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Ameisen – nützliche Waldinsekten

Die fleißigen Waldarbeiter der Natur

Ameisen sind wichtige Bestandteile von Ökosystemen. Man findet sie in allen Lebensräumen. Besonders häufig findet man sie in trockenwarmen Wäldern und an Waldrändern, da die meisten mitteleuropäischen Arten wärmeliebend sind. Weltweit sind 13.000 Arten bekannt und alleine in Österreich sind 133 Arten sicher nachgewiesen. Zu der wohl bekanntesten heimischen Ameisenart zählt die Rote Waldameise.

Mit ihrer sozialen Lebensweise üben Ameisen einen faszinierenden Eindruck auf uns Menschen aus. Waldameisen leben in riesigen Völkern mit bis zu einer Million Individuen und haben einen großen Einfluss auf das Ökosystem Wald. Sie verbessern die Bodenqualität, verbreiten Pflanzensamen, verhindern Massenvermehrungen von anderen Insekten und tragen entscheidend zur nachhaltigen Waldgesundheit und Walddiversität bei.

Wussten sie, dass alle Ameisen unseres Planeten zusammen genau soviel wiegen wie alle Menschen zusammen und die größte Waldameisenkolonie 3.200 Nester auf einer Fläche von 3 km2 umfasst? Dieses Erfolgsinsekt verblüfft mit jeder Menge spannender Fakten.

Waldameisen

In Österreich sind rund 40.000 Insektenarten beheimatet. Darunter zählen die Waldameisen zu den wichtigsten Helfern im Wald.

Der Einfluss dieser Insekten auf das Ökosystem Wald ist sehr groß. Waldameisen halten den Wald gesund, indem sie den Boden durchlüften, Pflanzensamen verbreiten, viele Abfälle verwerten und erfolgreich Schädlinge dezimieren.

Würden Rote Waldameisen verschwinden, hätte dies vielfältige Auswirkungen im Zusammenhang mit dem ökologischen Gleichgewicht und dem Nahrungskreislauf im Wald.

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Waldameisen
Nützliche Helfer im Wald

Von den rund 133 in Österreich vorkommenden Ameisenarten sind es die Waldameisen, die eine forstliche Bedeutung haben und eine wichtige Rolle in unseren Wäldern spielen. Faszinierend bei diesen Insekten ist, dass sie gemeinsam mit Bienen und Wespen zu Insektenordnung der Hautflügler zählen und sie innerhalb dieser Ordnung die einzige Familie sind, in welcher alle Arten die höchste Stufe der Sozialität erreicht haben.

Soziale Lebensweise

Ameisen bilden Staaten, als Einzeltiere sind sie nicht überlebensfähig. Für den Bau ihres Nestes bevorzugen sie gut besonnte Plätze an Waldrändern, Wegen und Lichtungen in Nadel-, Laub- oder Mischwäldern. Das Nest errichten sie häufig über einem alten Baumstrunk. Es besteht aus der oberirdischen Nestkuppel, dem sogenannten Ameisenhügel, und dem unterirdischen Erdnest, welches bis zwei Meter tief sein kann und in dessen Kammern und Gängen die Brut gelagert und transportiert wird. Als Baustoffe für die Nestkuppel dienen verschiedenste Materialien wie Koniferennadeln, Knospenschuppen oder Zweigteilchen.

Strikte Arbeitseinteilung

Waldameisen leben in straff organisierten Staatengemeinschaften mit verschiedenen Kasten – Arbeiter, Weibchen (Königin) und Männchen – in denen eine klar definierte Arbeitsteilung herrscht. Die Nestbevölkerung ist in eine fortpflanzungsaktive Königinnenkaste und eine sterile Arbeiterinnenkaste gegliedert. Die Versorgung des Nachwuchses findet gemeinsam statt, weshalb die Aufgaben unter den Arbeiterinnen aufgeteilt wird.

Waldameisen tragen eine
wichtige ökologische Rolle

Waldameisen sind wahre Naturschützer, denn sie lockern den Waldboden mit vielen Gangsystemen auf und ermöglichen den Pflanzen dadurch, ein dichteres Wurzelwerk aufzubauen. Sie transportieren Aas und anderer Abfall ab, wodurch sie helfen, den Wald sauber zu halten. Waldameisen sind ausgesprochene Nützlinge des Waldes und stabilisieren sein ökologisches Gleichgewicht.

Eifrige Waldpolizei

Ameisen sind nicht nur eine wesentliche Nahrungsquelle für andere Tiere, sondern auch selbst erfolgreiche Schädlingsvernichter. Denn die krabbelnde Waldpolizei hat einen erheblichen Bedarf nach tierischer Nahrung und dabei sind auch forstlich relevante Schadinsekten in ihrem Nahrungsspektrum vertreten (Borkenkäferarten, Großer Brauner Rüsselkäfer, Fichtenblattwespe, Gespinstblattwespe, Lärchenminiermotte, Kiefernbuschhornblattwespe, Lärchenwickler, usw.). In einem Umfeld von ca. 20 – 50 m um den Ameisenbau vernichtet jedes Ameisenvolk pro Tag zehntausende Forstschädlinge bzw. deren Larven und Raupen. Vor allem Borkenkäfer, Lärchenminiermotten, Lärchenwickler und Blattwespenlarven können von Waldameisen in beachtenswerten Mengen dezimiert werden.

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Waldameisen
Beschützer & Unterstützer

Zwischen Rindenläusen und Waldameisen existieren enge Beziehungen. Rindenläuse ernähren sich von Pflanzensäften und scheiden den überschüssigen Zucker, den Honigtau, aus. Dieser ist die Lieblingsnahrung der Ameisen und zugleich bildet er auch die wichtigste Kohlenhydratquelle für das Ameisenvolk. Aus diesem Grund beschützen Waldameisen die Rindenläuse vor feindlichen Übergriffen und fördern diese, was wiederum zu einer gesteigerten Honigtauproduktion führt.

An dieser erfreuen sich auch eine Vielzahl anderer Insekten. Beispielsweise die aus forstlicher Sicht nützliche Schlupfwespen oder auch Honigbienen, die den Honigtau im Nadelwald sammeln und ihn zu Waldhonig weiterverarbeiten. Was letzendlich auch die Imker freut und profitieren lässt.

Ameisen fördern die
floristische Vielfalt im Wald

Ameisen haben auch eine wichtige Funktion bei der Verbreitung von Samen oder Früchten. Gerade in der Krautschicht werden viele Pflanzen durch Ameisen in ihrer Verbreitung gefördert. Denn im Gegensatz zur Baumschicht, von der vielfach die Samen durch den Wind verbreitet werden (z. B. Gemeine Föhre, Tanne, Fichte, Europäische Lärche, Erle, Birke, Hagebuche, Ulme, Ahorn, Weide, Pappel, Linde, Esche), ist die Windbewegung in Bodennähe nur schwach.

Die Ameisen schleppen die Samen zum Nest und beißen unterwegs oder im Nest den für sie wertlosen Samen ab, um nur das für sie nahrhafte sogenannte Elaiosom zu verwerten. Die Samen gelangen so an neue Orte und können an diesen keimen. In einer Vegetationsperiode werden durch die Ameisen eines Nestes so zigtausende Samen verbreitet.

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Schon gewusst?

Verblüffende Fakten zur faszinierenden Ameise

 

  • Alle Ameisen auf der Erde wiegen genauso viel wie alle Menschen
  • In Österreich leben 133 Ameisenarten
  • Ein ganzes Ameisenvolk kann in eine Buchecker oder Eichel leben
  • Waldameisen können ihren Nestkern genau auf 28° C halten
  • Die größte Waldameisenkolonie umfasst 3.200 Nester auf einer Fläche von 3 km2
  • Bestimmte Ameisenarten halten Nutztiere und melken diese
  • Viele Pflanzenarten werden durch Ameisen verbreitet
  • Ameisen kommunizieren über Geruchsstoffe
  • Die Königinnen mancher Arten können bis zu 30 Jahre alt werden
  • Viele Ameisen stechen und versprühen keine Ameisensäure 
  • In einem Ameisenvolk werden die unterschiedlichen Arbeiten altersabhängig ausgeübt

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Forstlicher Ameisenschutz

Der Erhalt und der richtige Umgang mit ihrem Lebensraum Wald ist der beste Weg, um Ameisenpopulationen zu stärken. Besonders vielfältige Wälder bieten ihnen einen attraktiven Lebensraum und Ameisen benötigen zudem auch die Wärme durch Sonneneinstrahlung. Deshalb fördern und sichern Waldbesitzer:innen durch gezielte Änderungen der Lichtverhältnisse ein möglichst breites Artenspektrum im Wald. Bei Gefahr der Ausdunkelung eines Volkes durch beispielsweise ein dicht geschlossenes Kronendach werden Äste, Kronenteile oder gleich der ganze Baum entfernt.

Auch beim Wegebau und bei der Holzernte wird sehr stark Rücksicht auf vorhandene Ameisennester genommen und seit einigen Jahren haben die in Österreich unter Naturschutz stehenden, hügelbauenden Waldameisen sogar eine eigens ausgebildete Lobby – die Waldameisenheger. Diese sorgen für eine sichere Umsiedelung der Ameisenhügel, wenn bauliche Maßnahmen die Krabbeltiere bedrohen.

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