuchtstellen, Wurzelteller.

5. Baumartenvielfalt erhöhen: Mischung aktiv steuern, seltene Arten nicht entfernen.

6. Habitatbäume sichern: Höhlenbäume und Veteranen markieren und stehen lassen.

7. Räumliche Strukturvielfalt auf Landschaftsebene: Vielfältiges Landschaftsmosaik schaffen – über den Einzelbestand hinaus, nachhaltig genutzte Strukturen vernetzen.

8. Unterwuchs gezielt regulieren: Konkurrenzvegetation einzelstammweise entnehmen; unterwuchsarme Bereiche für z. B. Fledermäuse belassen.

9. Prozessschutz-Flächen einrichten: Bewusst Flächen nicht nutzen, kleine Bereiche aus der Nutzung nehmen.

10. Alte Bestände fördern: Umtriebszeiten anpassen, Altbäume bewusst erhalten.

11. Ungleichaltrige Bestände fördern: Durch Nutzung steuern, Dauerwald-Prinzipien.

12. Fragmentierung vermeiden: Hängt stark von Infrastruktur, Raumplanung ab, z. B. Straßen, Siedlungen.

13. Habitatmanagement für Arten: Gezielt Strukturen erhalten, z. B. für Auerwild, Spechte etc.

14. Monitoring: Systematische Erfassung von Arten und Strukturen, oft durch Forschung, Behörden oder Programme.

Warum ist die Baumartenwahl so entscheidend? – Und was ist ein Vorwald?

 

Die Baumartenwahl beeinflusst langfristig Stabilität, Ertrag und Risiko.

Eine standortangepasste Auswahl berücksichtigt:

  • Klima (Temperatur, Niederschlag, Frost)
  • Boden (Nährstoffe, Feuchte, pH-Wert)
  • Lage (Höhenstufe, Exposition)

Fakt: Die falsche Baumartenwahl führt zu Vitalitätsverlusten, höherem Schädlingsrisiko und instabilen Beständen.

 

Welche Rolle spielen Pionierbaumarten?

 

Pionierbaumarten sind Erstbesiedler nach Störungen wie Sturm oder Nutzung.

Typische Eigenschaften:

  • Schnelles Wachstum
  • Hohe Samenproduktion
  • Geringe Standortansprüche

 

Funktion im Wald:

  • Stabilisierung offener Flächen
  • Verbesserung von Boden und Mikroklima
  • Vorbereitung für nachfolgende Baumarten

Fakt: Pionierbaumarten sind essenziell für natürliche Waldverjüngung.

 

Warum sind seltene Baumarten wichtig?

 

Seltene Baumarten sind oft durch Nutzung oder Standortveränderungen zurückgegangen.

Bedeutung:

  • Sie erhöhen die genetische Vielfalt.
  • Sie schaffen spezialisierte Lebensräume.
  • Sie stabilisieren das Ökosystem langfristig.

 

 

Was ist ein Vorwald – und wann ist er sinnvoll?

 

Der Vorwald ist ein waldbauliches Verfahren, bei dem Pionierbaumarten gezielt eingesetzt werden.

Ziel:

  • Schutz empfindlicher Hauptbaumarten
  • Verbesserung von Boden und Mikroklima

 

Vorteile:

  • Schutz vor Frost und Austrocknung
  • Bessere Etablierung nachfolgender Baumarten
  • Förderung der natürlichen Verjüngung

© 2026 Adobe Stock, Birute

© 2026 Adobe Stock, fotobox

Zusammengefasst: Holzernte und Biodiversität zusammen denken

 

Die Holzernte ist kein Widerspruch zur Biodiversität, sondern ein zentrales Instrument zu ihrer Förderung.

  • Strukturvielfalt erhöht die Stabilität.
  • Standortangepasste Baumarten reduzieren Risiken.
  • Totholz und Habitatbäume sichern Lebensräume.
  • Einfache Maßnahmen haben große Wirkung.

Wer Biodiversität bei der Holzernte systematisch mitdenkt, schafft stabile klimafitte Wälder und sichert gleichzeitig die nachhaltige Nutzung des Rohstoffs Holz.

Häufig gestellte Fragen zur Waldbiodiversität

Wie kann man Biodiversität bei der Holzernte fördern?

Biodiversität wird durch Maßnahmen wie Strukturvielfalt, standortangepasste Baumartenwahl, Totholzmanagement und den Erhalt von Habitatbäumen gefördert.

Welche Maßnahmen kann ich ohne großen Mehraufwand umsetzen?

Viele Maßnahmen lassen sich ohne zusätzlichen Aufwand integrieren, etwa das Stehenlassen einzelner Alt- und Habitatbäume, das Belassen von Schlagabraum oder die Anpassung von Rückegassen.

Schadet Biodiversität der Holzproduktion?

Nein. Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität können die Stabilität und Resilienz von Wäldern erhöhen und damit langfristig auch die Holznutzung absichern.

Wie viel Totholz sollte im Wald verbleiben?

Ein fixer Wert ist nicht vorgegeben. Entscheidend ist, sowohl stehendes als auch liegendes Totholz in unterschiedlichen Dimensionen und Zersetzungsstadien im Bestand zu belassen, sofern keine Sicherheitsrisiken bestehen.

Wie erkenne ich einen Habitatbaum?

Habitatbäume sind an Merkmalen wie Höhlen, Rissen, abgestorbenen Ästen, Pilzbefall oder Spechtspuren erkennbar. Auch besonders alte oder ungewöhnlich gewachsene Bäume zählen dazu und können im Bestand erhalten bleiben.

Welche Fehler sollte ich bei der Holzernte vermeiden?

Zu den häufigsten Fehlern zählen das vollständige Entfernen von Totholz, das Fördern von Monokulturen, das Befahren nasser Böden sowie das Entfernen ökologisch wertvoller Einzelbäume.

Was bringt Biodiversität im Wald?

Biodiversität erhöht die Stabilität von Wäldern gegenüber Klimawandel, Schädlingen und Extremereignissen und sichert langfristig die Waldfunktionen.

Was sind Habitatbäume?

Habitatbäume sind alte oder strukturreiche Bäume, die Lebensräume für Tiere bieten und deshalb im Wald erhalten bleiben sollen.

Wie viele Baumarten sind im Wald sinnvoll?

Eine Mischung aus 2 bis 5 standortangepassten Baumarten ist in der Praxis meist optimal und erhöht die Stabilität des Bestandes.

Welche Rolle spielen Pionierbaumarten?

Pionierbaumarten besiedeln offene Flächen schnell, verbessern den Boden und schaffen Bedingungen für nachfolgende Baumarten.

Was ist der Unterschied zwischen Strukturvielfalt und Baumartenvielfalt?

Baumartenvielfalt beschreibt die Mischung verschiedener Baumarten im Bestand. Strukturvielfalt meint zusätzlich die unterschiedliche Alters-, Höhen- und Raumstruktur des Waldes und ist entscheidend für vielfältige Lebensräume.

Warum ist Totholz im Wald wichtig?

Totholz ist Lebensraum für zahlreiche Arten und unterstützt Nährstoffkreisläufe im Waldökosystem.

Was bedeutet standortangepasste Baumartenwahl?

Standortangepasste Baumarten sind an Klima, Boden und Standortbedingungen angepasst und sorgen für stabile, gesunde Wälder.

Zum Weiterlesen

Zum Nachlesen

Rechte & Produktion

© 2024 Die österreichischen Familienwaldbetriebe & Österreichischer Forstverein – Unterstützt durch den Holzinformationsfonds der Landwirtschaftskammer Österreich

Redaktion

Wir haben sorgfältig recherchiert und Informationen zusammengetragen. Wenn ihnen dennoch etwas auffällt, was sie ändern würden oder etwas zu ergänzen wäre, bitten wir sie, Kontakt mit uns aufzunehmen. Wir freuen uns über ihre Rückmeldung und Anregungen.

redaktion@waldgeschichten.com

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von ihnen, wenn sie auf unsere Website zurückkehren, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für sie am interessantesten und nützlichsten sind.