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Der Wald in Vorarlberg

Vom Rheinholz über den Bregenzerwald bis ins Montafon

  • Waldbesucher:innen

Vorarlberg ist ein Gebirgsland mit Wald. Die rund 97.000 Hektar Waldfläche machen gut ein Drittel der Fläche dieses Bundeslandes aus. Dieser Wald ist so vielfältig wie die Landschaft selbst: von den Auwäldern des Rheintals auf 396 Metern Seehöhe bis zu den höchsten Bäumen des Gemeindegebiets Partenen auf 2.187 Metern. Zwei Drittel des Baumbestands wachsen dabei oberhalb der 1.000-Meter-Grenze.

Was den Vorarlberger Wald auszeichnet, ist seine ökologische Aufgabe. Mit einem Schutzwaldanteil von 83 Prozent laut Waldentwicklungsplan – in manchen Berechnungen sogar 89 Prozent – ist er in erster Linie Schutzschild: gegen Lawinen, Muren, Steinschlag und Hochwasser. 28.000 Hektar Wald wachsen auf Hangneigungen von über 60 Prozent. Ohne diesen Wald wären mehr als zwei Drittel der Landesfläche dauerhaft bedroht.

Im Norden und in den Tallagen dominieren Buchenmischwälder mit Bergahorn, Weißtanne und Esche. Mit zunehmender Höhe übernimmt die Fichte, die im gesamten Vorarlberger Wald standortsbedingt über 50 Prozent ausmacht. Zugleich gilt Vorarlberg als „Land der Tanne”: Mit einem Vorratsanteil von 18 Prozent zählt die Weißtanne hier zu den prägenden Baumarten. Dies ist eine ökologische Stärke, denn die Tanne wurzelt tief, verträgt Schatten und stabilisiert den Waldboden wie kaum eine andere Art.

Quellen: Land Vorarlberg, Waldverein

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Das Große Walsertal – UNESCO-Biosphärenpark und Vorarlbergs wildeste Waldlandschaft

 

Im Herzen Vorarlbergs, zwischen den Flyschbergen des Walserkamms und den schroffen Gipfeln der Kalkhochalpen, liegt das Große Walsertal. Im Jahr 2000 wurde das rund 192 Quadratkilometer große Tal als UNESCO-Biosphärenpark ausgezeichnet. Es ist Österreichs erster Naturpark dieser Art und Vorarlbergs Modellregion für nachhaltiges Leben und Wirtschaften. Gut 90 Prozent der Fläche sind naturnahe Landschaft.

Das Herzstück des Schutzgebiets ist das Gadental – das größte Naturschutzgebiet Vorarlbergs. Auf einer Wegstrecke von nur vier Kilometern begegnet man hier acht vollständig verschiedenen Waldtypen: ein ökologisches Mosaik, das die außergewöhnliche Waldvielfalt dieses engen Bergtals eindrucksvoll belegt.

Rund 3.400 Menschen leben im Großen Walsertal, verteilt auf sechs Gemeinden. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins 13. und 14. Jahrhundert, als die Walser aus dem Wallis hierher zogen. Das Bewusstsein dieser 700-jährigen Geschichte – Dialekt, Tracht, Käsehandwerk, Alpwirtschaft – ist bis heute lebendig und fließt in das Biosphärenparkkonzept ein.

Foto: Großes Walsertal, Quelle: Großes Walserstal

Der Bregenzerwald und die Nagelfluhkette – Plenterwälder und Grenzlandschaft

 

Im Vorderbregenzerwald hat sich über Jahrhunderte eine Waldwirtschaftsform erhalten, die österreichweit eine Besonderheit darstellt: der Plenterwald. Hier werden nicht ganze Bestände gefällt, sondern immer nur einzelne, ausgewachsene Bäume – Weißtannen und Rotbuchen, neben denen der Nachwuchs längst bereitsteht. Der Wald erneuert sich dabei gleichsam von selbst, ohne je kahle Flächen zu hinterlassen.

Eingebettet in die Landschaft des Bregenzerwaldes liegt der Naturpark Nagelfluhkette. Er ist der erste grenzüberschreitende Naturpark zwischen Österreich und Deutschland. 19 Gemeinden aus dem Allgäu und dem Vorarlberger Vorderbregenzerwald tragen ihn gemeinsam seit dem Jahr 2008. Auf rund 501 Quadratkilometern wechseln Plenterwälder, Schluchtwälder, Hochlagenmoore, Alpweiden mit rund 290 Pflanzenarten und die charakteristischen Nagelfluh-Konglomerat-Felsen einander ab. Auerhahn, Steinadler und der in Vorarlberg selten gewordene Wiesenpieper finden hier Rückzugsraum.

Ein weiteres Naturjuwel der Region: Das Quelltuffgebiet an der Subersach bei Lingenau gilt als größtes in Vorarlberg und als bedeutendste Kalksinter-Bildung in Europa nördlich der Alpen. Besucher sehen hier bizarre Quelltuffvorhänge, meterhohe Felswände und Kalksinter-Becken auf einem 2,4 Kilometer langen Lehrpfad.

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Die Bedeutung des Waldes in Vorarlberg

 

In der Forst- und Holzwirtschaft Vorarlbergs sind rund 3.500 Personen vollzeitig beschäftigt, eine Zahl, die den Rohstoff Holz als wichtigen Wirtschaftsfaktor des Landes unterstreicht. Besonders hervor sticht der Vorarlberger Holzbau: In den vergangenen Jahrzehnten hat er sich auf hohem architektonischen Niveau neu erfunden und genießt heute weit über die Landesgrenzen hinaus internationales Ansehen.

Der Wald in Vorarlberg wächst schneller, als er genutzt wird: Jährlich kommen rund 610.000 Vorratsfestmeter hinzu, geerntet werden im langjährigen Schnitt nur etwa 400.000. Das entspricht einem Holzzuwachs von einem Kubikmeter pro Minute und ist genug, um in zwei Stunden ein Einfamilienhaus zu bauen. 

Quelle: Waldverein

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Wem gehört der Vorarlberger Wald?

 

Mehr als 6.000 Eigentümer:innen teilen sich den Großteil des Vorarlberger Waldes. Großbetriebe, wie sie in den östlichen Bundesländern vorkommen, sind die Ausnahme. Im Süden des Landes dominieren Agrargemeinschaften und Gemeindewälder; im Norden hingegen haben jahrzehntelange Erbteilungen zu einem Flickenteppich aus Klein- und Kleinstwaldparzellen geführt, die in der Bewirtschaftung mitunter schwer erschlossen werden können.

Quelle: Waldverband

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Den Wald in Vorarlberg kennenlernen

 

Wer den Vorarlberger Wald erleben möchte, hat die Wahl zwischen Urwäldern, Lehrpfaden und Naturparktouren.

Einige Empfehlungen:

Besondere Herausforderungen für den Wald in Vorarlberg

 

Die größte spezifische Bedrohung für Vorarlbergs Wald kommt nicht allein von Luftschadstoffen, der Klimaveränderung und Schadinsekten wie beispielsweise dem Borkenkäfer. Es ist das Wild: Rund 50 Prozent der verjüngungsnotwendigen Waldfläche weisen untragbare Wildschäden auf. Wo Rehwild und Rotwild die Naturverjüngung verbeißen, können klimafitte Mischwälder nicht nachwachsen. 

Dazu kommt die strukturelle Herausforderung des Schutzwaldes: Ohne aktive Bewirtschaftung verliert er seine Schutzwirkung. Eine Schutzwaldsanierung kostet zehnmal so viel wie laufende Waldpflege, technische Verbauungen gar hundertmal mehr. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Schutzwaldes ist damit nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Der Trend geht auch in Vorarlberg zu mehr Laubholz und artenreichen Mischwäldern, zu einem Wald der Zukunft, der stabiler, widerstandsfähiger und weniger anfällig für Extremereignisse ist.

Quelle: Waldverein

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Schon gewusst?

8 Waldtypen auf 4 Kilometern

 

Im Großen Walsertal zeigt sich auf engstem Raum, wie vielfältig alpine Wälder sein können: Im Gadental folgen auf rund vier Kilometern acht unterschiedliche Waldgesellschaften aufeinander – vom feuchten Schluchtwald über artenreiche Ahorn-Eschenbestände bis hin zu subalpinen Fichtenwäldern und Krummholz an der Waldgrenze. Kaum irgendwo sonst verdichtet sich die ökologische Vielfalt derart kompakt. Das Gadental ist Teil des Biosphärenparks Großes Walsertal und steht exemplarisch für die außergewöhnliche Bandbreite an Lebensräumen im alpinen Raum.

Im Großen Walsertal begegnet man auf vier Kilometern acht verschiedenen Waldtypen: Das Gadental, das größte Naturschutzgebiet Vorarlbergs, verdichtet auf dieser kurzen Strecke eine Waldvielfalt, für die man anderswo Tage braucht. Ein stiller Beweis dafür, wie ungewöhnlich reich an ökologischen Nischen dieses alpine Kerbtal ist.

Bild: Weg zur Hohen Kugel mit Blick über das Rheintal, auf den Säntis und Alpstein

 

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