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Mykorrhiza: Wie Pilznetzwerke klimafitte Wälder stärken

Ein Fachbeitrag von Mathias Mayer

  • Waldbesitzer:innen
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  • Fakten und Zahlen

Was wir vom Wald sehen, ist nur ein Teil des Ganzen. Unter der Erde arbeitet ein fein verzweigtes Netzwerk aus Wurzeln, Pilzen und Bodenleben. Mykorrhizapilze leben in enger Gemeinschaft mit Bäumen: Sie verbinden sich mit deren Wurzeln, unterstützen die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen und bekommen im Gegenzug Zucker, den die Bäume bei der Photosynthese bilden.

Diese Partnerschaft ist für den Wald nicht neu, doch im Klimawandel rückt sie stärker in den Blick. Trockenheit, Hitze und veränderte Standortbedingungen setzen vielen Waldbeständen zu. Wie gut ein Baum mit solchen Belastungen zurechtkommt, entscheidet sich nicht nur oberirdisch an Stamm, Krone und Blättern. Ein wesentlicher Teil seiner Widerstandskraft liegt im Boden.

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Was Mykorrhizapilze für Bäume leisten

 

Mykorrhizapilze vergrößern die Aufnahmefläche der Baumwurzeln. Mit ihrem feinen Pilzgeflecht erreichen sie Bodenbereiche, die die Wurzeln allein nicht erschließen könnten. So können Wasser und Nährstoffe besser zum Baum gelangen. Gerade in trockenen Jahren kann das ein Vorteil sein.

Im Gegenzug versorgt der Baum die Pilze mit Zucker. Es entsteht also eine Lebensgemeinschaft, von der beide Seiten profitieren. Für den Wald bedeutet das: Gesunde Böden und vielfältige Pilzgemeinschaften können dazu beitragen, dass Bäume besser wachsen und Stresssituationen eher überstehen.

Neuere Forschung zeigt zudem, dass bestimmte Mykorrhizapilze Nährstoffe direkt aus organischem Material erschließen und an die Bäume weitergeben können. Damit werden Nährstoffe für den Baum verfügbar, noch bevor das Material vollständig zersetzt ist.

Das Projekt MykoResi im Wienerwald

 

Wie wichtig diese unterirdischen Netzwerke für die Klimafitness von Wäldern sind, untersucht das BOKU-Forschungsprojekt MykoResi im Wienerwald. Geleitet wird das Projekt von Mathias Mayer vom Institut für Waldökologie der BOKU University.

Untersucht werden alte Waldbestände entlang unterschiedlicher Standort- und Wachstumsbedingungen. Das Forschungsteam analysiert mithilfe moderner DNA-Methoden, welche Mykorrhizapilze im Boden vorkommen. Diese Daten werden mit Baumwachstum, Bodeneigenschaften und Jahrringanalysen verknüpft.

Jahrringe sind dabei besonders aufschlussreich. Sie zeigen, wie Bäume in trockenen Jahren der vergangenen vier Jahrzehnte gewachsen sind und wie stark sie auf Trockenstress reagiert haben. So lässt sich untersuchen, ob widerstandsfähigere Bestände mit bestimmten oder besonders stabilen Pilzgemeinschaften verbunden sind.

Finanziert wird MykoResi vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK; DaFNE). Durchgeführt wird es in enger Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten, dem Biosphärenpark Wienerwald, der Gemeinde Wien sowie den Stiften Klosterneuburg und Heiligenkreuz.

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Warum der Blick in den Boden für die Forstpraxis wichtig ist

 

Für die Waldbewirtschaftung ist dieses Wissen bedeutsam. Denn klimafitte Wälder entstehen nicht nur durch die Wahl der passenden Baumarten. Auch der Standort, der Boden, das Bodenleben und die vorhandenen Pilzgemeinschaften spielen eine Rolle.
Wenn Wälder großflächig absterben oder vollständig geräumt werden, können spezialisierte Mykorrhizapilze verloren gehen. Ohne lebende Baumwurzeln verschwinden auch jene Netzwerke, die an die nächste Waldgeneration weitergegeben werden könnten. Deshalb wird in der Forschung und Forstpraxis diskutiert, wie sich solche unterirdischen Strukturen erhalten lassen.

Ein Ansatz ist eine besonders schonende Bewirtschaftung, die sogenannte „Continuous Root Forestry”: Dabei werden nicht alle Altbäume gleichzeitig entnommen. Bleiben einzelne Bäume stehen, bleiben auch lebende Wurzeln und Teile des Pilznetzwerks erhalten. Diese können jungen Bäumen den Start erleichtern und das Bodenleben stabilisieren.

Offen ist auch die Frage, wie stark die Wahl der Baumarten die Zusammensetzung der Mykorrhizapilze beeinflusst – ein Aspekt, der für künftige Aufforstungen von großer Bedeutung ist.

Klimafitte Wälder als Gesamtsystem verstehen

 

Das Projekt MykoResi zeigt, wie wichtig es ist, Wald nicht nur von oben zu betrachten. Ein klimafitter Wald besteht nicht allein aus den richtigen Baumarten. Er ist ein Zusammenspiel aus Bäumen, Boden, Wasser, Mikroorganismen, Pilzen und Bewirtschaftung.

Für Waldbesitzer:innen bedeutet das: Entscheidungen im Wald sollten immer standortbezogen getroffen werden. Welche Baumarten passen? Wie viel Licht braucht die Verjüngung? Wie kann der Boden geschützt werden? Und welche Strukturen sollten erhalten bleiben, damit das Waldökosystem stabil bleibt?

Eine einfache Lösung für alle Wälder gibt es nicht. Aber je besser wir verstehen, was unter der Erde geschieht, desto gezielter können Wälder auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet werden. Mykorrhizapilze sind dabei unsichtbare Helfer. Sie zeigen, dass die Zukunft des Waldes nicht nur in der Krone beginnt, sondern auch tief im Boden.

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