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Schutzwaldpolitik Österreich

7 Schwerpunkte bis 2030

  • Waldbesitzer:innen
  • Waldarbeiter:innen

Rund 42 Prozent der österreichischen Waldfläche haben eine Schutzfunktion. Doch Klimawandel, Extremwetter, Schädlinge und fehlende Verjüngung setzen vielen Beständen zu. Mit der neuen strategischen Ausrichtung bis 2030 legt das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft fest, welche Bereiche der österreichischen Schutzwaldpolitik künftig Vorrang haben sollen.

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Das Wichtigste in Kürze

 

  • Wie viel Schutzwald gibt es in Österreich? Rund 1,6 Millionen Hektar oder 42 Prozent der gesamten Waldfläche haben eine Schutzfunktion.
  • Warum ist der Schutzwald wichtig? Er schützt Menschen, Siedlungen und Infrastruktur vor Naturgefahren und bewahrt gefährdete Waldstandorte vor Erosion und Bodenverlust.
  • Was ist neu? Die neue Broschüre „Schutzwaldpolitik in Österreich – Strategische Ausrichtung bis 2030“ bündelt sieben Handlungsschwerpunkte für die kommenden Jahre.
  • Welche Ziele stehen im Mittelpunkt? Klimafitte und widerstandsfähige Wälder, Digitalisierung und Monitoring, Forschung, Bewusstseinsbildung, tragfähige Finanzierung sowie moderne rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen.

Was ist ein Schutzwald?

 

Ein Schutzwald ist weit mehr als eine Ansammlung von Bäumen an einem steilen Hang. Er kann Menschen, Siedlungen, Verkehrswege und andere Infrastruktur vor Lawinen, Steinschlag, Rutschungen und weiteren Naturgefahren schützen. Zugleich bewahrt er gefährdete Waldstandorte vor Erosion und Bodenverlust.

Das österreichische Forstgesetz unterscheidet zwischen Standortschutzwald und Objektschutzwald. Standortschutzwälder schützen gefährdete Böden und Waldstandorte vor den abtragenden Kräften von Wind, Wasser oder Schwerkraft. Objektschutzwälder schützen Menschen, Siedlungen, Anlagen und bewirtschaftete Flächen vor Elementargefahren und schädlichen Umwelteinflüssen.

Laut der Hinweiskarte Schutzwald haben rund 1,6 Millionen Hektar Wald in Österreich eine Schutzfunktion. Das entspricht 42 Prozent der heimischen Waldfläche. Rund 18 Prozent beziehungsweise 703.000 Hektar sind Wälder mit Objektschutzfunktion.

In Österreich gibt es mehr als 600 Schutzwaldgemeinden. Das sind Gemeinden, in denen über 50 Prozent der Waldflächen eine Schutzfunktion besitzen. Fast jede vierte Österreicherin und jeder vierte Österreicher profitiert vom Schutzwald als grüner, kostengünstiger und nachhaltig wirkender Schutzinfrastruktur gegen Naturgefahren.

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Warum wird die Schutzwaldpolitik in Österreich weiterentwickelt?

 

Das Aktionsprogramm Schutzwald „Wald schützt uns!“ läuft seit 2019. Nach der ersten fünfjährigen Phase von 2019 bis 2024 wurde es umfassend evaluiert. Dabei zeigte sich, dass wichtige Grundlagen geschaffen wurden. Dazu gehören bundesweite Geodaten, neue Forschungsprojekte, die Hinweiskarte Schutzwald und eine stärkere öffentliche Wahrnehmung des Themas.

Gleichzeitig stellte die Evaluierung des Aktionsprogramms Schutzwald weiterhin erheblichen Handlungsbedarf fest. Trockenperioden, Stürme, Starkregen und Borkenkäferbefall gefährden die Stabilität der Wälder. Hinzu kommen regional hoher Wildeinfluss, fehlende Verjüngung, unterschiedliche Nutzungsansprüche und eine Bewirtschaftung, die sich für Waldeigentümer:innen wegen hoher Erschließungs- und Erntekosten häufig kaum rechnet.

An vielen Orten fehlen junge Bäume, während die bestehenden Bestände zunehmend überaltern. Laut Evaluierungsbericht besteht auf fast der Hälfte der Schutzwaldflächen rascher Handlungsbedarf. Die Bundesregierung hat die Fortführung und langfristige Weiterentwicklung des Aktionsprogramms im Regierungsprogramm 2025 bis 2029 verankert. Darauf baut die neue Publikation Schutzwaldpolitik in Österreich – Strategische Ausrichtung bis 2030 auf. Sie wurde vom zuständigen Bundesministerium herausgegeben (Stand Mai 2026).

Welche Schwerpunkte setzt die Schutzwaldpolitik bis 2030?

 

Die neue strategische Ausrichtung nennt sieben Handlungsbereiche, die bis 2030 verfolgt werden sollen.

1. Schutzwälder widerstandsfähiger machen: Eine sogenannte Resilienzoffensive soll stabile, strukturreiche und standortangepasste Waldbestände fördern. Dazu gehören vorbeugende Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen, eine rechtzeitige Verjüngung, die Förderung klimafitter Baumarten und ein aktives Risikomanagement. Ziel sind Schutzwälder, die mit steigenden Temperaturen, Trockenperioden, Extremwetterereignissen und biotischen Schadfaktoren wie Borkenkäferbefall besser zurechtkommen.

2. Digitalisierung und Monitoring ausbauen: Eine verlässliche Datengrundlage soll helfen, Maßnahmen gezielter zu planen, Prioritäten festzulegen und öffentliche Mittel wirksam einzusetzen. Bestehende Informationssysteme wie die Hinweiskarte Schutzwald sollen weiterentwickelt, digitale Werkzeuge ausgebaut und relevante Daten gebündelt zugänglich gemacht werden. Regelmäßige Erhebungen, Risikoanalysen und Erfolgskontrollen sollen Veränderungen frühzeitig sichtbar machen. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Schutzfunktion und Schutzwirkung: Die Hinweiskarte zeigt, wo ein Wald grundsätzlich eine Schutzaufgabe hat. Wie gut er diese Aufgabe tatsächlich erfüllt, hängt unter anderem von seinem Zustand, seiner Struktur und seiner Baumartenzusammensetzung ab.

3. Bedeutung des Schutzwaldes besser vermitteln: Viele Leistungen des Schutzwaldes bleiben unsichtbar, solange nichts passiert. Öffentlichkeitsarbeit, Informationskampagnen, Bildungsangebote und der Dialog mit Gemeinden, Regionen und Interessengruppen sollen deshalb das Bewusstsein für seine Bedeutung stärken.
Eine zentrale Rolle spielen die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer. Ohne ihre Bereitschaft, Schutzwälder zu pflegen, rechtzeitig zu verjüngen und langfristig zu bewirtschaften, können die politischen Ziele nicht erreicht werden.

4. Wissenschaft und Forschung fördern: Wissenschaft und Forschung sollen die Grundlagen für ein zukunftsorientiertes Schutzwaldmanagement liefern. Der Klimawandel verändert Waldökosysteme, Risikodynamiken und Naturgefahren. Deshalb sollen neue Erkenntnisse möglichst unmittelbar in Planung, Bewirtschaftung und politische Entscheidungen einfließen.
Vorgesehen sind unter anderem interdisziplinäre Forschung, praxisnahe Versuche und langfristige Beobachtungsprogramme.

5. Schutzwaldzentrum stärken: Das Schutzwaldzentrum am WALDCAMPUS Österreich in Traunkirchen soll als Drehscheibe für Fachwissen, Beratung und Koordination weiter gestärkt werden. Dort werden Erfahrungen aus Forstpraxis, Verwaltung und Wissenschaft gebündelt und weitergegeben.
Die stärkere institutionelle Verankerung soll den Wissenstransfer verbessern, Innovationen vorantreiben und die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen erleichtern.

6. Bewirtschaftung wirtschaftlich absichern: Schutzwaldpflege ist häufig aufwendig und teuer, während die Holznutzung nur geringe Einnahmen bringt. Öffentliche Mittel sollen deshalb weiterhin zur Pflege, Stabilisierung und klimafitten Entwicklung der Wälder eingesetzt werden.
Gleichzeitig sollen Anreize und Finanzierungsmodelle weiterentwickelt werden, die den Aufwand und die besondere Schutzleistung der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer angemessen berücksichtigen. Ökologische Stabilität und wirtschaftliche Tragfähigkeit sollen dabei miteinander verbunden werden.

Wie bedeutend diese Leistung ist, zeigt das Waldfonds-Forschungsprojekt ÖKO-SCHU-WA: In Gebieten, die von Objektschutzwäldern potenziell geschützt werden, wird eine jährliche Wirtschaftsleistung von rund 14 Milliarden Euro erbracht. Das entspricht 3,4 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Rund 475.000 Menschen haben dort ihren Hauptwohnsitz. Die 14 Milliarden Euro bezeichnen somit nicht den errechneten Geldwert des Schutzwaldes, sondern die Wirtschaftsleistung in dem potenziell durch Objektschutzwälder geschützten Raum.

7. Recht und Zusammenarbeit modernisieren: Bund, Länder, Gemeinden, Forstbehörden, Wildbach- und Lawinenverbauung, Forschung, Grundeigentümer und weitere Beteiligte müssen eng zusammenarbeiten. Klare Zuständigkeiten, transparente Entscheidungsprozesse, effiziente Verfahren und eine bessere sektorübergreifende Koordination sollen Rechtssicherheit schaffen und die Schutzwaldpolitik wirksamer machen. 

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Wie groß ist der Verjüngungsbedarf im Schutzwald?

 

Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Nachwuchs: In Wäldern mit direkter Objektschutzfunktion besteht auf rund 140.000 Hektar Verjüngungsbedarf. Wollte man diese Flächen ausschließlich künstlich verjüngen, wären rechnerisch 210 bis 350 Millionen Forstpflanzen notwendig. Das entspricht ungefähr dem Zehnfachen der derzeitigen jährlichen Pflanzenproduktion Österreichs.

Eine Studie des Bundesforschungszentrums für Wald BfW kommt deshalb zu dem Schluss, dass der Bedarf nicht allein durch Aufforstungen gedeckt werden kann. Entscheidend ist eine Kombination aus geförderter Naturverjüngung und gezielten Pflanzungen auf besonders sensiblen und dringend verjüngungsbedürftigen Flächen.

Damit junge Bäume tatsächlich aufkommen können, müssen auch die Bedingungen stimmen. Dazu gehören unter anderem ausreichend Licht, geeignetes Saatgut und ein Wildbestand, der die Verjüngung nicht durch übermäßigen Verbiss verhindert.

Was bedeutet die neue Schutzwaldstrategie konkret?

 

Die Broschüre legt die strategische Richtung der österreichischen Schutzwaldpolitik bis 2030 fest. Entscheidend wird dabei sein, wie die 7 Schwerpunkte in konkrete Programme, Finanzierungsmodelle und regionale Projekte übersetzt werden. Die Umsetzung kann nur im Zusammenspiel von Bund, Ländern, Gemeinden, Forstbehörden, Wissenschaft, Schutzwaldzentrum und Waldeigentümern gelingen.

Denn der Schutzwald schützt nicht von selbst. Seine Wirkung muss durch rechtzeitige Pflege, Verjüngung und nachhaltige Bewirtschaftung erhalten werden. Das ist eine langfristige Investition in die Sicherheit, Lebensqualität und Bewohnbarkeit der österreichischen Regionen.

 

Quellen und weiterführende Informationen
BMLUK: Schutzwaldpolitik in Österreich – Strategische Ausrichtung bis 2030
Schutzwald.at: Zahlen und Fakten zum Schutzwald
Hinweiskarte Schutzwald in Österreich
Evaluierung des Aktionsprogramms „Wald schützt uns!“
Waldfondsprojekt ÖKO-SCHU-WA
Forstgesetz 1975 in der geltenden Fassung

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Zum Weiterlesen

Zum Nachlesen

Rechte & Produktion

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