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Zum Tag des Schmetterlings am 14. März werfen wir einen Blick auf diese farbenprächtigen Bewohner der österreichischen Wälder: Sie sind nicht nur hübsch und Botschafter leichter Sommertage – Schmetterlinge sind auch Botschafter der Biodiversität. Zwar ist ihre Rolle weniger sichtbar als die von Bäumen, Pilzen oder großen Säugetieren, doch sie sind Teil komplexer Nahrungsketten, tragen zur Bestäubung bei und gelten als sensible Indikatoren für die Qualität von Lebensräumen.
Tag des Schmetterlings
Der jährliche Aktionstag macht auf die Bedeutung von Schmetterlingen für die Biodiversität und ihre zunehmende Gefährdung aufmerksam. Blühendes Österreich und GLOBAL 2000 führen Citizen-Science-Projekte durch, bei denen Schmetterlinge via App gemeldet werden können.
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Vielfalt im Schatten der Bäume
In Österreich sind aktuell 4.071 Schmetterlingsarten aus 78 Familien erfasst. Der Großteil davon sind Nachtfalter, während 208 Arten zu den Tagfaltern zählen. Diese Vielfalt ist selbst im europäischen Maßstab beachtlich: Österreich übertrifft damit alle nord- und mitteleuropäischen Länder, einschließlich des deutlich größeren Deutschlands mit 3.602 Arten. Die große Artenvielfalt erklärt sich durch die großen Höhenunterschiede und die damit verbundene Vielfalt an Lebensräumen. Sie reichen von pannonischen Steppenrasen bis zu alpinen Schutt- und Felslebensräumen.
Am diversesten ist Niederösterreich mit 3.511 nachgewiesenen Schmetterlingsarten, gefolgt von der Steiermark mit 2.917 sowie Tirol, Kärnten und Oberösterreich mit jeweils rund 2.800 Arten. Selbst aus Wien wurden schon mehr als 2.500 unterschiedliche Schmetterlinge gemeldet.
Foto: Hauhechel-Bläuling, Zahlen Stand 03/2026, Quellen: Naturschutzbund Österreich; Blühendes Österreich
Wo leben Schmetterlinge im Wald? Typische Lebensräume in Österreich
Viele Schmetterlingsarten sind eng an Waldlebensräume gebunden. Besonders wichtig sind dabei lichte Wälder, Waldränder, Waldwiesen und Übergangszonen zwischen Wald und offenem Land. Gerade diese strukturreichen Bereiche bieten Schmetterlingen alles, was sie benötigen: Nahrungspflanzen für Raupen, Blüten für erwachsene Falter und ein jeweils geeignetes Mikroklima.
Typische Arten, die in österreichischen Waldlandschaften vorkommen, sind z.B:
- Admiral (Vanessa atalanta): Dieser weit verbreitete Falter bevorzugt lichte und blütenreiche Umgebungen, wie sie in Laub- und Mischwäldern zu finden sind. Besonders im Spätsommer ist er an Waldrändern und auf Waldlichtungen anzutreffen, wo er auf Nahrungssuche nach Blütennektar geht.
- Apollofalter (Parnassius apollo): Dieser seltene und schutzbedürftige Schmetterling bevorzugt kalkreiche, offene Landschaften mit lockerem Baumbestand oder Buschwerk. In Österreich findet man ihn vor allem in den Alpenregionen, wo er sonnige Hänge mit spärlicher Vegetation besiedelt.
- Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni): Als einer der ersten Boten des Frühlings bevorzugt der Zitronenfalter helle Laubwälder und Waldränder. Er ernährt sich gerne vom Nektar der Frühblüher und legt seine Eier auf verschiedenen Schmetterlingsblütlern (Fabaceae) ab.
- Auch unter den Nachtfaltern finden sich zahlreiche waldgebundene Arten, darunter Vertreter der Eulenfalter (Noctuidae), deren Raupen je nach Art an verschiedenen Pflanzen im Wald leben.
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Warum Raupen im Wald ökologisch so wichtig sind
Wenn von Schmetterlingen gesprochen wird, denkt man meist an die fliegenden Falter. Ökologisch mindestens ebenso wichtig sind jedoch die Raupen in ihren einzelnen Stadien. Raupen ernähren sich meist von ganz bestimmten Pflanzenarten und sind ein zentraler Teil der Nahrungskette im Wald.
Vor allem für viele Vogelarten stellen Raupen eine wichtige Eiweißquelle dar. Während der Brutzeit benötigen Meisen, Grasmücken oder Rotkehlchen große Mengen an Raupen, um ihre Jungen zu versorgen. Auch zahlreiche räuberische Insekten, Spinnen oder Kleinsäuger profitieren von dieser Nahrungsquelle. Schmetterlinge und ihre Larven sind damit ein wichtiger Bestandteil der ökologischen Wechselwirkungen im Wald.
Schmetterlinge als Bestäuber im Wald
Als Bestäuber tragen Schmetterlinge zur Reproduktion vieler Pflanzenarten bei und sind somit ein unverzichtbarer Teil des Ökosystems. Besonders Tagfalter trinken regelmäßig aus Blütenund übertragen dabei Pollen von einer Blüte zur nächsten.
Im Wald betrifft das vor allem Blütenpflanzen an Waldrändern, auf Lichtungen oder entlang von Wegen. Sträucher wie Brombeeren oder Himbeeren, aber auch zahlreiche Waldblumen profitieren davon. Zwar sind Schmetterlinge nicht die wichtigsten Bestäuber im Wald, sie ergänzen jedoch das komplexe Netzwerk der Bestäubung.
Foto: Apollofalter
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Warum Schmetterlinge als Bioindikatoren für die Waldgesundheit gelten
Schmetterlinge sind nicht nur wegen ihrer beeindruckenden Vielfalt und Schönheit von Bedeutung, sie sind auch wichtige Bioindikatoren. Ihre Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen im Lebensraum macht sie zu einem Frühwarnsystem für ökologische Störungen. Wenn Schmetterlingsarten verschwinden, deutet das häufig darauf hin, dass auch andere Arten unter Druck geraten.
In Österreich leistet das Projekt „Viel-Falter: Tagfalter-Monitoring” Pionierarbeit: Unter der wissenschaftlichen Leitung des Instituts für Ökologie der Universität Innsbruck werden seit 2018 in Tirol und seit 2020 in Vorarlberg systematisch Tagfalter erhoben. Expert:innen und Freiwillige zählen an mehr als 400 Standorten in ganz Österreich Schmetterlinge. Die Daten fließen in die europäische Biodiversitätsstrategie und den EU-weiten Indikator der Wiesenschmetterlinge ein. Ergänzt wird dies durch die App „Schmetterlinge Österreichs”, ein Citizen-Science-Projekt von Blühendes Österreich und GLOBAL 2000, über das bereits mehr als 730.000 Schmetterlingsbeobachtungen gesammelt wurden (siehe auch biologischevielfalt.at.)
Foto: Wiener Nachtpfauenauge
Warum Waldränder wichtig für Schmetterlinge sind
In Österreich spielen vor allem Waldränder eine zentrale Rolle für Schmetterlinge: Diese Übergangsbereiche zwischen Wald und Offenland gehören zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt.
Hier treffen unterschiedliche Lebensräume aufeinander: Bäume, Sträucher, Kräuter und Gräser wachsen dicht nebeneinander. Dadurch entstehen viele unterschiedliche Nahrungsquellen und Mikrohabitate. Wenn Waldränder strukturreich gestaltet sind – also mit gestuften Übergängen von hohen Bäumen über Sträucher bis zu Krautschichten – profitieren zahlreiche Schmetterlingsarten. Auch Lichtungen, Waldwege oder kleine Freiflächen können wichtige Lebensräume darstellen.
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Wie beeinflusst Forstwirtschaft die Schmetterlingsvielfalt im Wald?
Monotone, sehr dichte Bestände schränken die Artenvielfalt ein: Fichtenforste beispielsweise werden nur von wenigen Schmetterlingsarten besiedelt. Auch die Zerstörung von sogenannten Waldmantelgesellschaften, also Sträucher und kleinere Bäume, sowie das Entfernen einzelner Habitatbäume und Totholz wirken sich negativ auf die Schmetterlingsvielfalt aus.
Mithilfe forstlicher Nutzung in der nachhaltigen Waldbewirtschaftung entstehen immer wieder Strukturen, die für Schmetterlinge günstig sind: Lichtungen nach Holznutzungen, junge Waldstadien mit mehr Licht, strukturreiche Waldränder und unterschiedliche Altersphasen im Wald.
Viele moderne Waldbau-Strategien setzen bewusst auf strukturreiche Mischwälder und auf eine stärkere Vielfalt von Baumarten und Waldstrukturen. Durch die Förderung von Mischwäldern stellen Waldbesitzer und Waldbewirtschafter eine breite Palette von Nahrungsquellen und Lebensräumen bereit, die sowohl den Schmetterlingen als auch ihren Raupen zugutekommen. Und davon profitieren nicht nur Schmetterlinge, sondern auch zahlreiche andere Insekten, Vögel und Pflanzen.
Foto: Segelfalter
Wie reagieren Schmetterlinge auf den Klimawandel?
Auch Schmetterlinge reagieren empfindlich auf den Klimawandel. In Österreich ist das durch wissenschaftliche Studien konkret belegt: Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Paris-Lodron-Universität Salzburg hat anhand historischer Aufzeichnungen des Hauses der Natur Salzburg nachgewiesen, dass sich Gebirgs-Tagfalter im Bundesland Salzburg in den vergangenen 60 Jahren im Schnitt um etwa 300 Höhenmeter bergaufwärts verschoben haben (Rödder et al. 2021, publiziert in „Scientific Reports”).
Eine weitere Studie desselben Teams zeigt, dass viele Schmetterlingsarten im Norden Österreichs zwei bis drei Wochen früher zu fliegen beginnen als noch vor einigen Jahrzehnten, eine direkte Reaktion auf steigende Temperaturen und weniger Schnee (Habel et al. 2024, publiziert in „Global Change Biology”).
Manche wärmeliebenden Arten profitieren von den milderen Bedingungen und breiten sich aus: Schwalbenschwanz, C-Falter oder Kaisermantel haben ihr Verbreitungsgebiet erweitert. Gleichzeitig geraten alpine Spezialisten zunehmend unter Druck: Am Gipfel ist der Weg nach oben zu Ende. Laut dem Klimaatlas der Tagfalter Europas könnten bei einem Temperaturanstieg von 2,4 °C bis 2080 insgesamt 147 europäische Tagfalterarten mehr als die Hälfte ihres geeigneten Lebensraums verlieren (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung; biodiv-im-wald.online).
Foto: Trauermantel
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Schmetterlinge als Gradmesser für die Biodiversität
Schmetterlinge sind im österreichischen Wald keine dominierenden Akteure. Dennoch erfüllen sie wichtige Funktionen im Ökosystem: Sie bestäuben Pflanzen, sind Teil der Nahrungsketten und liefern wertvolle Hinweise auf den Zustand von Lebensräumen.
Vor allem aber machen sie sichtbar, wie eng die verschiedenen Elemente eines Waldes miteinander verbunden sind. Wo Schmetterlinge fliegen, gibt es meist auch eine große Vielfalt an Pflanzen, Insekten und anderen Tieren. Damit sind sie nicht nur faszinierende Bewohner unserer Wälder, sie sind auch ein wichtiger Gradmesser für die biologische Vielfalt in Österreichs Waldlandschaften.
Der Tag des Schmetterlings am 14. März ist daher ein idealer Anlass, um auf die Bedeutung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung für die Schmetterlingsvielfalt und die gesamte Biodiversität in Österreichs Wäldern aufmerksam zu machen.
Foto: Admiral
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Quellen
- Bundeforschungszentrum für Wald – BFW
- Quelle: Naturschutz – Rund ein Drittel der Waldfläche Österreichs unter Schutz
Rechte & Produktion
© 2022 BFW und waldgeschichten.com – Die österreichischen Familienwaldbetriebe & Österreichischer Forstverein – Unterstützt durch den Holzinformationsfonds der Landwirtschaftskammer Österreich
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