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Ein Krankenhaus verbinden wir meist mit einer „High-tech“-Umgebung: viel Kunststoff, Stahl und Glas. Gleichzeitig wächst bei Forschenden das Interesse an Materialien, die nicht nur funktional, sondern auch gesundheitsförderlich sind. Holz spielt hier eine zentrale Rolle.
In den vergangenen Jahren sind weltweit mehrere Projekte und Studien erschienen, die gezielt untersuchen, wie sich sichtbares Holz in Innenräumen auf Stress, Wohlbefinden und Hygiene auswirkt.
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EU-Projekt Wood for Health: Leitfaden für mehr Holz im Gesundheitsbau
Ein wichtiger Teil der neuen Forschung ist das EU-Projekt Wood for Health (gefördert im Rahmen von ForestValue, einem europäischen Forschungsnetzwerk ERA-NET). Ziel des Projekts: den sicheren und stärkeren Einsatz von Holz in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen zu ermöglichen.
Im August 2025 veröffentlichten Wissenschaftler:innen den Leitfaden „A Guide to Using More Wood in Healthcare Buildings“. Darin werden erstmals europaweit die wichtigsten Anforderungen zusammengeführt, die bei der Verwendung von Holz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu beachten sind: Hygiene, chemische Beständigkeit gegenüber Reinigungsmitteln, mechanische Robustheit, Farbstabilität, Brandschutz und Innenraumklima.
Der Leitfaden stellt klar:
- Holz kann gezielt und sichtbar in Bereichen wie Patientenzimmern, Wartebereichen, Aufenthaltsräumen und Personalzonen eingesetzt werden.
- Hygienische und brandschutztechnische Anforderungen lassen sich durch geeignete Oberflächen, Beschichtungen und Konstruktionsdetails erfüllen.
- Ziel ist ausdrücklich, den Holzanteil in Gesundheitsbauten zu erhöhen, nicht ihn aus Vorsicht weiter zu begrenzen.
Damit liefert Wood for Health eine wichtige Grundlage: Das Verwenden von Holz im Gesundheitsbereich ist kein „Nice to have“. Es gibt einen handfesten, europäisch gestützten Referenzrahmen, der Planern, Betreibern und Fördergebern Argumente an die Hand gibt.
Messbare Gesundheitseffekte: Stress, Cortisol, Herzratenvariabilität
Außer Leitlinien sind auch belastbare Studien erforderlich.
Drei Bereiche sind dabei besonders wichtig:
Holz-Warteraum im National Oncology Institute Bratislava
In einer oft zitierten Fallstudie wurde ein Wartezimmer des Nationalen Onkologie-Instituts in Bratislava mit einem hohen Anteil sichtbaren Holzes ausgestattet. 50 Proband:innen wurden 20 Minuten lang im Raum beobachtet, gemessen wurden u. a. Cortisol im Speichel, Herzfrequenz, Blutdruck und emotionale Bewertung.
Das Ergebnis: Die Studien zeigen, dass Menschen in Holzumgebungen meist geringere Stressreaktionen haben. (PMC)
Herzratenvariabilität (HRV) in Holzräumen (Cross-over-Studie 2024)
Eine 2024 publizierte Cross-over-Studie verglich einen Innenraum mit Holzinterieur mit einem Raum, der überwiegend aus künstlichen Materialien bestand. Gemessen wurden Herzratenvariabilität (HRV) und psychologische Parameter.
Die Teilnehmenden hatten in einem mit Holz ausgestatteten Raum eine bessere Herzratenvariabilität und empfanden den Raum als angenehmer. Die Forschenden sehen darin ein Zeichen für geringeren Stress und mehr Wohlbefinden in Räumen mit Holz.
Holzanteil und Innenraumklima (0 %, 45 %, 90 % Holz)
Eine 2025 erschienene Studie aus Südkorea untersuchte Räume mit unterschiedlichen Holzanteilen (0 %, 45 %, 90 % der Flächen). Außer Temperatur und Luftfeuchtigkeit wurden auch physiologische Reaktionen der Nutzer:innen erfasst. Ergebnis: Je mehr Holz im Raum eingesetzt wurde, desto besser waren das Raumklima, die Stresswerte und das persönliche Wohlbefinden.
Diese Arbeiten zeigen einheitlich:
- Die Effekte treten dort auf, wo Holz sichtbar und flächenwirksam ist.
- Die Proband:innen verbringen mindestens einen kurzen Zeitraum in dieser Umgebung, also deutlich mehr als nur eine kurze Blickexposition.
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Holz im Krankenhaus: Hygienisch besser als sein Ruf
Ein häufiges Gegenargument gegen Holz im Krankenhaus lautet: „Porös, schwer zu reinigen, hygienisch problematisch.“ Die neuere Forschung zeichnet ein genaueres Bild. Die Übersichtsarbeit „Hygienic Perspectives of Wood in Healthcare Buildings“ (Munir et al., 2021) fasst den Stand der Erkenntnisse so zusammen:
- Holz besitzt aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung und seiner Struktur antimikrobielle Eigenschaften: viele Bakterien überleben auf Holz kürzer als auf glatten, nicht porösen Materialien.
- Mit der richtigen Oberflächenbehandlung lassen sich Holzoberflächen genauso gut reinigen wie andere gängige Materialien.Hygienische Risiken entstehen vor allem durch die falsche Behandlung von Holz, nicht durch das Material an sich. (MDPI)
Das Wood for Health-Konsortium greift diese Ergebnisse auf und entwickelt gezielt antimikrobielle Holzoberflächen und Hygiene-Konzepte, um den Einsatz von Holz in Spitälern zu erweitern. Damit lassen sich pauschale Einwände („Holz ist unhygienisch“) nicht mehr halten, wenn Planung und Ausführung fachgerecht erfolgen.
Überblick über die Wirkung von Holz auf Körper und Wohlbefinden
Eine Übersichtsarbeit (2026) fasst Studien zusammen, in denen untersucht wurde, wie Menschen auf Holz in Innenräumen reagieren. Dabei wurden unter anderem Herzfrequenz, Herzratenvariabilität (HRV), Hirnaktivität, Stimmung und Konzentration gemessen.
Ergebnis:
- Räume mit sichtbarem Holz können das Wohlbefinden deutlich verbessern und eine angenehme, natürliche Atmosphäre schaffen.
- Vor allem die Wirkung des sichtbaren Holzes ist gut untersucht, zunehmend auch Effekte über Berührung, Akustik oder Geruch.
- Die Forschenden empfehlen weitere Studien mit längerer Aufenthaltsdauer und größeren Gruppen
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Zusammengefasst
Die aktuelle Forschung zeigt ein klares Bild: Sichtbar eingesetztes Holz in Innenräumen von Krankenhäusern kann Stressreaktionen senken, das Wohlbefinden steigern und das Raumklima positiv beeinflussen.
Gleichzeitig sprechen die verfügbaren Daten nicht dafür, dass Holz bei fachgerechter Planung und Reinigung ein erhöhtes Hygienerisiko darstellt. Im Gegenteil: Viele Keime überleben auf Holz kürzer als auf glatten, nicht porösen Materialien, und die Reinigbarkeit ist mit geeigneten Methoden vergleichbar.
Entscheidend ist dabei, wie Holz eingesetzt wird: sichtbar, in ausreichendem Umfang und mit passenden Oberflächen sowie klaren Hygiene- und Nutzungskonzepten. Genau hier setzen aktuelle Projekte wie Wood for Health an – mit Leitlinien, geprüften Lösungen und einem klaren Ziel: mehr Holz in Gesundheitsbauten möglich zu machen.
Holz ist dabei nicht nur ein Baustoff mit gesundheitlichem Potenzial, sondern auch ein nachwachsender Rohstoff. Seine Verwendung steht in engem Zusammenhang mit einer verantwortungsvollen, nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Wird Holz aus klimafit und langfristig bewirtschafteten Wäldern eingesetzt, verbindet sich Gesundheitsbau mit ökologischer Verantwortung.
Noch wird viel geforscht, doch die Richtung ist klar: Holz im Gesundheitsbau ist nicht nur eine schöne Vorstellung. Es ist ein konkreter Ansatz für Gebäude, die gesünder, angenehmer und nachhaltiger sind.
Schon gewusst?
Zirbenholz beruhigt – messbar!
Die Zirbe – auch Zirbenkiefer (Pinus cembra) – gilt seit Langem als besonders wohltuendes Holz für Innenräume. Studien, unter anderem aus Österreich, zeigen, dass Räume mit Zirbenholz einen positiven Einfluss auf das vegetative Nervensystem haben können. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass Menschen in Zirbenräumen eine niedrigere Herzfrequenz und eine höhere Herzratenvariabilität aufweisen. Beides geben Hinweise auf geringeren Stress und bessere Erholung.
Auch der charakteristische Duft der Zirbe, der von natürlichen ätherischen Ölen im Holz stammt, wird mit beruhigenden Effekten auf Schlafqualität und Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Diese Erkenntnisse haben dazu beigetragen, dass Zirbenholz heute häufig in Schlafzimmern, Wellnessbereichen und zunehmend auch in gesundheitsorientierten Gebäuden eingesetzt wird.
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Zum Nachlesen
Rechte & Produktion
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