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Klimaschutzleistung der Forst- und Holzwirtschaft

Ein Fachartikel von Kasimir Nemestothy, Martin Höbarth, Thomas Leitner

  • Waldbesitzer:innen
  • Waldarbeiter:innen
  • Fakten und Zahlen

Fakten statt Wunschdenken

Die aktuelle Debatte rund um den Beitrag der Wälder zum Klimaschutz wird zunehmend von verkürzten Darstellungen geprägt. Bei der Betrachtung isolierter einzelner Jahre entsteht durch die widersinnige Berechnungsmethodik der LULUCF-Verordnung der falsche Eindruck einer Zielverfehlung. Die Daten zeigen ein deutlich differenzierteres Bild – und machen klar: Der Wald kann kein politisches Wunschdenken erfüllen, sondern folgt biologischen Gesetzmäßigkeiten.

Waldgeschichten über die Klimaschutzleistung der Forst- und Holzwirtschaft

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Warum sind lineare LULUCF-Zielpfade für Wälder problematisch?

 

Die LULUCF-Grafik zu Senken und Quellen seit 1990 verdeutlicht, dass die CO₂-Bindungsleistung der Wälder zyklischen Schwankungen unterliegt. Häufigere Extremwetterereignisse, zunehmende biotische Kalamitäten wie Borkenkäferbefall sowie eingeschränktes Wachstum in Trockenjahren führen temporär zu geringeren Senkenleistungen. Dies führt eindringlich zur Erkenntnis, dass politisch definierte, lineare Zielpfade von der natürlichen Dynamik nicht eingehalten werden. Überschießende Planungsvorgaben können klimawandelbedingte Wachstumseinbußen (v.a. Niederschlagsdefizite und Dürrephasen) nicht außer Kraft setzen.

Das irreführende LULUCF-Berechnungsproblem kann nur gelöst werden, indem die fehlerhafte Verordnung zeitnah mit umfassender Einbindung des Forst- und Holzwirtschaftssektors komplett neu konzipiert wird. Die Anpassung der Methodik, z.B. die vollständige Anrechnung der Holzprodukte, und Definition realistischer Ziele, ist dringend notwendig.

Grafik: Aufstellung der Senken und Quellen in Abhängigkeit der Sektoren in Österreich (Datenquelle: UBA – LULUCF)

Sinkende Senkenleistung

 

Der Verlauf der Schadholzmengen ab 2002 – siehe Grafik – korrespondiert mit der LULUCF Trendwende in der oben gezeigten Grafik. Hier wurde ein Temperaturniveau erreicht, von dem sich der Wald bis heute nicht erholt hat. Die sinkende Senkenleistung ist ein Effekt der Klimakrise!

Waldgeschichten über die Klimaschutzleistung der Forst- und Holzwirtschaft

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Waldgeschichten über die Klimaschutzleistung der Forst- und Holzwirtschaft

© 2026 UBA – LULUCF, Statistik Austria, REDIII

Klimaschutzleistung der Forst- & Holzwirtschaft

 

Nachhaltige Waldbewirtschaftung, langlebige Holzprodukte und die Substitutionseffekte des Holzenergieeinsatzes sind für den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit und die positive Wirtschaftsentwicklung in Österreich von großer Bedeutung.

Entscheidend ist der Blick auf die langfristige Gesamtleistung: Seit 1990 hat die Forst- und Holzwirtschaft eine immense Klimaschutzleistung erbracht. Rund 400 Millionen Tonnen CO₂ wurden zusätzlich im Wald und im Waldboden gebunden. Weitere etwa 80 Millionen Tonnen CO₂ sind in Holzprodukten gespeichert – von langlebigen Bauprodukten bis zu kurzlebigeren Anwendungen wie Papier. Hinzu kommt die Substitution fossiler Energieträger durch Holz, die mit rund 430 Millionen Tonnen CO₂ zu Buche schlägt.

Insgesamt ergibt sich eine Entlastung der Atmosphäre von rund 900 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten – eine Klimaschutzdienstleistung der Waldbesitzer:innen ohne finanzielle Abgeltung. Bei Betrachtung der gesamten Zeitspanne mit konstanten Waldinventurdaten seit 1960 wäre der gewaltige Klimaschutzbeitrag des Forst- und Holzwirtschaftssektors noch um ein Vielfaches höher.

Grafik: Die akkumulierte Senkenleistung der Forstwirtschaft und der Holzprodukte (HWP – Harvested Wood Products) sowie die Substitutionswirkung des Holzenergieeinsatzes erzielt in Österreich seit 1990 den gewaltigen Klimaschutzbeitrag einer Atmosphärenentlastung um ca. 900 Mio. t fossilem CO2eq (Datenquelle: UBA – LULUCF, Statistik Austria, REDIII).

Belastung der Atmosphäre durch fossiles CO₂

 

Im Gegensatz zu den sehr positiven Klimaschutzwirkungen einer aktiven Waldbewirtschaftung und Holzverwendung wurde die Atmosphäre seit 1990 durch die Verbrennung von Kohle, Erdölprodukten und Erdgas in Österreich mit rund 2,4 Milliarden Tonnen fossilem CO₂ belastet. Die fossile Energie ist eindeutig der Hauptverursacher für die fortschreitende Klimaverschlechterung. Während einzelne Waldjahre öffentlich problematisiert werden, bleibt die enorme Belastung der Atmosphäre weitgehend unhinterfragt. Ganz im Gegenteil: Für die Produktion von Energieholz werden Nachhaltigkeitskriterien regelmäßig verschärft, zusätzliche Bürokratie und Verteuerung durch Zertifizierung geschaffen und mit allgemeinen Regelwerken zur Entwaldungsfreiheit zusätzlich belastet.

Mindestkriterien für die Gewinnung fossiler Rohstoffe, die Umweltaspekte und soziale Aspekte beinhalten, gibt es nicht. Gleichlautende Forderungen werden etwa von der GD Umwelt immer mit dem gleichen Argument abgeschmettert: Fossile Rohstoffe sind per se nicht nachhaltig, daher braucht man auch keine Nachhaltigkeitskriterien. Aber nachvollziehbare Mindestkriterien zur Wahrung von Menschenrechten, zu Arbeitsschutz oder Ähnlichem sind interessanterweise auch nicht gewünscht.

Die Gegenüberstellung mit der tatsächlichen Senkenleistung der Landökosysteme (LULUCF) zeigt nur allzu deutlich, dass die fossilen CO₂-Emissionen nur ansatzweise durch die Photosynthese-Leistung kompensiert werden können.

Grafik: Die akkumulierte Belastung der Atmosphäre durch die Freisetzung von fossilem CO2 aus der Verbrennung von Kohle, Erdölprodukten und Erdgas in Österreich summiert sich seit 1990 auf ca. 2,4 Milliarden Tonnen CO2eq und stellt den Hauptverursacher für die fortschreitende Klimaverschlechterung dar (Datenquelle: Statistik Austria, Energiebilanz).

Waldgeschichten über die Klimaschutzleistung der Forst- und Holzwirtschaft

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Waldgeschichten über die Klimaschutzleistung der Forst- und Holzwirtschaft

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Holzvorrat und Holzproduktion

 

Die Entwicklung von Holzvorrat und Holzproduktion zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltige Forstwirtschaft beides kann: Klimaschutz durch Bewirtschaftung und Holzverwendung. Mit der Ausgangsbasis eines Holzvorrates von rund 925 Millionen Vorratsfestmeter wurde von 1990 bis 2025 die Gesamtmenge von rund 1 Milliarde Festmeter Holz produziert. Davon wurden rund 255 Millionen Vorratsfestmeter zur Erhöhung des Holzvorrates auf nunmehr rund 1.180 Millionen Vorratsfestmeter eingesetzt sowie durch die Holznutzung rund 410 Millionen Festmeter Sägerundholz, rund 120 Millionen Festmeter Industrieholz und rund 170 Millionen Festmeter Energieholz für die stoffliche und energetische Verwertung bereitgestellt.

Zusätzlich verblieben etwa 110 Millionen Festmeter als Biotopholz im Wald. Damit wurde von den Waldbesitzer:innen in Österreich neben der großen Wertschöpfungs- und Klimaschutzleistung auch ein wesentlicher Beitrag zur Biodiversität erbracht. Es ist wichtig, dass aus aufgefüllten Vorratsspeichern ausreichende Holzmengen entnommen werden, damit CO₂ wieder verstärkt aufgenommen werden kann (Waldverjüngung). Diese Fakten müssen proaktiv, verständlich und kontinuierlich als selbstbewusste Darstellung der gesamtgesellschaftlichen Leistung kommuniziert werden.

Grafik: Der österreichische Holzvorrat ist seit 1990 trotz intensiver Nutzung um rund 255 Millionen Vorratsfestmeter angestiegen. In diesem Zeitraum wurde über eine Milliarde Festmeter Holz produziert (Datenquelle FAO FRA 2025,HEM BMLUK).

Das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile (Aristoteles)

 

Die aktive Waldbewirtschaftung und -verjüngung zur Steigerung der Kohlenstoffaufnahme, die Verwendung von Holz als langfristigen und effizienten CO₂-Speicher sowie als Ersatz fossiler und treibhausgasintensiver Rohstoffe und Materialien bringt in Summe gesehen den größten Klimaschutzhebel von Wald und Holz. Dies zeigt auch die Studie CareforParis: Der Substitutionseffekt kann bis zum doppelten der Waldsenke betragen.

Grafik: Die Holzverwendung leistet einen enorm wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, die Substitutionseffekte können selbst im Szenario mit moderater Erwärmung bis zum Doppelten der Waldsenke beitragen (Datenquelle: CareforParis, BFW, UBA, BOKU).

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